Aldenhoven: Bauexperte in Aldenhoven: „Flurschulen“ nicht mehr zeitgemäß

Aldenhoven : Bauexperte in Aldenhoven: „Flurschulen“ nicht mehr zeitgemäß

Der Aldenhovener Hauptausschuss behandelte auf seiner jüngsten Sitzung nicht allein die Beschwerden von zwei Bürgern zum Schulstandort Aldenhoven, sondern hörte auch den Vortrag von Walter Heilmann, einem ehemaligen Schulleiter, der inzwischen Referent an der Uni Köln und Fachmann zum Thema Schulbau ist — egal, ob Neubau oder der Umgestaltung eines vorhandenen Gebäudes.

Der Experte erläuterte insbesondere die so genannte „Phase 0“ im Schulbau, die der eigentlichen Architekturplanung vorgeschaltet ist. Einbezogen in diesen Prozess sind alle Beteiligten — also Schüler, Lehrer, Eltern sowie Politik und Verwaltung — deren jeweilige Vorstellungen mit Schlüsselinterviews und in Workshops zusammengetragen werden. „Lernen benötigt viele Zugänge“, lautet Walter Heilmanns Credo, der Päsagogik und den Zuschnitt des Raumbedarfs gemeinsam betrachtet.

Die Entwicklung der Raumgestaltung sei von den Grundschulen ausgegangen, für die schon früh „Lernlandschaften“ und andere spezielle Lernorte gestaltet worden seien, während andernorts Schulen mit Klassenräumen links und rechts der langen Flure dominierten („Flurschulen“).

So gebe es in den Bildungseinrichtungen Arbeitsformen unterschiedlichster Art, von individuell, paarweise oder in Kleingruppen bis hin zu ganzen Jahrgangsstufen, was auch im Raumbedarf und -gestaltung zu großer Unterschiedlichkeit führt. Als Beispiele zeigte Heilmann Bilder vom Klassenraum plus, verschachtelten Lernclustern und den genannten Lernlandschaften. Zudem stellte er autonome Einheiten vor, die sogar über eigene Toiletten verfügen und den Mädchen und Jungen — anders als Flurschulen — eine „Heimat in der Schule bieten“.

Auswirkungen auf die Konzepte des Schulbaus haben, so Heilmann, auch die Inklusion und die Ganztagsschule genommen. So gebe es die Tendenz, andere Möglichkeiten zur Rhythmisierung des Tages zu nutzen, was neue Aufgaben an Schule und Gebäude stelle. So sei ein pädagogisches Ganztagskonzept hilfreich, damit Räume den ganzen Tag über sinnvoll genutzt werden können. Der Ganztag zieht weitere Ansprüche nach sich, die etwa das pädagogische Personal hat. Neben dem Lehrerzimmer sind etwa dezentrale Teamräume zum Arbeiten und/oder Relaxen gefragt.

Auf die Gesamtschule Aldenhoven-Linnich (GAL) bezogen führte der Experte aus, dass die Verteilung der Schule auf zwei Standorte „große pädagogische Chancen“ bietet. Insofern sei es pädagogisch schon ein Unterschied, an welchem Standort die Stufe 8 unterrichtet wird. Gemäß seinem Leitspruch „Pädagogik first“ kann er den „sehr intensiven und vielschichtigen“ Vorab-Prozess empfehlen, der allerdings sehr komplex sei.

Zudem informierte der Experte, dass es in NRW keine Schulbau-Richtlinien mehr gebe und damit auch keine Mindestgrößen von Klassenräumen. Weiterhin ist Wolfgang Heilmann ein Anhänger davon, Synergien zu nutzen — beispielsweise die Flure ins Raumkonzept einzubeziehen. „Flure machen bis zu 40 Prozent der Gesamtgröße einer Schule aus“, hat der Experte festgestellt, der solche Verkehrsflächen durchaus anderweitig zu nutzen weiß, unabhängig von freien Fluchtwegen und anderen Komponenten des Brandschutzes.

Halbes Jahr Vorlauf

Für den Vorab-Prozess veranschlagt Heilmann mindestens ein halbes Jahr, die Kosten für die Gemeinde beziffert er mit 40.000 bis 60.000 Euro. Für solche Beratungen gebe es zunehmend Bedarf, diese sei anderswo auch günstiger zu haben, bewarb er die Expertise seines Planungsbüros keineswegs offensiv. „Dieser Prozess kommt auf uns zu“, sagte Bürgermeister Ralf Claßen, der sich dafür aussprach, die Schulgebäude in einen zeitgemäßen Status zu versetzen.

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