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Jülich: Ausstellung in Jülich einer dementiell erkrankten Frau

Jülich : Ausstellung in Jülich einer dementiell erkrankten Frau

Seit jeher drücken Menschen ihre Gefühle in Bildern aus. Auch für Demenzerkrankte können kreative Ausdrucksweisen ein Weg sein, um der Krankheit Demenz den Schrecken zu nehmen und mit ihr zurechtzukommen. Demenzerkrankte können so ihren Gefühlen Ausdruck verleihen und Angehörigen zu verstehen geben, was in ihnen vorgeht.

Die AOK-Servicestelle Demenz in Jülich hat am Dienstag die Ausstellung „FarbenLeere — Demenz eine Farbe geben“ eröffnet, bei der 35 Bilder von der Demenzerkrankten Lieselotte Wienand ausgestellt werden.

Die 67-jährige erhielt bereits im Alter von 62 Jahren die Diagnose Demenz und verleiht seitdem durch, hauptsächlich abstrakte, Bilder ihren Gefühlen Ausdruck. Sie beschreibt die Krankheit als „schwarze Momente“, in denen es jedoch auch farbige und helle Momente gab. Dies lässt sich auch in ihren Bildern wiedererkennen, von denen manche eher dunkel, einige jedoch auch mit hellen und freundlichen Farben gestaltet sind. Eine kleine Besonderheit der Ausstellung sind die kleinen Tafeln neben jedem Kunstwerk, auf denen die Künstlerin ihre Gedanken und Gefühle zu dem entsprechenden Bild festgehalten hat. Diese Gedanken verhelfen den Bildern zu mehr Ausdrucksstärke und lassen den Betrachter ins Nachdenken kommen.

Zur Eröffnung der Ausstellung „FarbenLeere — Demenz eine Farbe geben“ lobte Bürgermeister Axel Fuchs das Engagement aller Beteiligten und stellte klar, dass man sich in Jülich weiter dem Thema Demenz widmen werde, selbst wenn die Fördergelder versiegen sollten. Bernd Claßen, der stellvertretende Regionaldirektor der AOK, erklärte, dass Demenz nicht das Ende, sondern ein neuer Abschnitt des Lebens sei und man mit der Ausstellung Menschen Mut machen wolle. „Zudem ist Jülich eine Stadt, die sich sehr gut um das Thema Demenz kümmert“, sagte Claßen.

In einer rührenden Rede schilderte die Tochter der Künstlerin, Sandra Wienand, wie die Familie bei ihrer Mutter die Krankheit bemerkte. Aufgrund kleinerer Versehen, zum Beispiel dem Vergessen von Milch auf dem Herd, wurde die Familie aufmerksam und ließ Lieselotte Wienand von einem Experten untersuchen. Als dann die Diagnose Demenz kam, ging Lieselotte Wienand zur Ergotherapie und entdeckte dort das Malen für sich. Dies soll auch eine Ermutigung für andere Erkrankte sein, künstlerisch aktiv zu werden, selbst wenn man vorher mit solchen Dingen nichts am Hut hatte.

Zwei Workshops

Die Ausstellung dauert bis zum 31. März und kann im Zeitraum von montags bis freitags (8 bis 16 Uhr) kostenlos besucht werden. Darüber hinaus bietet die AOK-Servicestelle in Jülich zwei Workshops an, in denen demente Menschen sowie deren Angehörigen lernen können, wie man mit Hilfe von Kreativität der Erkrankung den Schrecken nehmen kann. Diese kostenlosen Workshops finden nächsten Mittwoch, sowie am 21. März statt, für Material ist bereits gesorgt. Für Fragen oder Anmeldungen können Interessierte sich an Servicestelle (Telefon 02461/682-299) wenden.

Die Ausstellung „FarbenLeere“ markiert den Auftakt ins Themenjahr der AOK-Servicestelle, bei dem es in vier Blöcken darum geht, die positiven Facetten der Demenz zu beleuchten. In den vier Themenbereichen wird den Besuchern gezeigt, wie man demente Angehörige mit Farbe, Bewegung, Musik und Ernährung unterstützen kann.