Jülich/Düsseldorf: Atomkraftgegner fordern Ausstiegsplan für NRW

Jülich/Düsseldorf: Atomkraftgegner fordern Ausstiegsplan für NRW

Umweltverbände und Bürgerinitiativen haben die Landesregierung aufgefordert, einen konkreten Ausstiegsfahrplan für alle Atomanlagen in Nordrhein-Westfalen vorzulegen. Die Regierung müsse zudem Atommüll-Transporte durch NRW verhindern, sagte der Landesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz, Paul Kröfges, am Donnerstag in Düsseldorf.

Noch vor Weihnachten und für das kommende Jahr planen die Atomkraftgegner zahlreiche Protestaktionen. Unter anderem wollen sie gegen die geplanten Transporte von 152 Castor-Behältern von Jülich nach Ahaus mobilisieren. In NRW gibt es kein Atomkraftwerk zur Stromerzeugung, aber Anlagen mit radioaktivem Material.

Das Bündnis sprach sich dafür aus, am Kernforschungszentrum in Jülich entweder dafür zu sorgen, das derzeitige Lager für die 300.000 hoch strahlenden Brennelementekugeln sicherer zu machen oder am Standort ein weiteres hochmodernes Zwischenlager zu errichten. Die Kugeln aus einem stillgelegten Versuchsreaktor werden bislang in Castor-Behältern auf dem Gelände des Forschungszentrums gelagert. Die Genehmigung dafür läuft aber im Juni 2013 aus.

Die Atomkraftgegner appellierten zudem an NRW-Energieminister Harry Voigtsberger (SPD), der Urananreicherungsanlage in Gronau die Betriebsgenehmigung zu entziehen. Die Anlage entspreche nicht dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik, kritisierte Kröfges.

Neben der Anlage befinde sich zudem ein Uranmülllager, in dem Stahlcontainer mit sehr gefährlichem radioaktivem Material unter freiem Himmel lagerten, sagte Udo Buchholz vom Vorstand des Bundesverbands Bürgerinitiativen Umweltschutz. Das gefährliche Material sei weder gegen Flugzeugabstürze noch gegen Sabotage gesichert. Das Gelände sei lediglich mit Maschendraht umzäunt. „In der Regel werden solche Umzäunungen für Hühnerställe benutzt.”

Am kommenden Sonntag wollen sich Anti-Atomkraft-Initiativen zu einer „Weihnachtsdemonstration” in Ahaus treffen, um gegen Castor-Transporte in das Atommüll-Zwischenlager zu protestieren. Daran wollen auch die Grünen teilnehmen. Die rot-grüne Landesregierung habe sich klar dafür ausgesprochen, den radioaktiven Abfall in Jülich zu belassen, teilte die Grünen-Landesvorsitzende Monika Düker mit. Das sei möglich, wenn unverzüglich mit der Nachrüstung des dortigen Lagers begonnen werde. Sie forderte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) auf, dem „nicht länger im Wege zu stehen”.

Im Februar 2012 wollen Atom-Gegner mit einem „Autobahnaktionstag” und einem Korso auf einer möglichen Castor-Route von Ahaus über Duisburg nach Jülich gegen „die rollenden Zeitbomben auf der Straße” mobil machen. Zum Jahrestag der Atomkatastrophe in Fukushima am 11. März ist eine Großdemonstration an der Urananreicherungsanlage in Gronau geplant.