Jülich: Beratungsstelle für Frauen und Mädchen richtet einen Trödelmarkt aus

Jülich : Beratungsstelle für Frauen und Mädchen richtet einen Trödelmarkt aus

Eine Charity-Veranstaltung kann auch in Form eines Trödelmarktes das spendenfreudige Publikum anziehen und ihren gemeinnützigen Zweck erfüllen. Die im Kreis Düren einzige Beratungsstelle für Frauen und Mädchen mit Sitz in Jülich wird bis zu 80 Prozent mit finanziellen Mitteln vom Land NRW, dem Kreis Düren und der Stadt Jülich gefördert.

Der Eigenanteil setzt sich aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen und den Erlösen aus wohltätigen oder benefizartigen Aktionen zusammen. Der unlängst organisierte Charity-Trödelmarkt rund um die Räumlichkeiten der Beratungsstelle in der Römerstraße versammelte bei bestem Sommerwetter viele Verkäufer von außergewöhnlichen, exotischen, bunten und lustigen oder gar antiken Sachen, nach denen so mancher schon „ewig gesucht hat“.

In den hauseigenen Garten lockten weitere Marktstände, Erfrischungen und eine große Tombola die vielen Besucher an. Auf die glücklichen Gewinner warteten wertvolle Warengutscheine und Sachpreise, die von der Jülicher Werbegemeinschaft gestiftet wurden. Die Erlöse aus den Einnahmen von gesponserten Waren und jegliche am Tag der Veranstaltung angenommenen Spenden wurden bis zu 3250 Euro von der Bethe-Stiftung verdoppelt. „Diese Gelder fließen in unsere Mädchenprojekte mit dem Schwerpunkt Gewaltprävention ein“, sagt Jennifer Eicker, die unter anderem eine offene Gruppe für Mädchen zwischen 12 und 16 Jahren betreut. Den hohen Rang dieser Projekte in ihrer Beratungstätigkeit unterstrichen die beiden Geschäftsführerinnen Dagmar Ahrens und Marie Brenner.

„Bei den Mädchen kann man noch viel verändern. In der frühen Entwicklung können die Weichen auf Selbstbewusstsein und Selbstschutz gestellt werden“, erklärt Brenner. Die Selbstbehauptungskurse, die in den Ferien angeboten werden, sollen den Teilnehmerinnen zu einer inneren Stärke und dadurch einem selbstbewussten Auftreten in jeder Lebenslage verhelfen. Mit einfachen Techniken des verbalen Ausdrucks und der Körpersprache sowie Elementen der Selbstverteidigung werden hier Verhaltensweisen trainiert, die in akuten Gefahrensituationen angewendet werden können. „Diese Kurse kamen bei den Mädchen so gut an, dass unsere Räumlichkeiten zu eng wurden und wir auf das Dietrich-Bonhoeffer-Haus ausweichen mussten“, sagt Eicker, und „der Bedarf ist sehr groß, es kommen immer mehr interessierte junge Frauen zu uns“. Um diesem positiven Trend gerecht zu werden, möchten die Beraterinnen das Kursangebot erweitern. „Der heutige Erlös wird das ermöglichen“, freut sich Ahrens.

Gewalt in der Familie

Auch die Fortführung der Projekttage in den Schulen wird damit unterstützt. Essstörungen, Trauma, KO-Tropfen und sexualisierte Gewalt gehören zu den Themen. Seit 1987 unterstützt die Beratungsstelle Frauen und Mädchen in schwierigen Lebenslagen mit dem Schwerpunkt „häusliche- und sexualisierte Gewalt“. „Im Prinzip können alle Frauen und Mädchen zu uns kommen, die irgendwie in einer Krise stecken“, formuliert Ahrens das Angebot der Beratungsstelle. Zwischen 350 und 450 Frauen jährlich nehmen dieses Angebot wahr. Häufig ist Gewalt in der Familie die Ursache dafür und die meisten Betroffenen nehmen eine langfristige Beratung in Anspruch. Vor Ort erhalten die oft schwertraumatisierten Frauen eine direkte und praktische Hilfe von den im Bereich der Traumatherapie ausgebildeten Fachangestellten.

„Die häusliche Gewalt gab es schon immer, doch das Thema wurde über Generationen tabuisiert“, sagt Dagmar Ahrens. Dass immer mehr Frauen und Mädchen ihre Hilfe in Anspruch nehmen, führt sie auf die zunehmende öffentliche Thematisierung des Problems zurück. Die aufklärende Rolle der Frauenbewegung und die zunehmende Präsenz dieser Problematik in den Medien sieht die Geschäftsführerin als wichtige Anstoßfaktoren der positiven Entwicklung. „Die Gewalt zieht sich über alle Gesellschaftsschichten und Nationalitäten hindurch“, fasst sie ihre Erfahrungen zusammen, „hinter den Hausfassaden passiert im verborgenen viel Schlimmes und den Frauen sieht man es selten an“.

„Dadurch, dass das Thema öffentlicher geworden ist, trauen sich die Frauen und Mädchen immer mehr, etwas darüber zu sagen, und finden bei uns Gehör“, sagt Marie Brenner. Die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle beschreiben ihre Aufgabe als konkrete Hilfestellung zur Stärkung der Opfer und Vermeidung von weiteren Übergriffen und als Schutz- und Präventionsmaßnahmen für Frauen und Mädchen, die noch nicht betroffen waren. Die beim Charity-Trödelmarkt gesammelten Gelder tragen langfristig dazu bei.

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