Spritzige Komödie mit dem Grenzlandtheater: Autorin in Not – Happyend gewünscht

Spritzige Komödie mit dem Grenzlandtheater : Autorin in Not – Happyend gewünscht

Im leider nur schlecht beheizten PZ der Zitadelle fand die Aufführung der städtischen Theaterreihe „Alles was sie wollen“ statt, zu Gast war das Grenzlandtheater Aachen.

Die Aachener Bühne ist bekannt für ihre stimmige, variable Bühnenbildgestaltung, die viel zum Charme der Aufführungen beiträgt. Dieses Bühnenbild, das für die kleine, kompakte Bühne in der Elisengalerie konzipiert ist, war nur schwerlich auf die Breite des PZ Raumes umzugestalten. So stand die Kernzelle des Wohnraumes mit dem großen Bild eines Wolkenhimmels, dem Schreibtisch und der Sitzgarnitur, den vielen Büchern im Mittelpunkt der Szenerie, wirkte abersehr verloren im Raum. Je nach Sitzplatz war auch das Hörverständnis für manche Zuschauer erschwert, vor allem, wenn das Spiel der Akteure rollenbedingt nicht nach vorne ausgerichtet war. Schade, denn auch ein geeigneter Raum trägt zu gelungenen Aufführungen bei.

Trotzdem konnten die Zuschauer eine spritzige Komödie sehen, die von Wortwitz und geschliffenen Dialogen, wie auch von einem engagierten Schauspieler-Duo lebte. Eingehüllt in die Klänge leicht modifizierter Barockmusik gelang es, sich ganz auf das Spiel einzulassen.

Die Autoren Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patellière erzählen in ihrem Theaterstück „Alles was sie wollen“ die Geschichte von Lucie, einer Autorin, die unter einer Schreibblockade leidet. Friederike Pöschel als Lucie führt in der Eingangsszene in deutlicher Pantomime in diese Problematik ein. Unruhig versucht sie sich durch teils unsinnige Aktionen zu motivieren, verfällt aber immer mehr in eine depressive Stimmung. Früher schöpfte sie aus ihrem missglückten Privatleben Ideen für ihre Stücke. Aber jetzt, als glücklich verheiratete Frau, fehlt ihr jegliche Inspiration. Erst als der Nachbar Thomas, gespielt von Gerd Beyer, zufällig durch einen Wasserschaden in ihr Leben tritt, kommt sie aus ihrer Lethargie heraus und findet einen Weg, ihr nächstes Bühnenstück zu schreiben.

Nun erlebt der Zuschauer im Theaterstück die Entstehung eines neuen Werkes, und nicht nur das. Das neue Stück findet szenischen Ausdruck im Rahmen der laufenden Komödie. Ein schnelles „Umswitchen“ ist dabei unabdingbar.

Lucy und Thomas lassen ihrem Ideenreichtum freien Lauf. Aber erst nachdem sie einen Liebhaber erfinden, verliert der manipulierte Gatte seine anfängliche Contenance und das neue Spiel entwickelt die notwendige Eigendynamik, um das neue Theaterstück zu vervollständigen und auf die Bühne zu bringen.

Nach der Premiere findet die Geschichte durch ein erneutes Zusammentreffen von Lucy und Thomas endlich das erhoffte Happyend für die beiden.

Neben der netten Geschichte haben die beiden Autoren aber auch im spielerischen Miteinander gewichtige Themen gestreift. Missbraucht Lucie die Freundschaft zu Thomas, um erfolgreich zu sein? Benutzt sie ihn nur, um eine Figur für ihr Stück zu kreieren? Wahrt sie seine Persönlichkeitsrechte? Hat sie sein Leben gestohlen? Fragen, die zum Nachdenken anregen. Die kritische Äußerung Thomas` verdeutlicht diese Problematik. „Du willst nichts erleben. Es ist alles nur Stoff“.

Die Zuschauer genossen das Geschehen sichtlich. Vor allem das Spiel der beiden Schauspieler begeisterte. Die kühle Lucie, die erst zum Ende hin Gefühle zeigt, und der quicklebendige Thomas, der jedoch neben aller Lebensfreude empfindsam ist, wurden bestens verkörpert. Gerd Beyer als Thomas agierte mit vollem Körpereinsatz und perfektem Minenspiel, Friederike Pöschel zeigte perfekt die Entwicklung von der verzweifelten, introvertierten Schriftstellerin zu einer lebendigen Frau. Der große, anhaltende Applaus war ein herzliches Dankeschön für eine gelungene Aufführung und ein großartiges Schauspielerteam.

(hivi)
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