Brainergy-Park: Ist Jülich dem Strukturwandel zu weit voraus?

Fördermittel für den Brainergy-Park : Ist Jülich dem Strukturwandel zu weit voraus?

Die Pläne und die Förderzusagen für den sogenannten Brainergy-Park liegen vor. Das Problem ist gerade, wann das Geld kommt.

In der Formel 1 wäre Jülich mit seinem Brainergy-Projekt vielleicht der Michael Schumacher zu seinen Glanzzeiten – ständig Erster, so dass für andere nur der Blick in die Bremslichter bleibt. Wer beim Strukturwandel die Ziellinie stets als Erster überschreitet und als Klassenbester agiert, kann allerdings auch an seine Grenzen stoßen: Jülich ist so schnell, dass selbst die Politik mit ihren milliardenschweren Förderprogrammen hinterherhinkt.

In einer Sondersitzung des Jülicher Stadtrates noch im Mai oder Juni soll der Bebauungsplan festgezurrt und dann offengelegt werden. Frank Drewes, Geschäftsführer der Brainergy Park Jülich GmbH, will damit ein klares Signal setzen: „Wir wollen dokumentieren, dass wir planungsrechtlich unsere Aufgaben abgearbeitet haben und betonen, dass wir keine Zeit zu verlieren haben.“ Und weil die Träger öffentlicher Belange bereits im Vorfeld in die Planung eingebunden wurden, gehen Drewes und Projektberater Professor Dr. Michael Gramm davon aus, dass bereits im Herbst Baurecht vorliegen könnte – deutlich zu früh, um von Förderprogrammen zum Strukturwandel zu profitieren.

Behelfen wollen sich Drewes und Gramm deshalb mit einer Zwischenlösung: Das Land hat einen Wettbewerb ausgeschrieben, mit dem Wirtschaftsflächen in Wert gesetzt und erschlossen werden können. Bei diesem Wettbewerb hat Jülich den Zuschlag erhalten. Mit Hochdruck arbeitet Drewes an dem entsprechenden Detailantrag, der bis zu den Sommerferien vorliegen muss. „Mit den avisierten rund drei Millionen Euro könnten wir ab 2020 einen Teil der Erschließungsmaßnahmen für das Areal auf der Merscher Höhe finanzieren“, sagt Frank Drewes.

Land könnte einspringen

Bei einem geschätzten Volumen von rund 90 Millionen Euro ist das aber nur ein Bruchteil der Summe, die möglichst schnell benötigt wird. Das Problem: Wenn die Planer tatsächlich im Herbst loslegen können, klafft eine Finanzierungslücke. Zwar soll das Eckpunkteprogramm der Bundesregierung jetzt in ein Gesetz gegossen werden, das dürfte aber frühestens Ende des Jahres beschlussfähig sein. Gramm: „Es geht nicht um die Höhe des Förderbetrages, weil es inhaltlich keine Kritik an unserem hoch innovativen Ansatz, an der Energie von morgen zu arbeiten, gibt.“

Einspringen könnte erneut das Land. „Es gibt Signale, dass das Land entsprechende Übergangsmittel bereitstellen will. Wir werden jetzt mit der Bezirksregierung in den Klärungsprozess eintreten“, sagt Michael Gramm, „damit es nicht zu Verzögerungen kommt“.

Dass Drewes und Gramm derart aufs Tempo drücken, hat zwei Gründe. Sie wollen mit dem interkommunalen Gewerbegebiet und dem Brainergy Park sofort in die Vermarktung einsteigen, weil es schon jetzt eine hohe Nachfrage bei innovativen Unternehmen gibt. Und bei lokalen Firmen, die ihren Betrieb erweitern oder umsiedeln möchten. Drewes: „Es geht nicht mehr um die Frage, wann der Brainergy Park kommt, sondern, wie schnell er kommt. Wir können es uns jetzt nicht mehr erlauben, weitere zwei Jahre zu planen, sondern müssen den Unternehmen einen konkreten Umsetzungshorizont aufzeigen.“

Für Michael Gramm ist noch ein zweiter Punkt entscheidend: „Wir könnten in den nächsten zwei Jahren nennenswert Arbeitsplätze in Jülich schaffen. Wenn das nicht gelingt, wäre es kein glaubwürdiger Strukturwandel.“

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