Brandstiftung in Jülich-Selgersdorf: Fast wie beim „Denver Clan“

Selgersdorfer Brandstiftung vor Gericht : Ein Rosenkrieg fast wie beim „Denver Clan“

Nach seinem Geständnis im Fall von schwerer Brandstiftung – begangen auf seinem eigenen Reiterhof in Selgersdorf – zieht sich in dem filmreifen Ehedrama die Schlinge um den Hals des Angeklagten G. (52) deutlich enger zu.

G. hatte gestanden, in der Nacht zum 9. Mai 2018 im Dach des Wohnhauses Benzin ausgeschüttet und es in Brand gesteckt zu haben. Der Hof brannte nieder, seine Tochter und seine Frau konnten sich knapp retten.

Plädoyers verschoben

Am Donnerstag gab die Aachener Schwurgerichtskammer mit dem Vorsitzenden sogenannte rechtliche Hinweise, die deswegen gegeben werden, damit sich die Verteidigung juristisch auf mögliche Tatvorwürfe vorbereiten kann. Eigentlich waren an diesem Verhandlungstag bereits Plädoyers von Anklage, Nebenklage und Verteidigung vorgesehen. Doch es kam anders, die Kammer verschob die Plädoyers auf den kommenden Verhandlungstag.

„Der heute nicht anwesende Verteidiger Björn Hühne und sein Kollege Peter Nickel sollen Zeit bekommen, um sich darauf vorzubereiten“, verfügte Richter Roland Klösgen die Verlegung der Schlussvorträge in diesem Prozess, in dem im Verlauf der Verhandlung Szenen einer Ehe offenbar geworden waren, die als Drehbuch diverser Folgen des US-Familienspektakels „Denver Clan“ hätten dienen können

Zwar lautete die Anklage der Staatsanwaltschaft bislang auf schwere Brandstiftung in Tateinheit mit versuchtem Mord, die Staatsanwaltschaft geht hier von einem vorsätzlichen Tötungsversuch aus. Doch anscheinend hat die bislang zehn Verhandlungstage umfassende Beweisaufnahme noch weitere mögliche Mordmotive ans Licht gebracht. Denn der Vorsitzende wies am Donnerstag explizit darauf hin, dass auch eine Verurteilung des Angeklagten wegen „niederer Beweggründe“ in Betracht käme, da er möglicherweise den Hof in Brand gesteckt habe, weil er nicht habe dulden wollen, dass „ein anderer den Hof, den er als sein Lebenswerk ansieht“, in Besitz nehme.

Obergeschoss angezündet

Der Hintergrund: Obwohl nach langem und zehrendem Streit der Eheleute G. der Hof endlich verkauft war und G. seinen hälftigen Anteil an dem Besitz bekommen sollte, steckte er letztlich aus wenig nachzuvollziehbaren Gründen das Obergeschoss des Gehöftes an. Für die Tat war er in der Dunkelheit aus einem Kurzurlaub an der niederländischen Küste angereist, dies angeblich ohne Wissen seiner Lebensgefährtin, mit deren Wagen er von der Küste nach Selgersdorf gefahren war.

Im Prozess hatte der Mann, der sich seit mehr als zwei Jahren einen erbitterten Trennungskrieg mit seiner Ehefrau und gleichermaßen den Kindern lieferte, dargelegt, dass auch die Beziehung zu seiner neuen Lebensgefährtin zur Tatzeit nicht mehr bestanden habe, man nur noch freundschaftlich verbunden gewesen sei. Auch auf die Qualität oder den Status dieser Beziehung hatte sich die Vernehmung einer weiteren Zeugin – eine 51-jährige Tierärztin – bezogen, die aktuell nichts von einer Trennung des neuen Paares wusste.

Zum Rosenkrieg der Eheleute hatte sie eine eindeutige Meinung: „Sie haben ihn so lange gedemütigt und erniedrigt, dass abzusehen war, dass er sich irgendwann wehren wird“, legte sie der Kammer ihre Einschätzung dar. Er sei seiner Frau intellektuell heillos unterlegen gewesen und sie „hat ihn das immer spüren lassen“, beschrieb sie das Ehepaar. Doch die Kammer verwies ebenfalls auf noch ein weiteres Mordmotiv. Der versuchte Mord sei möglicherweise auch deswegen von Seiten des Angeklagten geplant worden, weil er sich durch die Auszahlung der dann gesamten Versicherungssumme einen finanziellen Vorteil erhofft habe.

Lebenslänglich?

Bei allen schlimmen Mordvorwürfen, die G. ein Strafmaß von bis zu 15 Jahren Haft oder sogar lebenslänglich einbringen würden, darf nicht vergessen werden, dass die Kammer gleichwohl ebenfalls eine Verurteilung „nur“ wegen schwerer Brandstiftung offen gelassen hat. Deswegen darf man auf die Plädoyers äußerst gespannt sein. Das Verfahren wird am 18. Februar fortgesetzt.

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