Ein Dorf als kreative Marktmeile: Bauernmarkt in Rurdorf lockt trotz Hitze Hunderte

Ein Dorf als kreative Marktmeile : Bauernmarkt in Rurdorf lockt trotz Hitze Hunderte

An zwei heißen Sommertagen verwandelte sich das kleine Rurdorf in einen großen Marktplatz. Knapp 20 Höfe, Gärten und Garageneinfahrten öffneten ihre Tore und boten in ansprechendem Ambiente ihre hochwertigen Bauernmarkt-Produkte an. Ein Atelier musste wegen Erkrankung geschlossen bleiben. Selbst gefertigte Schilder an den Straßen wiesen den vielen Besuchern den Weg.

Die Angebotspalette reichte von Accessoires und einer riesigen Pflanzenauswahl über Feinschmeckerprodukte und Holzmöbel bis hin zu ausgefallener Kleidung und hochkarätigem Kunsthandwerk. Ein Beispiel ist Gita Castelanelli, die 15 Jahre lang in Afrika gelebt, dort ein Straßenkinderheim in der Nähe von Kapstadt unterstützt und daran mitgearbeitet hat, dass sich ein Waisenhaus in 22 Jahren zu einer sich selbst erhaltenden Schule entwickelt hat.

Sie offerierte afrikanischen Ethno-Schmuck, Drahtschalen und Holzschnitzereien. Besondere Erwähnung verdient ihre „verlorene Kunst“ aus Benin. Dabei handelt es sich um eine „ganz alte Kunst“, in der das ausgewählte Motiv zunächst in Wachs geformt, dann in Ton gebrannt und in Bronze gegossen wird. Durch die afrikanische Hitze fließt die innen befindliche Bronze wieder ab. „Ich mache die Kunst mit den Leuten vor Ort, einiges davon bringe ich mit“, erläuterte Castelanelli.

Ein zweites Exempel, das auf viel Resonanz in der Damenwelt stieß, bot Marleen Hendrikx mit ihrem breit gefächerten und farbenfrohem Schmuck im skandinavischem Design aus Glas und Mineralien. Die Herstellungsmethode ist eine „Kombination der alten Technik der Glasfusion mit modernster Hightech-Technologie“, schildert sie. Wieviel Zeit die Herstellung etwa eines Kettenanhängers in Anspruch nimmt, konnte die Niederländerin mit Studio in Spanien nicht beantworten: „Wir stellen zuerst große Platten her, die dann zersägt, geschliffen, poliert und noch mal bei über 800 Grad im Ofen gebrannt werden“, erklärte sie.

„Die Resonanz ist toll, trotz der Hitze. Wenn der Bauernmarkt wieder stattfindet, sind wir auf jeden Fall wieder dabei“, betonte sie auf Anfrage. Ihr Mann erfreute im Übrigen die zahlreichen Kundinnen mit einem zusätzlichen Erfrischungsangebot: Auf Wunsch besprengte er ihre Füße und Unterschenkel mit kaltem Wasser aus einer Sprühflasche.

Mit Schmuck aus Kaffeekapseln, Schalen aus ausgedienten Schallplatten und „andersartigen“ Accessoires bot der Bauernmarkt viel Kreatives. Ein weiteres Beispiel lieferte „Andy‘s Blechwelt“. Zu den metallenen Produkten des Schreinermeisters und Verfahrenstechnikers zählten Skulpturen und Stelen und sogar ein Bioethanol-Ofen. Handwerksdemonstrationen und Kostproben bereicherten den Bauernmarkt. So bot etwa der „Bärlauchbauer“ Häppchen mit Bärlauchbutter an. Marina Haumann, die in Wegberg einen Feinschmeckerladen unterhält, erfreute die Gäste mit ausgezeichneten Bio-Dips und Saucen. Ins Auge fiel ferner das urige Café unter dem Zeltdach neben einem Holzhäuschen, das beispielsweise Belgischen Kuchen, Wermut-Schorle und Zitronen-Eis-Wasser servierte.

Ein Leierkastenmann spielte auf der Straße zugunsten der Kinderkrebshilfe Aachen. Der Erlös aus dem Verkauf von Speisen, Getränken und Standgeld des Bauernmarktes fließen genauso wie die Spenden ausschließlich in die dringend anstehende Sanierung der Rurdorfer Pfarrkirche St. Pankratius. 

(ptj)
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