Jülich: „Art destroyed our youth“: Abiturient stellt im Kulturbahnhof aus

Jülich: „Art destroyed our youth“: Abiturient stellt im Kulturbahnhof aus

Perfektion ist nicht zu erwarten, wenn man sich die derzeit im Kulturbahnhof ausgestellten Bilder des 18-jährigen Abiturienten Tim Gelzleichter anschaut. So sieht es auch der junge Künstler selbst, der sich offen und auf eine sympathisch selbstkritische Art einzuschätzen vermag: „Ab und zu fehlt mir noch die Technik, aber daran arbeite ich.“

Was den Bildern hingegen mit Sicherheit nicht fehlt, ist eine plakative Aussagekraft, die den Betrachter direkt und ungeschminkt anspringt. „Art destroyed our youth“ lautet die thematische Idee hinter dem Zyklus, den Gelzleichter zusätzlich als Abitur-Leistungsfach textlich aufarbeitet und kritisch hinterfragt. In jedem einzelnen Bild wird ein zerstörerisches Element aufgegriffen, das als solches isoliert in scheinbar harmloser Selbstverständlichkeit in unseren Alltag integriert ist. Die durch Wegsehen, Bequemlichkeit und blinde Konformität geprägte Oberflächlichkeit in der Gesellschaft ist es, die den nachdenklichen jungen Mann antreibt.

Wenn Meinungen durch Schlagzeilen gesteuert, politisch motivierte Gräuel als Normalität definiert oder gewinnträchtige Belanglosigkeiten zur Lebensnotwendigkeit erhoben werden, dann fühlt er sich moralisch verpflichtet, darauf aufmerksam zu machen. Als Medium dienen ihm Leinwand und Acrylfarben, wobei die Hauptmotive in Grautönen, Schwarz und Weiß mehr gezeichnet als gemalt werden. Als Farbe kommt vereinzelt Rot zur Verstärkung der Aussage hinzu. Titel wie „Addiction“ (Sucht) oder „Just watch“ (Einfach schauen) sind eine Art Einstieg in die Auseinandersetzung mit dem Bild. In ersteren wird der Alkohol als legalisierte Volksdroge angeprangert, bei der die Erwachsenenwelt den Jugendlichen das Vorbild liefert: Vom Light-Beer über Alcopops bis zum Delirium. Das zweite zeigt einen jungen Mann, der seine Umwelt offensichtlich nur noch durch die Linse einer Kamera wahrnimmt, sein Gesicht damit verdeckt. „Lieber am Geschehen teilhaben, als zum Voyeur werden“, lautet der Kommentar. „Ja, es kann zu Missverständnissen kommen, deshalb habe ich knappe erläuternde Textpassagen neben die Bilder gehängt“, erklärt der Künstler die Dreier-Kombination aus Bild, Text und persönlicher Deutung.

Tim Gelzleichters Ziel besteht darin, der Kunst eine subjektive Facette hinzuzufügen. Die düsteren Motive könnten auf depressive Phasen schließen lassen. Für den Abiturienten selbst trifft das nicht zu, wohl aber werden emotional schwierige Situationen Gleichaltriger in den Fokus gerückt. Für sich hat der Künstler den Zen-Buddhismus entdeckt, auf dessen Basis er seine Weltanschauung ausgerichtet hat.

Bei der Vernissage war Käthe Rolfink, Vorsitzende der Kulturinitiative des Kreises Düren, privat zu Gast und fand im Gespräch äußerst lobende Worte: „Die Präsentation hat mich richtig begeistert. Da hat sich jemand ganz fantastische Gedanken gemacht, wie man das ausdrückt, was die Jugend alles zu ertragen hat.“

(jago)
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