Barmen: Barmener Driesch soll wieder zur Viehweide werden

Barmen : Barmener Driesch soll wieder zur Viehweide werden

Mit der Übergabe des Bewilligungsbescheides auf Schloss Kellenberg wird für die Machbarkeitsstudie des ehrgeizigen Beweidungsprojekts am „Barmer Driesch“ grünes Licht gegeben. „LaNTD-AG“ heißt das Projekt, das sich auf die Rurauen zwischen Jülich und Linnich erstreckt und die Bereiche Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus in sich vereinigt.

Der „Kultur- und Verkehrsverein“ Barmen hatte sich bei der „Leader Region Rheinisches Revier an Inde und Rur“ beworben. Geplant ist es, am letzten noch natürlich fließenden Abschnitt der unteren Rur, gekennzeichnet durch den mäandrierenden Flusslauf.

Wie eine Quelle aus den „Rurblumen“ (Jahrgang 1933) belegt, wurde der „Barmer und Broicher Driesch“ (Auenlandschaft) jahrhundertelang von der Bevölkerung beider Orte als Weidefläche für ihre Viehbestände genutzt. Ferner wurden in Barmen bis in die 1950er Jahre Holzschuhe aus ebenfalls vom Driesch stammenden Pappelholz gefertigt. Teile der Pappelbestände gehören noch heute Barmener Bürgern und sind als „Hausnummerpappeln“ gekennzeichnet. Bereits in den 1980er Jahren wurde diese Landschaft unter Naturschutz gestellt.

Vor allem durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft — heute weidet dort nur noch ein Landwirt seinen geringen Viehbestand — wurde der Driesch nicht mehr gemäht und „Einwanderer“ wie Springkraut, japanischer Knöterich und Herkulesstauden überwuchern die heimische Flora. Sie war einst neben diversen Gräsern und Kräutern von Binsen, Wasserlilie und Wasserminze geprägt.

„Der Driesch liegt den Barmenern sehr am Herzen. Sein jetziges Erscheinungsbild hat mit der einstigen Kulturlandschaft nichts mehr zu tun. Durch ein aktives Management hat er aber noch eine Chance“. So brachte Vorsitzender Thomas Muckenheim den zündenden Funken auf den Punkt.Weil es „eine fundierte Sache werden soll“, identifiziert die Machbarkeitsstudie zur Projektphase 1 unter wissenschaftlicher Begleitung von Stefanie Heidner im Rahmen ihrer Masterarbeit an der RWTH Aachen alle Faktoren und ihre Auswirkungen aufs Vorhaben.

Buch zur Bedeutung des Drieschs

Zum Projekt zählt ebenfalls die Erfassung der Ergebnisse in einem Buch über die Bedeutung des Drieschs für die anrainenden Orte, das aber auch Geschichten rund um die Auenlandschaft beinhalten soll. Im symbiotischen Nutzungsprojekt des Drieschs sollen die ehemaligen Weideflächen zurückgewonnen und ganzjährig von einer Herde besiedelt werden. Hier bietet sich das robuste schottische Hochlandwild an, das auf den vorhanden Flächen nach Einschätzung des Antragstellers Futter- und Bewegungsbedarf decken kann.

Die Herde soll sich vermehren, schlachtreife Tiere in einer regionalen Vermarktung in den dörflichen Metzgereien landen und somit als nachhaltig gewonnenes Fleisch verkauft werden. Damit wird die für die Region typische Auenlandschaft als Kulturlandschaft erhalten, der Driesch nachhaltig und extensiver bewirtschaftet. Die biologische Vielfalt der Auwiesen wird erhalten, beziehungsweise neu geschaffen, ermöglicht wird ihre symbiotischen Nutzung als Natur-, Kultur und Erholungsgebiet.

Überbringer des Bewilligungsbescheides der Bezirksregierung war Landrat Wolfgang Spelthahn in seiner Funktion als Vorsitzender der „Lokalen Aktionsgruppe Rheinisches Revier an Inde und Rur“, im Beisein seiner Stellvertreterin Dr. Maria Schoeller.

Die Leader-Region unterstützt das Projekt mit 5200 Euro, der Beitrag des Kreises Düren beläuft sich auf 2000 Euro, 800 Euro bringt der Kultur- und Verkehrsverein auf. Spelthahn lobte in den höchsten Tönen das bürgerschaftliche Engagement der Barmener Bürger, die mit den Möglichkeiten des europaweiten Leader-Projekts nachhaltig „ihre Heimat nach vorne bringen“. Als Schirmherr zeigt sich Bürgermeister Axel Fuchs begeistert und wünscht sich in diesem Zusammenhang eine „entfesselte Demokratie“ im Rahmen von Umweltprojekten.

(ptj)
Mehr von Aachener Nachrichten