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Besichtigung von Zitadelle und Schloss Jülich

Zitadelle Jülich : Eine Zeitreise in der Herzogstadt

Wieso gibt es in Jülich eine Schlosskapelle im Stil der italienischen Hochrenaissance? Das und mehr erfährt man am kommenden Sonntag, 6. Oktober, bei einem Besuch der mächtigen Zitadelle und des Ostflügels des herzoglichen Schlosses.

Der Vorsitzende des Fördervereins Festung Zitadelle Jülich, Dr. Rüdiger Urban, bittet dann zu einer Führung.

Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg beauftragte Mitte des 16. Jahrhunderts seinen Baumeister Alessandro Pasqualini, auf den Fundamenten der weitgehend abgebrannten mittelalterlichen Stadt eine „Idealstadtanlage der Renaissance“ zu errichten. Es entstand eine Festungsanlage in neuitalienischer Bauweise mit breiten Wällen und mächtigen Bastionen, die eine optimale Verteidigungsfähigkeit gegen moderne Kanonen besaß. Damit galt Jülich, das sich in einer militärstrategisch herausragenden Lage befand, als uneinnehmbar.

Das herzogliche Schloss beherrschte die Stadt, es überragte die Zitadelle stärker, als es heute erscheint. Doch der Stern der Herzöge von Jülich-Kleve-Berg sank so schnell, wie er aufgestiegen war. Die Stadt wurde bald schon eine reine Garnisonsstadt. Niederländer, Spanier, Franzosen, Preußen hatten hier das Sagen, die Stadt selbst jedoch veränderte sich kaum. Die Festungswerke aber wurden über die Jahrhunderte ausgebaut bis hin zum Brückenkopf auf der gegenüberliegenden Rurseite. Es galt Schritt zu halten mit der Geschützentwicklung und den Angreifer immer weiter vor der Festung zu stoppen. 1860 war diese Form der Verteidigungsanlagen nach gut 300 Jahren endgültig überholt und die Stadtfestung niedergelegt. Nur die neun Hektar große Zitadelle vermittelt noch einen Eindruck von der neuitalienischen Festungsbauweise.

Besucht wird die Johannes-Bastion der Zitadelle mit ihren verschiedenen Verteidigungsebenen, den Kanonenhöfen und Horchgängen. Bei gutem Wetter schließt sich ein Spaziergang über die Wälle an. Dafür ist festes Schuhwerk erforderlich. Vom östlichen Wall hat man einen herrlichen Blick auf das herzogliche Schloss mit dem wiedererstandenen kunst- und architekturhistorisch bedeutsamen Ostflügel. Nach einem Besuch der beeindruckenden Schlosskapelle mit dem „Mittelsäulenmotiv“ geht es in den vollständig erhaltenen Schlosskeller. Hier kann man einen Blick auf die Betonträger und Hydraulikpressen werfen, die verhindern, dass Teile der Schule aufgrund einer geologischen Störung weiter absinken.

Beginn der gut zweistündigen Führung ist um 11 Uhr, Treffpunkt ist am stadtseitigen Eingang der Zitadelle, an der Pasqualini-Brücke am Schlossplatz. Die Führung selbst ist kostenlos, Besucher bezahlen nur den Eintritt für das Museum Zitadelle. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Teilnehmerzahl ist allerdings auf 25 Personen beschränkt.