Jülich: Atomkugeln: Warten auf Verlängerung

Jülich: Atomkugeln: Warten auf Verlängerung

Für das Forschungszentrum Jülich (FZJ) hat die Option der Rückgabe der rund 288.161 hochradioaktiv belasteten Brennelementekugeln aus dem Betrieb des AVR-Versuchsreaktor an die USA oberste Priorität. Dies unterstrich der stellvertretende FZJ-Vorstandsvorsitzende Karsten Beneke auf einer Info-Veranstaltung im Jülicher Rathaus.

Dort standen auch Verantwortliche der AVR-Arbeitsgemeinschaft detailliert Rede und Antwort, was den beschlossenen Rückbau des Reaktors anbelangt.

Rund 150 Zuhörer verfolgten die Informationen des Forschungszentrum zum Verbleib der Brennelemente in Jülich und dem Abbau des Versuchsreaktor. Foto: hfs

Rund 150 Zuhörer verfolgten die rund zweistündige Veranstaltung, bei der es in erster Linie darum ging, schriftliche Fragen von den Experten von FZJ und AVR zu beantworten. Die waren fast ausschließlich von Bündnis 90/Grüne, die Partei die Linke sowie aus den verschiedenen Gruppierungen von Atomkraftgegnern gestellt worden.

Bevor diese detailliert beantwortet wurden, ging Beneke kurz auf die Historie ein, die dazu führte, dass das Forschungszentrum ein Zwischenlager für die Brennelementekugeln unterhält, das jährlich rund 4,8 Millionen Euro an Unterhaltungskosten verschlingt. Warum die Genehmigung für dieses Zwischenlager im Juni dieses Jahres ausläuft, sei auf eine Erklärung der Politik zurück zu führen. „Vor 20 Jahren hat man uns gesagt, dass innerhalb von zwei Jahrzehnten ein Endlager zur Verfügung stünde. Deshalb wurde die Genehmigung auch für diese Zeitspanne erteilt.“

Was den weiteren Betrieb des Zwischenlagers für die 152 Castorenbehälter anbelangt, hat der FZJ-Vorstand um eine Verlängerung beim Bundesamt für Strahlenschutz ersucht. Diese soll bis Ende Juni vorliegen — „für die Dauer von drei Jahren“, so Beneke. Die seinerzeit beantragte Transportgenehmigung ins westfälische Ahaus ist zurückgezogen. „Wir werden zwar optional noch eine Umweltverträglichkeitsstudie für ein neues Zwischenlager machen lassen, aber wir gehen davon aus, dass die USA der Rücknahme der Kugeln in den nächsten drei Jahren zustimmt.“

Dabei beruft sich das Forschungszentrum auf ein internationales Atom-Abkommen. Dieses besagt, dass die Kugeln vom Herstellerland, den USA, zurückgenommen werden müssen. Gespräche werden bereits geführt, wie Beneke erläuterte. Das FZJ geht davon aus, dass bis Ende diesen Jahres eine Übereinkunft erzielt wird.

Fragen zu möglichen Gefahren, die beim Transport der Behälter auftreten könnten — extreme Unfallszenarien — die werden seitens der FZJ-Experten nicht gesehen. Sämtliche durchgeführten Tests seinen zur vollen Zufriedenheit der Aufsichtsbehörden abgeschlossen worden, hieß es.

Was eine Transportversicherung (Entschädigungshaftung) anbelangt, würde die wie bei einem ganz normalen Schwertransport gehandhabt. Voll haftbar im Falle eines Unfalls sind dann, so die Ausführung, Bund und Land, wobei die sich auch im Verhältnis 70:30 die Transportkosten teilen.

Im gleichen Kosten-Verhältnis wird der Komplettabbau des AVR-Versuchsreaktors in Höhe von rund 600 Millionen Euro abgerechnet. Dabei laufen die Abrissplanungen störungsfrei.

2100 Tonnen schwer

Mittlerweile ist der Reaktorbehälter mit Porenleichtbeton verfüllt worden. Sämtliche Bauten für die Herausziehung des Reaktorbehälters (Schleuse, Zwischenlager) sind fertig gestellt. Der insgesamt 2100 Tonnen schwere und 26 Meter hohe Reaktorbehälter soll im Januar 2014 aus dem AVR-Gebäude herausgezogen werden.

Spezialkräne hieven diesen dann auf einen Ständer, der fest mit dem Behälter verschweißt wird. Diese Arbeiten dauern rund sechs Monate. Danach sorgt ein Schienenfahrzeug dafür, dass der Reaktor innerhalb von vier Stunden in das rund 300 Meter entfernte Zwischenlager gebracht wird. Keinerlei Strahlung, so AVR-Geschäftsführer Dieter Rittscher, wird dabei die Bevölkerung oder die FZ-Bediensteten gefährden.

Wie lange der Behälter, der gegen eventuelle Flugzeugabstürze sicher ist, im Zwischenlager verbleiben wird, darüber konnte er keine Auskunft geben. „Auf jeden Fall so lange, bis ein Endlager zur Verfügung steht“, sagte Rittscher.

(hfs.)