Glasmalerei-Museum: Ausstellung „Licht-Zeichen – Die Kunst des Johannes Schreiter“ eröffnet

Glasmalerei-Museum : Ausstellung „Licht-Zeichen – Die Kunst des Johannes Schreiter“ eröffnet

Da staunte selbst die Bürgermeisterin der Stadt Linnich, Marion Schunck-Zenker, als sie am vergangenen Sonntagmorgen im Deutschen Glasmalerei Museum Linnich vor das Mikrofon trat.

So viele Kunstinteressierte wollten die Eröffnung der Ausstellung „Licht-Zeichen – Die Kunst des Johannes Schreiter“ nicht verpassen, dass zusätzlich Stühle herbeigeschafft wurden und mancher nur noch einen Stehplatz ergattern konnte. Der Andrang hatte seinen guten Grund: Wie der Landrat des Kreises Düren, Wolfgang Spelthahn, etwas später in seinem Grußwort anmerkte, sei es nicht einer der großen Städte wie München oder Berlin gelungen, eine Ausstellung mit den Werken eines der bedeutendsten Künstler auf dem Gebiet der Glasmalerei zu realisieren, sondern eben Linnich mit einem seiner Schmuckstücke, dem einzigen Museum für Flachglasmalerei in Deutschland.

Und so war es kein Wunder, dass Bürgermeisterin Schunck-Zenker mit großer Freude und mit sichtlichem Stolz nicht nur das Auditorium begrüßte. „Für jeden Künstler ist es gut, so viele Menschen zu sehen, die sich für seine Kunst interessieren“, konstatierte die Bürgermeisterin und wandte sich damit an Johannes Schreiter selbst. Dieser war mit seiner Frau Barbara aus der Stadt Langen in Hessen angereist, die seit mehr als 50 Jahren seinen Lebensmittelpunkt bildet und deren Ehrenbürger er auch ist. Ebenfalls begleitet wurde er durch den Oberbürgermeister dieser Stadt, Frieder Gebhardt.

Der mittlerweile 89-jährige Johannes Schreiter kann auf ein bewegtes Leben und ein beispielloses künstlerisches Schaffen zurückblicken, wie die Kunsthistorikerin Dr. Christine Jung aus Kronstein im Taunus in ihrer Laudatio auf den Künstler und sein Werk ausführte. 1930 in Annaberg-Buchholz im Erzgebirge geboren, verschlug es ihn 1949 durch Flucht in den Westen, wo er in Münster, Mainz und Berlin studierte. 1963 bereits erhielt er eine Professur für freie Malerei und Grafik an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste (Städelschule) in Frankfurt/Main, wo er auch mehrere Jahre als Rektor fungierte.

Daneben hatte er verschiedene Gastdozenturen inne in Großbritannien, USA, Kanada, Australien und Neuseeland. Künstlerisch erregte Professor Schreiter erstmals in den späten 50er Jahren durch die Entwicklung der „Brandcollagen“ Aufsehen. 1970 entstanden die ersten „Rauchkörper-Bilder“, 1972 entwickelten sich daraus die sogenannten „Fragmentraum-Bildreihen“. Er gilt deshalb als einer der profiliertesten Exponenten einer spezifischen Weiterentwicklung des Mediums „Collage“ nach Pablo Picasso, Max Ernst und Kurt Schwitters.

Seit 1960 hat Schreiter zahlreiche international beachtete Glasfenster für historische und zeitgenössische Bauten in Westeuropa geschaffen, darunter in Ulm, Augsburg, Frankfurt am Main, Limburg, Göttingen, Aachen, Mainz, Berlin. Kurz: Johannes Schreiter ist ein international anerkannter und bedeutender Künstler. Seine Arbeiten sind besonders, unverwechselbar und eigenwillig. Vielfach geprägt sind seine Arbeiten durch amerikanische Expressionisten, abstrakt, aber wie Gleichnisse, die hinter dem Sichtbaren etwas Unsichtbares, Unvergängliches offenbaren. „Kunst“, betont Johannes Schreiner, „ist auf Zeichen angewiesen, die Bedeutung tragen.“

Und gemäß diesem Prinzip setzt er immer wieder neue Sinnzeichen, die etwas Wesentliches verkünden. Dabei bleibt, so die Laudatorin Dr. Jung, sein Werk immer offen für die individuelle Wahrnehmung, ist nicht eindeutig, sondern offen für die eigene Betrachtung und für den Dialog. Denn erst dadurch kommt, so der Künstler, „ein Kunstwerk zur Vollendung“.

Jetzt also die Sonderausstellung „Licht-Zeichen“ in Linnich. Es ist ein Querschnitt durch das Lebenswerk des Johannes Schreiter, das noch bis Oktober im Glasmalerei-Museum zu bestaunen ist. Sie bietet Einblicke in immer neue Dimensionen, die durch den Künstler geschaffen wurden, wie Dr. Jung anmerkt. „Er hat es immer wieder gewagt, künstlerisches Neuland zu betreten.“ Und er habe damit Zeichen gesetzt. Ein besonderes Zeichen ist auch die Signatur, die Professor Schreiter seit langem unverändert nutzt: „S.D.G.“, das heißt „Soli Deo Gloria“ (Gott allein sei Ehre). Dies erklärt Dr. Jung mit der tiefen Gläubigkeit des Künstlers, der so seinen persönlichen Bezug zur Transzendenz und zu seiner Überzeugung zum Ausdruck bringe.

Für die Stadt Linnich – so Bürgermeisterin Schunck-Zenker – sei es eine Ehre, die Werke eines solch renommierten Künstlers, der dem Glasmalerei-Museum schon länger sehr freundschaftlich verbunden ist, präsentieren zu können.

Als kleine Hommage an Johannes Schreiter hatte sich die Leiterin des Glasmalerei-Museums, Luzia Schlösser, noch etwas Besonderes einfallen lassen: Den musikalischen Rahmen gestaltete Gunar Letzbor, ein österreichischer Barockviolonist und Preisträger des „Cannes Classical Award“. Er erfreute nicht nur das Publikum, sondern auch den Künstler Schreiter, der ursprünglich Musiker werden wollte und selbst Geige spielt. Erfreulich auch Petrus: Er ließ nach einer längeren Schlechtwetterphase während der Eröffnung die Sonne scheinen und somit die Exponate vor den Fenstern in dem Licht erscheinen, wie es sich Johannes Schreiter wohl am ehesten wünschte: hell, strahlend und höchst beeindruckend.

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