Freialdenhoven: Borussia Freialdenhoven will Nummer 1 im Kreis bleiben

Freialdenhoven : Borussia Freialdenhoven will Nummer 1 im Kreis bleiben

Gleich ein Kracher zu Beginn: Zum Auftakt der Fußball-Mittelrheinliga trifft Borussia Freialdenhoven — das beste Team des Jülicher Landes — am Freitagabend (19.30 Uhr) zu Hause auf den äußerst ambitionierten Liga-Neuling und Lokalrivalen 1. FC Düren.

Das Spiel ist eingebunden in ein Eröffnungsprogramm des Fußball-Verbandes Mittelrhein. Nicht nur wegen des exponierten Eröffnungsspiels ist die Vorfreude groß beim Präsidenten Rolf Imdahl und Trainer Wilfried Hannes.

Warum hat die Borussia seit Jahren partout kein Interesse am Aufstieg in die Regionalliga?

Hannes: In der Regionalliga spielen ein paar Traditionsvereine, die abgerutscht sind. Aachen oder Essen, das sind hier im Westen die großen Zuschauermagneten. Wenn man sich die Zahlen der anderen Vereine anguckt, dann stellt man fest, dass es Wahnsinn ist, für so wenige Zuschauer diesen Aufwand zu betreiben.

Imdahl: Das hat viel mit der Einführung der 3. Liga damals zu tun, die eine Klasse über der Regionalliga ist. Die hat bis heute keine Berechtigung. 3. Liga und Regionalliga — da kann keiner von leben.

Wie viel größer ist der Aufwand für die Regionalliga?

Imdahl: Wir haben nur Amateurspieler. Studenten, junge Burschen, die im Berufsleben stehen. Eine Klasse höher musst du Jungs haben, die davon leben können. Wenn das mal aus Spielersicht denkt: Wer gibt seine Arbeitsstelle auf, um mal in der Regionalliga zu spielen?

Hannes: Wegberg-Beeck ist doch ein Paradebeispiel. Die haben nach dem ersten Aufstieg in die Regionalliga alles gelassen, wie es war, keine Profis geholt. Und wie viele Punkte hatten sie am Ende? 13!

Neben dem Thema Geld: Was müsste passieren: damit man in Freialdenhoven sagt: Aufstieg — das versuchen wir?

Imdahl: Wir müssten zuerst mal die Auflagen des DFB erfüllen. Das ist schon erheblich. Wir bräuchten zwei Eingänge, um einen Gästeblock abtrennen zu können.

Hannes: Im Gästeblock müssen eigene Toiletten sein. Die Spielerkabinen müssen größer werden. Das passt alles nicht zu uns. Wenn ich auf die Mannschaft schaue: Wo gibt es hier Regionalligaspieler? So gut wie keine. Die musst du von Profiklubs holen. Das kostet. Wir gehen da einen anderen Weg.

Wie sieht der aus?

Hannes: Wir suchen Jungs aus der Region, damit die Fahrerei sich in Grenzen hält.

Imdahl: Für einen Verein wie uns darf das Geld nicht an oberster Stelle stehen. Klar, das spielt auch eine Rolle. Aber wenn das die oberste Priorität ist, dann passt es nicht. Es ist zudem schwieriger, Spieler zu motivieren, wenn der Aufstieg von Anfang an kein Thema ist. Da braucht man Jungs, die sich mit dem Verein identifizieren.

Ist die Borussia damit der Gegenentwurf zum neu gebildeten 1. FC Düren, der als Aufsteiger und neu gegründeter Verein große Ziele ausgegeben hat und perspektivisch aufsteigen will?

Imdahl: Ich habe zu Düren einen recht großen Abstand. Ich kann nur eins sagen: Wenn das so klappt, wie der Landrat sich das vorstellt, dass man in ein paar Jahren höher spielt, dann hat er etwas Besonderes geleistet. Ich fände es toll, wenn Düren wieder an seine alte Fußball-Tradition anknüpfen würde. Ich weiß aber, dass das schwer ist.

Hannes: Du kannst viel Geld in die Hand nehmen. Das ändert aber an meiner Aussage von eben nichts: Hier vor Ort gibt es kaum Spieler, die Regionalliga spielen können. Die Dürener, die in höheren Klassen spielen, sind auch für den 1. FC Düren zu teuer.

Wie merkt man es in Freialdenhoven, dass mit dem 1. FC Düren jetzt ein Verein im gleichen Teich fischt, der Spielern mehr Geld bietet?

