Linnich: Aus dem Hahn fließt stetig Wasser

Linnich : Aus dem Hahn fließt stetig Wasser

Das kostbarste Lebensmittel ist das, dem wir womöglich die geringste Beachtung schenken: das Trinkwasser. Wie der Strom aus der Steckdose fließt Wasser aus dem Kran. Immer, einfach so — wenn Wasserwerke nicht gerade mal an der Leitung arbeiten müssen und den steten Fluss unterbinden. Trinkwasser ist selbstverständlich. Und doch: Woher kommt das Trinkwasser?

Ist es immer Trinkwasser, das heißt, kann man es bedenkenlos konsumieren? Ist das Versorgungssystem in Ordnung? Und wie sieht es in Zukunft aus? Ist, wie Bundesarbeitsminister a.D. Norbert Blüm einst auf die Rente bezogen formulierte, das Wasser sicher?

50 Seiten stark ist das Wasserversorgungskonzept der Stadt Linnich, das der Fachausschuss mit einstimmiger Empfehlung an den Rat entließ;2. v.r. Bürgermeisterin Marion Schunck-Zenker, Mitte Ausschussvorsitzender Heinz-Josef Schiffer(beide SPD). Foto: Jonel

All diese Fragen und viele weitere finden ihre Antworten in dem Wasserversorgungskonzept, das die Stadt Linnich wie alle Kommunen per Gesetz vorzuweisen hat. Die Gelsenwasser AG, über ihre Tochter NGW der Wasserversorger Linnichs, hat für die Stadt das auf sechs Jahre angelegte Konzept erstellt und es nun dem Bau- und Liegenschaftsausschuss vorgestellt. Dazu waren eigens Diplom-Geologin Britta Kettelför und Christian Creutzburg, Leiter der GWN-Betriebsdirektion, nach Linnich gekommen.

In drei wesentlichen Punkten, wie Creutzburg erläuterte, muss jede Kommune für sich den Nachweis erbringen, dass die Trinkwasserversorgung sichergesellt ist, und zwar mit Blick auf den demografischen Wandel, also die Bevölkerungsentwicklung, auf den industriellen Wandel, also den Wasserbedarf gewerblicher Unternehmen, und zu guter Letzt hinsichtlich des Klima-bedingten Wandels. Das Ergebnis in einen Satz gefasst: Linnichs Wasserversorgung wird diesen Erfordernissen in den nächsten sechs Jahren gerecht.

Linnichs Wasser kommt aus Niederbusch. Das Örtchen am Rande der Teverener Heide ist der Hauptwasserlieferant des Wasserwerks Gangelt. Dieses versorgt über zwei Leitungen das Städtchen an der Rur komplett mit Trinkwasser. „Gesammelt“ wird das Wasser aus Niederbusch in den zwei großen Trinkwassertanks des alten Linnicher Wasserwerks am Linner Weg. Das Wasserwerk selbst schöpft kein Wasser mehr aus den beiden noch vorhandenen Linnicher Brunnen. Die werden aber funktionstüchtig gehalten. Bei einem Ausfall der Wasserversorgung aus Niederbusch könnten diese beiden Brunnen innerhalb von Stunden Wasser fördern. „Als Trinkwasser geeignet wäre es wahrscheinlich nicht, würde aber in Krisensituationen die Wasserversorgung sicherstellen“, meinte Creutzburg.

Geprüfte Qualität

Von guter Qualität ist hingegen das Gangelter Wasser, versicherte der Betriebsleiter, dem auch die Linnicher NGW-Betriebsstelle im Gewerbegebiet Im Gansbruch unterstellt ist. Gelsenwasser stelle mehr als 250 Wasserwerte zum Abruf im Internet bereit. Die seien hinreichend und für jeden nachvollziehbar mit Erläuterungen, Informationen und „vertrauenswürdigen Links“ etwa zu Bundes- oder Landesministerien versehen.

Gelsenwasser trägt die Verantwortung für das 121 Kilometer lange Netz an Versorgungsleitungen, die das Stadtgebiet durchziehen. Creutzburg: „Die werden von uns instand gehalten und gegebenenfalls erneuert.“ Linnich attestiert der Betriebsnetzfachmann eine gute Note. 8,2 Rohrschäden pro Jahr entsprechen einer Schadensrate von 0,067 S/km. „Wir sehen in den letzten 15 Jahren eine sehr gute Entwicklung in Linnich.“ Jede Leitung, so Creutzburg, werde innerhalb von vier Jahren mindest einmal begutachtet. Wo Schäden vorliegen oder absehbar sind, wird ausgetauscht.

Die vergleichsweise langen Prüfintervalle gelte natürlich nicht für das Wasser selbst. Das werde an der Förderstelle täglich geprüft. Aus dem Netz in Linnich werden pro Jahr rund 60 Proben gezogen — mehr, falls irgendein Verdachtsmoment vorliege.

Auf Katharina Adams (CDU) Frage nach der Nitratbelasstung des Grundwasser im Versorgungsgebiet, gab Britta Kettelför Entwarnung. „Hier in Linnich hat sich nichts entscheidend verändert.“ Sie räumte allerdings ein, dass Veränderungen mit zeitlicher Verzögerung aufträten — wie die Wirkung eventueller Gegenmaßnahmen. Nach Unternehmensangaben liegt die Nitratbelastung des Linnicher Trinkwassers bei 15,6 mg/l und damit klar unter dem Grenzwert von 50 mg/l.

Das Wasserversorgungskonzept lässt Linnich beruhigt in die Zukunft sehen. Der bis 2028 laufende Liefervertrag mit dem Wasserwerk Gangelt lässt keine Wasserknappheit befürchten. Geschlossen stimmte der Ausschuss dem Wasserversorgungskonzept zu, das nun den Rat passieren muss.

(ojo)