Jülich: Ausstellung in Jülich: „Deutsche aus Russland“

Jülich : Ausstellung in Jülich: „Deutsche aus Russland“

„Deutsche aus Russland. Geschichte und Gegenwart“, ist der Titel einer Wanderausstellung, die zurzeit in Jülich Station macht. Gefördert vom Bundesministerium des Inneren und des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge machte sich Jakob Fischer, der selbst in Kasachstan geboren wurde, daran die Geschichte dieser Menschen aufzuzeigen.

Er will damit eine Brücke zwischen ihnen und ihren Mitbürgern zu schlagen, zu sensibilisieren und vor allem Vorurteile abzubauen und über die Ausstellung miteinander ins Gespräch zu kommen.

Er möchte vor allem die jungen Menschen ansprechen, und so sind die Schüler und Schülerinnen der weiterführenden Schulen eingeladen, diese Ausstellung, die bis zum 14. Oktober im Neuen Rathaus der Stadt Jülich zu sehen ist, zu besuchen. Seit 20 Jahren setzt sich Fischer, der die Exponate mit Unterstützung von Eugen Schlegel zusammentrug, für Integration ein. „Vielfalt bedeutet Reichtum“, erklärte Bürgermeister Axel Fuchs bei der Ausstellungseröffnung, zu der zahlreiche in Jülich lebende Deutsche aus Russland gekommen waren. Die sogenannten Spätaussiedler, so erklärte er, bilde die zweitgrößte Migrantengruppe in Deutschland.

Von 1950 bis heute waren es alleine 2,4 Millionen Flüchtlinge, die aus Russland und den Staaten der ehemaligen Sowjetunion ausreisten und versuchten, hier Fuß zu fassen. Schätzungsweise 1300 leben davon in Jülich. Er ging auf die Geschichte dieser Menschen ein, die vor 250 Jahren auf Einladung von Zarin Katharina II. nach Russland zogen, um dort Ackerbau zu betreiben.

Die Ausstellung erzählt von ihrem Leben dort, das zunächst vielversprechend begann. Sie behielten ihre kulturelle Autonomie und ihre Sprache und brachten die Landstriche, in denen sie lebten, zur wirtschaftlichen Blüte. 1870 wurden ihre Privilegien bereits abgeschafft — der Leidensweg begann. Zu Beginn des 1. Weltkrieges folgten Verfolgung und Verschleppung, die sich bis 1956 fortsetzten. Mit den Moskauer Verträgen im Jahre 1970 traten Ausreiseregelungen in Kraft, und eine Auswanderungswelle in Richtung Deutschland setzte ein.

Über all das, aber auch über einzelne Familienschicksale informiert diese Ausstellung „In Russland waren wir die Deutschen. Hier sind wir die Russen“ sagen viele, berichtete Jakob Fischer.

Er wies darauf hin, wie schwer es vor allem den Älteren fällt, sich zu integrieren, doch im Großen und Ganzen könne man von einer gelungenen Integration sprechen. Mit Musik und Gesang, denn das liegt diesen Menschen immer sehr am Herzen, endete diese Ausstellungseröffnung.

Interessenten, die durch die Ausstellung geführt werden möchten, vor allem Schulklassen melden sich bei Claudia Tonic-Cober unter Telefon02461/63268 oder bei Jakob Fischer (Telefon0171/4034329, Mail j.fischer@lmdr.de).

(Kr.)
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