Imdahl: Ich glaube gar nicht, dass sie im gleichen Teich fischen. Da, wo die fischen, wollen wir gar nicht hin. Wir haben eine ganz andere Vorstellung. Bisher sind die Dürener nicht an Spieler rangegangen, die zwei Klassen tiefer tolle Leistungen bringen. Ich habe das Glück, Winnie Hannes zu haben, der die Spieler kennt, die vielleicht mit ein bisschen Zeit zu Stammspielern werden. Auch, wenn sie zuerst nicht viel spielen. Das sind bisher keine Spieler, die der 1. FC Düren holt. Was man so hört, was in Düren gezahlt wird — das ist schon ungewöhnlich. In Sachen Etat für die Mannschaft würde ich sagen: das Dreifache von uns.

Trotzdem hat man sich in Freialdenhoven wahrscheinlich gefreut, als feststand, dass die Mittelrheinliga am Freitag um 19.30 Uhr mit dem Spiel Borussia gegen den 1. FC Düren eröffnet wird, oder?

Hannes: Ja klar. Wir sind schon lange dabei, haben mit dem Verband immer gut zusammengearbeitet. Da finde es normal, dass ein etablierter Verein da das Heimrecht kriegt, statt ein Aufsteiger wie der 1. FC Düren. Man muss aber ganz klar sagen, dass sie es geschafft haben, dass in Düren wieder über Amateurfußball geredet wird. Da sind zwar viele skeptisch, aber trotzdem.

Imdahl: Wir haben ja auch schon Erfahrungen gemacht. Ich habe mich mit dem Landrat (Landrat Wolfgang Spelthahn ist der Vorsitzende des neuen Vereins, Anm. d. Red.) ausgetauscht, er hat mir versichert, dass man nicht an unsere Spieler rangeht. Und dann erfahre ich, dass mit vier unserer Spieler verhandelt wird. Dass der Landrat da nichts von wusste, halte für möglich. Gesprochen haben sie beispielsweise mit Kevin Kruth. Der kommt ja aus Düren. Er hat uns gesagt, was sie ihm geboten haben. Das war mehr als bei uns. Und er hat mit keinem Wort gesagt, dass er bei uns mehr haben will und hat bei uns verlängert.Was das Eröffnungsspiel angeht: Der Fußballverband Mittelrhein plant da richtig was. Alle Meister und verdiente Ehrenamtler werden geehrt. Wir freuen uns sehr, dass es uns gelungen ist, diese Eröffnungsveranstaltung zu uns zu holen.

Welches Ziel setzt sich die Borussia, wenn der Aufstieg beinah auf immer und ewig kein Thema sein kann?

Hannes: Mit unseren Mitteln so weit oben mitspielen wie es geht. Und wir haben jetzt einen neuen Anreiz mit dem 1. FC Düren. Wir waren die Besten im Kreis. Und das wollen wir verteidigen. Außerdem ist es uns immer wieder gelungen, im Pokal für Furore zu sorgen. Das wollen wir wieder.

Imdahl: Wir wollen unseren Charakter als Dorfverein weiter pflegen. Als wir vier Jahre eine Klasse höher gespielt haben, da mussten wir Spieler von ganz wo anders holen. Wenn wir damals am Ende nicht verzichtet hätten, dann gäbe es uns in der Form heute nicht mehr. Wir sind stolz darauf, dass es uns gelingt, eine Mannschaft zu haben, die auch nach dem Training gerne zusammen sitzt.

Wie schätzen Sie Ihr neues Team ein?

Hannes: Ich würde schon sagen, dass wir sicher genau so stark sind wie in der vergangenen Saison. Wir haben unerwartet viele Abgänge, darunter auch einige wichtige Spieler. Daisuke Tkai ist heimgekehrt nach Japan, Poogbeom Lee nach Südkorea. Julian Wiersberg haben wir an den 1. FC Düren verloren. Aber wir haben gute Jungs dazubekommen. Ein Hussain Alawie hat zwei Klassen tiefer bei den Sportfreunden Düren in zwei Jahren 52 Tore gemacht. Er spielte quasi beim 1. FC Düren vor der Nase, aber wir haben ihn geholt. Mit Mark Szymczewski kehrt ein Leistungsträger zurück. Säulen unseres Spiels wie ein Gerard Sambou, Christian Kreutzer oder Kevin Kruth sind geblieben. Ich bin da sehr zuversichtlich.

Wie hat sich die Entscheidung ausgewirkt, den Aschenplatz in einen Kunstrasen umzuwandeln?

Imdahl: Da brauche ich nur eine Zahl zu nennen. 160. Unsere Jugendabteilung ist auf 160 Spieler gewachsen. Ein guter Kunstrasenplatz ist ein Standortvorteil. Eltern wählen bevorzugt Vereine für ihre Kinder auf, wo sie wissen, dass nicht auf Asche gespielt wird. Auch wenn ich gerne an den einen oder anderen Kampf auf der Asche zurückdenke, muss ich sagen, dass der Kunstrasen ein Standortvorteil ist. Das gilt übrigens auch für Spieler der 1. Mannschaft.

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