Aachen/Linnich: Bruder mit Messer niedergestochen: Polizeibeamte sagen vor Gericht aus

Aachen/Linnich: Bruder mit Messer niedergestochen: Polizeibeamte sagen vor Gericht aus

Am zweiten Verhandlungstag vor der Aachener Schwurgerichtskammer kamen am Montag die Polizeibeamten, die vor dem Linnicher St. Josefs-Krankenhaus den wütenden Angeklagten Ö. in Gewahrsam genommen hatten, als Zeugen zu Wort.

Dem 35-Jährigen aus Baesweiler wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, dort am Morgen des 10. September 2017 seinen ein Jahr älteren Bruder mit einem Messer beinahe getötet zu haben. Zeugen schilderten am Montag, wie der von den Stichen schwer verletzte Mann sich ins Krankenhaus rettete und dort von den Ärzten versorgt wurde. Zuvor hatten ein Zuschauer aus der Nachbarschaft des Krankenhauses und ein weiterer Mann die beiden Kämpfenden mit Rufen und nachdrücklichem Einwirken auseinandergebracht, sie eröffneten damit dem Opfer die Möglichkeit, sich ins Krankenhaus zu retten.

Die Polizisten, die am Tatort ankamen, berichteten, dass der mutmaßliche Täter immer noch außer sich gewesen sei und sich gegen die Fesselung und die Verbringung in den Polizeiwagen gesperrt habe.

Als Hintergrund der Tat, so war aus Verlesungen von Dokumenten durch den Vorsitzenden Richter Roland Klösgen zu entnehmen, ist wohl eine rasende Eifersucht des Angeklagten auf seinen Bruder anzunehmen. So schilderte das Gericht Aussagen, nach denen es um eine Freundin des Angeklagten gegangen sei, die an dem Tatmorgen bei dem Bruder im Auto, einem dunklen Audi Kombi, gesessen habe.

Angeblich hatte Ö. sie bereits am Abend zuvor in ihrer Wohnung in Aldenhoven verprügelt, weswegen die Geschädigte beim Bruder des Rasenden Zuflucht gesucht hatte. Der Angeklagte soll dann an dem Tatmorgen ein klärendes Gespräch mit ihr vor dem Krankenhaus gefordert habe, das Ergebnis ist bekannt.

Zeuginnen schilderten am Montag, wie nach dem unübersichtlichen Gerangel auf dem Gehweg vor einem Imbiss am Krankenhaus der Täter außer sich und wie verrückt auf den Wagen eindrosch, in dem sich noch der wahrscheinliche Anlass der Tat, nämlich seine Freundin, befand. Sogar einen großen Stein habe er auf die Motorhaube des Audi geknallt und den Wagen rundum mit Schlägen traktiert. Das Messer lag inzwischen unbeachtet auf dem Gehweg, es wurde später von den Beamten sichergestellt.

Zu Verwirrungen kam es nach verschiedenen Zeugenaussagen über die Lage der Kämpfenden. Denn einer der Schlichter hatte berichtet, dass der Mann, der von den Zuschauern aus gesehen oben auf dem anderen kniete, eigentlich das Opfer war. Er war bereits mit Messerstichen in die Schulter und den Brustkorb verletzt und hatte es anscheinend trotzdem geschafft, den wütenden Bruder am Boden zu halten und damit weitere Stiche zu verhindern. So vermuteten am Montag zwei Zeuginnen, dass der eigentliche Täter über dem anderen gekniet habe, es war aber höchstwahrscheinlich andersherum. Alle Zeugen berichteten, dass der Angeklagte „wie weggetreten“ gehandelt habe und auf nichts wirklich reagiert habe. Über seinen Zustand wird eine psychiatrische Sachverständige ein Gutachten erstellen. Der Prozess wird am morgigen Mittwoch fortgesetzt.

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