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Jülich: Bei Jülicher Comic-Nacht im Handumdrehen zum Superhelden werden

Jülich : Bei Jülicher Comic-Nacht im Handumdrehen zum Superhelden werden

Lustige Fantasiewesen, Superhelden, gutmütige Monster, viele Kids und ein Comic-Zeichner nahmen den kleinen, gemütlichen Veranstaltungsraum in der Stadtbücherei Jülich bei der Jugend-Comic-Nacht vollkommen in Beschlag. Das interaktive Projekt entstand in Kooperation des Kulturbüros der Stadt Jülich und der Bibliothek im Rahmen des Programms „Kulturrucksack NRW“.

Mit den vom Land Nordrhein Westfalen zur Verfügung gestellten Mitteln werden bereits seit vier Jahren verschiedene Aktivitäten für Kinder und Jugendliche in Jülich besonders befördert.

Mit einfachen Mitteln zum Superhelden: Paul Paetzel braucht nur eine Cornflakes-Packung.

„Wir haben langsam angefangen und dann die Initiative schrittweise erobert“, sagt Kulturbüroleiter Christoph Klemens. Trommelworkshop im Roncalli Haus, Street Art Academy mit Hip Hop, Sprayaktion im Jugendheim sowie Veranstaltungen in der Musikschule gehörten zu den beliebtesten Events. Die Jugend-Comic-Nacht ist das erste Angebot einer ganzen Reihe, die im Bereich Literatur stattfinden wird.

Wie die Büchereileiterin Birgit Kasberg erläutert, verändert sich in diesem Alter das Leseverhalten der Kinder. Von den Kinderbüchern, die mit Eltern zusammen gelesen werden, über Comics und Mangas werden die literarischen Gepflogenheiten neu definiert. Es ist auch das Alter, in dem die jungen Menschen ihren eigenen Kulturbegriff entdecken.

In einer Zeit der weiterführenden Ganztagsschulen, wo wenig Raum für Hobbys bleibt, bietet das Projekt „Kulturrucksack NRW“ in diesem schwierigen Alter eine Hilfestellung im außerschulischen Bereich.

Nach einer herzlichen Begrüßung überließ Birgit Kasberg die jungen Comic-Künstler ihrem Meister des Abends, dem Berliner Illustrator Paul Paetzel. Der hat an der Berliner Universität der Künste Visuelle Kommunikation studiert und sich auf Illustration spezialisiert.

Sein berufliches Abenteuer als Comic-Zeichner und Illustrator begann in der Kindheit mit Comiclektüre und den ersten selbst gezeichneten Bildergeschichten. Das schönste an der Sache ist, dass „man nur mit Papier und Stift eigene Welten kreieren kann“, meint Paetzel. Anders als in Filmen, wo eine große Crew zugange ist, „wird man selbst zum Regisseur, Bühnenbildner und Schauspieler in einer Person“. Ähnlich sahen dies auch die versammelten Kinder, von denen viele schon länger eigene Comics zeichnen.

„Man muss zuerst eine grobe Idee haben“, berichtet der elfjährige Jonas über sein Hobby. „Dann muss man zeichnen und weitergehen, damit man die Story weitersehen kann“, beschreibt er mit Überzeugung den Entstehungsprozess seiner Geschichten. Seine Begegnung mit Comics fing, wie es auch bei Till und Ben der Fall war, mit den guten alten Donald Duck-Abenteuern an.

Viele der anwesenden Kinder beschäftigten sich mit Comics, bevor sie lesen konnten. Auch Sonia und ihre Freundin Anya zeichnen gerne in ihrer Freizeit. Ihre Lieblingsheldin ist Lady Bug, eine mit besonderen Kräften ausgestattete Mädchenfigur aus einer Zeichentrickserie. „Die Grundlagen hierfür waren die Mangas“, erklärt Anya fachmännisch.

In einer kurzen Comic-Story von und mit Paul Paetzel erzählte der Autor vom Beruf und Leben in seiner Berliner Wohnung. An diesem autobiografischen Beispiel veranschaulichte er, wie man sich selbst zu einer Comic-Figur kreiert. Mit einem Stück Pappe und einer leeren Cornflakes-Packung präsentierte Paetzel den begeisterten Kids, wie schnell ein Superheld geboren werden kann.

Mit viel Vorstellungsvermögen und perfekter Interpretation der auf einer Leinwand gezeigten Magazinzeichnungen einer YouTube-Konferenz in New York verblüfften die Jugendlichen selbst den Berufsillustrator. Bevor es an die Kreation einer eigenen Comic-Geschichte ging, wurde ein von allen Kids zusammen entworfenes Fantasiewesen von Paetzel gezeichnet. Eine Eule mit je einem Koala- und einem Giraffenbein, einem Adlerflügel und einem praktischen Toaster statt des rechten Arms schaute mit einem dritten, beweglichen Auge auf die sichtlich von der eigenen Kreation begeisterten Kinder.

„Sie soll Ella heißen“, wünschte sich Ghazal. Mit einer schwungvollen Unterschrift wurde auch diese Idee umgesetzt. Im Verlauf des Abends entstanden fantasievolle, lebendige Comic-Geschichten, die mit schöpferischem Stolz zur weiteren Präsentation mit nach Hause genommen wurden.