Beim "Walking Football" in Jülich gilt Schritttempo

Neue Sportart „Walking Football“ : Auf diesem Platz gilt Schritttempo

Gehen ist leicht. Man setzt schließlich einfach einen Fuß vor den anderen, oder? Nun eben nicht ganz. Sportliches Gehen unterliegt einigen Regeln. So muss beim Gehen zum Beispiel immer ein Fuß den Boden berühren. Sobald man einen kleinen Hüpfer einlegt, fällt das in die Kategorie Laufen.

Professionelle Geher beherrschen diese Fortbewegungsart in Perfektion, aber es gibt noch einen anderen Sport, der sich bei diesem Regelwerk bedient: „Walking Football“, zu Deutsch „Geh-Fußball“ ist eine Variante des Sports, die erstmals 2011 in England gespielt wurde. In der Heimat des Fußballs erfreut sich diese Disziplin großer Beliebtheit, denn Spieler können unabhängig von Alter und Fitnessgrad mitmachen.

Auch in Jülich ist der Sport im Schritttempo angekommen. Die Trainingsgruppe der Betriebssportgemeinschaft des Forschungszentrums Jülich trifft sich einmal in der Woche zum gemeinsamen kicken in der Halle. Die Spielregeln des „Walking Footballs“ sind schnell erklärt: Laufen ist natürlich verboten. Auch Körperkontakt oder Grätschen sind nicht erlaubt. Der Ball wird tief gehalten, hier gilt die Faustregel genau andersherum als beim Boxen: alles unter der Gürtellinie ist erlaubt. Ein hoher Ball bedeutet automatisch einen Freistoß für das gegnerische Team. Dementsprechend flacher sind die Tore beim „Walking Football“, die je nach Mannschaftsstärke mit oder ohne Torwart verteidigt werden.

„Als alter Fußballer, der lieber Fußball spielt als Fernsehen guckt, gibt es nichts Besseres“, sagt Franz-Joseph Paulatsch. Der 67-Jährige hat schon immer gekickt und sieht in der neuen Variante eine Chance für ältere Fußballbegeisterte. Man werde nicht von jüngeren oder fitteren Spielern abgehängt, betont er. „Immer nur hinterher zu rennen, macht irgendwann auch keinen Spaß mehr.“

Spaß haben die Spieler beim Training in der BAW-Halle nahe des Forschungszentrums aber allemal. Im Moment spielt die Gruppe meist zwei gegen zwei oder drei gegen drei, da ihnen die Mitspieler fehlen. Jannik Gesekus hilft manchmal aus, damit eine Mannschaft zusammenkommt. Der 21-Jährige, dessen Vater Albert Gesekus Vorsitzender beim BSG ist und auch selbst mitspielt, kommt eigentlich vom „normalen“ Fußball, steht aber trotzdem gerne als Unterstützung auf dem kleinen Platz. Der Sport sei, obwohl er im Gehen gespielt wird, keineswegs langweilig oder langsam, sagt er. Logisch irgendwie, denn der Ball bewegt sich schließlich nicht in Schrittgeschwindigkeit. „Das Spiel ist viel taktischer als beim normalen Fußball“, sagt Gesekus. „Man kann niemanden überlaufen, muss das Passspiel viel besser planen. Jeder sollte sich selbst ein Bild von diesem Sport machen und ein eigenes Urteil bilden.“ Wer mitmacht, der wird schnell merken: Fair Play wird in der Gruppe groß geschrieben. Stürzt ein Spieler, wird die Partie sofort unterbrochen, bis alle wieder spielbereit sind. Und wenn eine fußball-unbegabte Journalistin ein Tor schießt, weil alle wohl aus Gnade aus dem Weg gegangen sind, wird trotzdem kräftig gejubelt.

Wie wohl bei allen Hobby-Kickern wird aber auch beim „Walking-Football“ gutmütig diskutiert, wenn es zum Beispiel den Schuldigen für einen hohen Ball zu finden gilt. Immerhin ein Aufreger-Thema hat man gleich abgeschafft. Eine Abseits Regel gibt es nämlich nicht.

Ausgelegt ist die Gruppe in erster Linie für Fußballer über 40 Jahren, Turniere im „Walking Football“ werden sogar meist erst als Ü50-Wettkampf ausgetragen. Weil auch Körperkontakt verboten ist, sind auch fußballbegeisterte Frauen gerne gesehen. Das Training findet donnerstags von 16.30 bis 18 Uhr in der BAW-Halle, Leo-Brandt-Straße in Jülich, statt.

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