Jülich: Auf Luftkissen zu den Poldern schweben

Jülich: Auf Luftkissen zu den Poldern schweben

Das jüngste Dienstfahrzeug in der Zuckerfabrik hat keine Räder, obwohl es mit einem Boxermotor von BMW angetrieben wird. Der treibt einen großen Propeller an, der den Auf- und Vortrieb des Vehikels ermöglicht.

Genug gerätselt: Die Landwirtschaftliche Abteilung im Jülicher Werk verfügt über ein Hovercraft der Marke Scout. Das schlauchbootgroße Luftkissenfahrzeug wird eingesetzt, um die Polder der Fabrik zu „befahren”, beispielsweise wenn Bodenproben entnommen oder Teile der etwa drei Hektar großen Fläche eingesät werden. Das Fahrzeug wird nicht nur in der Herzogstadt eingesetzt, sondern auch für die Schwesterfabrik in Appeldorn verwendet.

Ehemalige Rübenerde ausgebracht

In die riesigen Setzbecken wird Rübenerde, vermischt mit Wasser und organischem Material wie Blätter, Stile und Rübenspitzen gepumpt. Während in der Vergangenheit der Inhalt der Polder auf das Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik Bedburg gefahren wurde, ist im vergangenen Jahr damit begonnen worden, den fruchtbaren und steinfreien Boden teilweise auf landwirtschaftlichen Flächen auszubringen. „Wir haben sehr konstruktiv mit der Landwirtschaftskammer und der Unteren Bodenschutzbehörde beim Kreis Düren zusammengearbeitet”, lobt Dr. Willi Kremer-Schillings, Leiter der Landwirtschaftlichen Abteilung, den reibungslosen Ablauf des vorgeschalteten Genehmigungsverfahrens.

Um die Oberfläche der Polder, die eine Mächtigkeit zwischen 2,75 und drei Metern besitzten, weiter von Wasser zu befreien und den Geruch zu binden, sind Franz Ritz und Reiner Helden derzeit dabei, mit Hilfe des Hovercrafts Gras und Luzerne als Wasser- und Stickstoffbinder auszusäen. Zudem beteiligt sich die Zuckerfabrik an ihrer eigenen Aktion „Rheinische Rübenbauern für die Artenvielfalt”, bei der so genannte Bienenweide ausgesät wird. Die einjährigen Pflanzen sorgen von Juni bis in den Frühherbst für einen durchgehenden Blütenteppich, der nicht nur das Herz von Imkern erfreuen dürfte.

Um die Samen gut in den moorähnlichen Untergrund einzuarbeiten, ist am hinteren Teil des Hovercrafts ein so genannter Striegel angebracht, dessen Zinken kleine Furchen ziehen.

In früheren Zeiten war die Aussaat weitaus aufwändiger: Mit zwei Kanus, die über einen Steg verbunden waren, hatten die Beschäftigten eine Art Katamaran gebaut, auf dem eine kleine Sämaschine stand. Die gesamte Konstruktion musste mittels Seilen auf den Poldern hin und her bewegt werden. Das geht mit dem Luftkissenfahrzeug deutlich einfacher und schneller.

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