Jülich: „Augenblicke“: Elvira Bach stellt in Jülich aus

Jülich: „Augenblicke“: Elvira Bach stellt in Jülich aus

„Das Sein der Frau in der Welt einer patriarchalischen Kultur, mal entspannt, mal fröhlich, mal respektlos, mal gegeißelt“. So beschreibt Kunsthistoriker Stefan Skowron in seiner Einführung zur Jülicher Vernissage „Augenblicke“ das künstlerische Lebensthema von Elvira Bach.

Sie zählt zu den bekanntesten Künstlerinnen Deutschlands. Derzeit sind ihre Werke in der Galerie an der Zitadelle von Marita und Georg Loven zu sehen. Es sind neoexpressionistische Acrylarbeiten auf Leinwand und Papier, Lithographien handübermalt, Radierungen und Keramik-Skulpturen.

Die Arbeiten sind gekennzeichnet von ausdrucksstarker Farbintensität und Lebendigkeit. Im Mittelpunkt steht das „Weibliche“, Frauenfiguren in den Facetten ihres Daseins. „Ich bin von mir ausgegangen, habe meine Welt gemalt, meine Frauenfigur erfunden, erklärt Elvira Bach. „Ich wollte die Frau darstellen, die sich alleine behaupten muss, ohne den Hintergrund eines Freundes oder einer Gruppe.“

Einige Bilder zeigen Frauen mit Kochtöpfen, Frau mit Schüsseln in einem Arm und Baby im anderen oder Frau mit Speisezimmer auf dem Kopf mit dem Titel „Tischlein deck Dich“. Diese Bilder thematisieren den Spagat zwischen Küche und Karriere.

Die Darstellungen sind körperbetont und zeigen viel Weiblichkeit mit roten Lippen, geschminkten Augen, großen Ohrringen. Die Gesichter der Frauen lächeln nicht, sie scheinen nicht gefallen zu wollen, sondern strahlen ein großes Selbstverständnis aus, vielleicht auch Ironie.

Unverkennbar ähneln sie der Künstlerin. „Wer Kunst macht, muss konsequent sein!“, ist eine Aussage von Elvira Bach. „Konsequenz heißt an sich glauben und sich nicht abbringen lassen, von dem was man will“, erklärt Bach, die heute 62 Jahre alt ist, im Taunus aufwuchs und in Berlin lebt.

In Hadamar am Fuße des Westerwalds besuchte sie zunächst die Staatliche Glasfachschule. Das Ende der 68er Bewegung erlebte Bach in Frankfurt, auch die Frauenbewegung. „Das waren aber immer Gruppen, das hat mir nicht gefallen. Letzten Endes macht jeder seine Arbeit alleine“. In den 70er Jahren studierte sie bei Hann Trier an der Hochschule der Künste in Berlin.

Ein Stipendium führte sie in die Dominikanische Republik. „Meine erste Reise in den Süden, außerhalb Europas. Es hat mich schon sehr beeinflusst. Die tollen Menschen, die Musik, die Farben, das hat mich unterstützt und war sehr wichtig gewesen“, erzählt Bach von dieser Zeit. 1982 erhielt sie eine Einladung für die documenta 7 in Kassel. Danach war Elvira Bach international bekannt. Regelmäßige Aufenthalte im Senegal folgten und beeinflussten ihre Arbeit. „Karibik ist leicht“, verdeutlicht Bach und fügt hinzu: „Afrika ist tiefer und härter.“

Auch Skulpturen sind in Jülich zu sehen. Wieder sind es Frauenfiguren. „Ich fand es wichtig, mich auf die Frau zu konzentrieren. Es wird nicht langweilig, weil jede Minute etwas Neues hinzu kommt, erklärt Bach, überlegt und fügt dann hinzu: „Es hat mit mir zu tun, mit wem sonst!“

Die Ausstellung „Augenblicke“ ist noch bis zum 4. Januar 2014 in der Galerie an der Zitadelle in Jülich zu sehen.