Jülich: Brainergy-Park Jülich: „Lebendes Labor“ mit Köpfchen

Jülich : Brainergy-Park Jülich: „Lebendes Labor“ mit Köpfchen

Die Entwicklung auf der Merscher Höhe kann man sich zweigeteilt vorstellen. Zum einen entsteht vor den Toren Jülichs ein klassisches Gewerbegebiet für um- oder ansiedlungswillige Unternehmen und Handwerksbetriebe (350.000 Quadratmeter). Das soll etwa im Sommer 2019 losgehen.

Unabhängig davon soll in diesem interkommunalen Projekt, bei dem die Stadt Jülich mit den Gemeinden Titz und Niederzier kooperiert, im Kernbereich (50.000 Quadratmeter) eine Art „lebendes Labor“ entstehen, in dem Firmen und Forscher das Energiesystem der Zukunft testen, „live“ demonstrieren und vermarkten.

Dieses Bild vom Brainergy-Park Jülich, der im besten Fall viele neue Arbeitsplätze schafft, wurde am Donnerstagabend bei der Bürgerinformation in der Schalterhalle der Sparkasse am Schwanenteich gezeichnet. Die Veranstaltung der Entwicklungsgesellschaft Campus Merscher Höhe (CMH) lockte Interessierte, die besonders häufig von den „vielen Potenzialen und Stärken“ (Sparkassen-Vorstand Udo Zimmermann) des Standorts hörten, die endlich gehoben werden sollen.

Denn dass die Forschungseinrichtungen in der Stadt — vor allem der FH-Campus und das Forschungszentrum — auf dem Feld der „Neuen Energien“ über exzellentes Knowhow verfügen, ist ja nicht neu. Nun gibt es aber erstmals ein Projekt, bei dem diese Kompetenzen zusammengefügt und für die gesamte Region gewinnbringend genutzt werden können.

Die Idee ist, dass hier Unternehmen und Forscher an einem bestehenden System zeigen, wie die Energiewende funktionieren kann. Dieser Teil auf der Merscher Höhe funktioniert aber nur, wenn die hohen Kosten für ein beispielloses Projekt massiv gefördert werden — auch oder vor allem aus Mitteln des Strukturwandels.

„Es muss eine Förderung geben — und eine Beteiligung der Industrie“, sagte Tobias Ell vom Büro Carpus + Partner, das den Masterplan des Brainergy-Parks entwickelt hat. Moderator Professor Michael Gramm fragte Dr. Lothar Mahnke, Geschäftsführer der Aachener Wirtschaftsförderungsgesellschaft AGIT, vor genau diesem Hintergrund nach einer „Bringschuld Dritter“. Mahnke bejahte und sieht in der Jülicher Planung „eines der wenigen Leuchtturmprojekte, die identifiziert sind“, um aus dem Bundestopf für Strukturwandel der Braunkohleregionen gefördert zu werden.

Mahnke zur Energiekompetenz: „Ich behaupte, es gibt in Europa keine Region, die so ein Potenzial hat wie Aachen-Jülich!“ In diese Kerbe hieb auch Professor Ulf Herrmann (FH-Solarinstitut Jülich), der neben Tobias Ell dem Publikum die Idee einer vernetzten kleinen Stadt im Brainergy-Park erläuterte. Um eine Schaltzentrale, die Bedarfe ermittelt und Wärme, Kälte, Strom intelligent speichert und verteilt, gruppieren sich 20 bis 30 Gebäude, die versorgt werden.

Die Schätzkosten dieses innovativen Teils des Brainergy-Parks bewegten auch Zuhörer am Donnerstag. 55 Millionen Euro, bei denen einen Förderkulisse bis zu 90 Prozent möglich ist (Michael Gramm) sind schon eine Hausnummer. Aber sowohl die Bürgermeister Axel Fuchs (Jülich) und Jürgen Frantzen (Titz) als auch CMH-Geschäftsführer Frank Drewes machten deutlich, dass es eine Ausstiegsstrategie gibt, wenn die Idee scheitert oder nicht ausreichend bezuschusst wird.

Gerade die Kommunen, deren beispielhafte Kooperation das Projekt erst ermöglichten, haben da nichts zu verschenken. Frantzen: „Wir fahren hier nicht Harakiri!“ Wenn das Kernstück nicht so „bespielt“ werden kann, wie es der Masterplan vorsieht, wird es auch „normales Gewerbegebiet“. Daran glaubten am Donnerstag aber nur die wenigsten.

„Auch das Forschungszentrum wird sich massiv beteiligen“, kündigte Axel Fuchs nach einem Gespräch mit FZJ-Chef Professor Wolfgang Marquardt an. Carlo Aretz, Geschäftsführer des Technologiezentrums Jülich, ist zuversichtlich: „Das geht in die richtige Richtung.“

(-vpu-)
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