Linnich: Baubeginn der Kultur- und Begegnungsstätte rückt näher

Linnich : Baubeginn der Kultur- und Begegnungsstätte rückt näher

Man hört in Linnich schon den ein oder anderen Unkenruf: „Das gibt nichts mehr mit der Kultur- und Begegnungsstätte.“ Recht hätten sie, die Unkenden, wenn heute noch gälte, was vor einem Jahr Sachstand war.

Damals waren zwei virtuelle Eckpfeiler der Kultur- und Begegnungsstätte in den Place de Lesquin gerammt worden. Auf dem einen stand die maximale Bausumme: 1,8 Millionen Euro. Auf dem anderen war das Datum der Fertigstellung eingemeißelt: 31. Dezember 2018!

Beide Pfeiler sind — um im Bild zu bleiben — der Erosion anheim ge- und zu Staub verfallen. Auf dem Bauplatz im Bereich des einstigen Schützenhauses regieren statt Bagger und Kran Hahnenfuß, Distel und Spiere. Anstelle von Maurern bevölkern allenfalls Gassigänger mit ihren Vierbeinern den Platz, der Linnichs soziales und kulturelles Zentrum werden soll.

Und doch haben die Unkenrufer nicht recht. Es gelten neue Rahmenbedingungen. Der Bagger wird zu seinem Einsatz in Linnich aufgetankt. „In zwei Wochen, ist geplant, soll Baubeginn sein“, lehnt sich Linnichs Beigeordneter Hans-Josef Corsten vorsichtig aus dem Fenster. Zu viele freudig angekündigte Termine haben sich im Umfeld des Integrierten Handlungskonzeptes als nicht einzuhalten erwiesen.

Jetzt aber gilt‘s. Das BER-Gespenst soll endgültig aus der Stadt vertrieben werden. Die maßgeblichen Faktoren sind erfüllt. Alle Gewerke, die zusammengenommen ein komplettes Gebäude ergeben, sind nicht nur ausgeschrieben, sondern seit Anfang Juli auch vergeben. Vom Rohbau bis zu den Malerarbeiten, von Elektrik bis Heizung/Sanitär ist alles in trockenen Tücher, sind die Aufträge raus.

Da mag manchem Stadtverordneten vor dem Abschied in die Sommerpause ein Stein vom Herzen gefallen sein. Denn: Es war der zweite Anlauf, diese Gewerke an den Mann, beziehungsweise an die Firma zu bringen. Die erste Ausschreibung, die noch im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht worden war, hatte ein ernüchterndes Ergebnis. Nicht mal eine Handvoll Bewerber hatte Interesse bekundet — und keiner der hatte auch nur annähernd den gesteckten Finanzrahmen von 1,8 Millionen Euro eingehalten.

Die Stadt lernte daraus. Sie warf die Vorstellung, einen Generalunternehmer mit dem kompletten Bauprojekt zu betrauen, über Bord. Im zweiten Anlauf wurden die Gewerke einzeln ausgeschrieben. Mit weit größeren Erfolg. Obwohl diese Ausschreibung europaweit erfolgte, kamen Firmen aus der Region zum Zuge.

Alles, was mit Strom zu tun hat, wird die Firma Sodekamp übernehmen. Das mittelständische Unternehmen hat seinen Sitz in Körrenzig, Die Lüftungstechnik kommt von der Firma abi, bei den Sanitäranlagen erhielt die Firma Bartolomey den Zuschlag. Beide sind in Jülich beheimatet. Apropos europaweite Ausschreibung: „Aus dem Ausland gab es keine Bewerber“, erklärte Corsten auf Nachfrage.

Ach ja, die beiden Eckpfeiler: Die ursprünglich festgeschriebenen 1,8 Millionen Euro Baukosten bei 90-Prozent-Förderung des Landes sind Schnee von gestern. Die aktuelle Kalkulation ergibt eine Summe von knapp 3,1 Millionen Euro. Exakt berechnet wurde bisher noch nicht, was die Kosten innerhalb von zwei Jahren dermaßen in die Höhe trieb. Aber dass ein Grund sicherlich in boomenden Baugeschäft zu suchen ist, liegt auf der Hand. Die Preise steigen fast täglich in einem Maße, wie das in den vergangenen Jahrzehnten nie der Fall gewesen ist.

Bliebe noch der Fertigstellungstermin. Anfang des Jahres war der Stadt bereits von der Bezirksregierung eine Fristverlängerung über den 31. Dezember 2018 gewährt worden. Zwischenzeitlich gilt, so Corsten, eine generelle Fristverlängerung bis zum 31. Dezember 2019. „Wir wollen am 31. Juli 2019 Fertigstellung verkünden“, gibt der Beigeordnete als Zielvorgabe aus.

Doch bevor die Rohbauarbeiten beginnen, wird die Bauplatz untersucht. Vielleicht gehört der erste anrollende Bagger dem Kampfmittelräumdienst.

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