Jülich: Brainergy-Park Jülich: Jetzt tickt die Uhr

Jülich: Brainergy-Park Jülich: Jetzt tickt die Uhr

Gut Ding will Weile haben, sagt der Volksmund, und das stimmt oft. Doch manchmal braucht es auch Tempo. Das von fast allen geladenen Gästen aus der Region am Mittwoch hochgelobte Projekt Brainergy-Park Jülich hat so viel Zeit nicht, wenn es Realität werden soll.

Im Grunde bleibt ein Fenster von acht bis zwölf Monaten, in denen wichtige Entscheidungen fallen müssen, um den rund 45 Hektar normalen Gewerbeflächen auf der Merscher Höhe das innovative Herzstück einzupflanzen. Der vorgestellte Masterplan sieht vor, auf dem sieben Hektar großen Spezialbereich modernste Gebäude zu errichten und im Boden eine Versorgungs-Infrastruktur zu schaffen, wie man sie in Deutschland so nicht findet. Das alles zielt speziell auf Firmen ab, die die im Land politisch gewollte Energiewende ermöglichen: durch neue Speicher, intelligente Leitungsnetze und regenerative Stromproduktion.

Das kostet eine Stange Geld: rund 56,5 Millionen Euro. Die drei Kommunen, die dieses Projekt durch ihre Zusammenarbeit (Flächentausch) ermöglichen, können das nicht stemmen. Der Titzer Bürgermeister Jürgen Frantzen erklärte bei der Projektvorstellung, dass bei einer reinen Eigenfinanzierung nach dem bisherigen Verteilungsschlüssel auf seine Kommune gut 14 Millionen Euro entfielen. Und zum Vergleich: Der Haushaltsentwurf 2018 sieht in Titz Gesamteinnahmen von knapp 18 Millionen Euro vor.

In dieser Situation wären auf anderem Niveau auch die weiteren Projektkommunen Jülich und Niederzier. Jetzt müssen also die Stellen Farbe bekennen, die schon die Erstellung des Masterplans gefördert haben: zunächst die Landesregierung und später der Bund. Denn ein Brainergy-Park Jülich, der einen Beitrag zur Energiewende leistet, der von den eingebundenen Jülicher Forschungseinrichtungen mitgestaltet wird, übernimmt auch gesamtgesellschaftliche Aufgaben.

Neue Arbeitsplätze

Zudem könnten hier Arbeitsplätze entstehen, die genau dann zur Verfügung stehen, wenn die Braunkohleförderung und -verstromung in dieser Region auf ihr möglicherweise vorzeitiges Ende zusteuert. Auch das ist ein Zeitfaktor, denn große Projekte werden ja nicht im Schweinsgalopp umgesetzt, sondern brauchen Vorlauf. „Wir befinden uns schon mitten im Strukturwandel“, erklärte Frantzen für Titz, das mit Hambach und Garzweiler an zwei Tagebaue angrenzt und sich wappnen will und muss.

Frank Drewes, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft, die den Brainergy-Park auf die Beine stellen will, sagte am Mittwoch: „Wir werden jetzt zunächst das klassische Gewerbegebiet entwickeln.“ Das dürfte bis zum Sommer 2018 passiert sein. Dann müsse man recht schnell wissen, „ob das Brainergy-Thema förderfähig ist“. Bei der Erschließung (Straßen/Leitungsnetz) sollen alle Firmen, nicht nur die Energieexperten, die Möglichkeit erhalten, an das innovative Versorgungssystem im Boden (Kälte, Wärme, Gas, Wasser, Digitalnetz) angeschlossen zu werden. Das sollte gleich zu Beginn auch aus Kostengründen vorbereitet werden.

In einem nächsten Schritt wird der Masterplan Brainergy-Park mit den Energieversorgern der Region besprochen, um Kooperationen auszuloten.

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