Anschlussstelle West: Das Autobahnkreuz, das an Jülich vorbeiging

Anschlussstelle West : Das Autobahnkreuz, das an Jülich vorbeiging

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum die Autobahn-Anschlussstelle Jülich-West so groß ist? Die Dimensionen sind um ein Vielfaches größer als bei fast jeder anderen Anschlussstelle.

Eigentlich ist sie so groß wie ein Autobahnkreuz. Das ist auch schon die Antwort: Jülich-West hätte eigentlich ein Kreuz werden sollen.

„Die Anschlussstelle Jülich-West ist ein Fossil der Autobahnplanung aus den 70er Jahren“, erklärt der Jülicher Historiker Guido von Büren. „Hier sollten sich die A 44 und die sogenannte Rurtal-Autobahn kreuzen, die von Bonn in Richtung Roermond verlaufen und eine schnelle Anbindung von der damaligen Bundeshauptstadt aus in die Niederlande sein sollte.“

Die A 44 wurde gebaut, die Autobahn durch das Rurtal, die teilweise einen ähnlichen Verlauf gehabt hätte wie die Bundesstraße 56, habe an Priorität verloren.

Das sah in den 60er- und 70er Jahren anders aus. „Da war die Planung dieser Autobahn schon sehr weit gediehen, sie tauchte in den Regionalentwicklungsplänen immer als gesetzt auf. Sie sollte von Bonn in Richtung Eifel und dann über Düren und Jülich führen“, sagt von Büren.

Stützpfeiler stehen

In den 70er Jahren wurden die Pläne für die A 44 konkret. Und weil es damals als sicher galt, dass die Rurtal-Autobahn folgen sollte, hätten die Verkehrsplaner einen Kreuzungspunkt angelegt: Jülich-West. „Deswegen sind auch schon die Stützpfeiler gebaut worden, auf der die Rurtal-Autobahn über die A 44 geführt werden sollte“, spielt von Büren auf die Betonsäulen an, von denen die meisten heute nutzlos am Fahrbahnrand der A 44 stehen.

Ein Teil von ihnen trägt den zweigeteilten Blinddarm-Fortsatz der B 56, der mit dem zweiten Kreisverkehr in Richtung Merzenhausen endet und in die Landstraße 14 beziehungsweise die Ab- und Auffahrt in Richtung Aachen übergeht.

Zudem deutet die Bepflanzung des Bereichs an, dass ursprünglich viel mehr geplant war: Die rund angelegte Formation der Autobahnabfahrt Jülich-West hat einen Durchmesser von gut 500 Metern – für eine simple Anschlussstelle völlig überdimensioniert.

„Das Projekt ist in den 80er Jahren versandet und letztlich mit der Wiedervereinigung ad Acta gelegt worden“, sagt von Büren. Interessant sei, so merkt der Historiker an, dass die nie gebaute Autobahn in Teilen auf der Trasse der B 56 hätte verlaufen sollen. So erkläre sich auch, dass die Bundesstraße lange nach dem der Aus der Rurtal-Autobahn noch deutlich ausgebaut worden sei, beispielsweise im Bereich zwischen Geilenkirchen und den Niederlanden.

Der bessere Anschluss an das Nachbarland ist Ende der 90er Jahre mit diesem Ausbau dann doch noch geschaffen worden. Vorher hatten die Niederlande eine Schnellstraße im Selfkant gebaut – die Gemeinde gehörte bis 1963 den Niederlanden – an die es aus Richtung Deutschland aber zunächst keinen unmittelbaren Anschluss gab. Das wurde Ende der 90er Jahre geändert.

Heute ein Fossil

Als Fossil sei die Rurtal-Autobahn auch heute noch im Bundesverkehrswegeplan zu finden. Nämlich mit dem Paradoxon, die B 56 zwischen Düren und Jülich durchgehend vierspurig auszubauen. „Angesichts dieser Pläne waren und sind viele irritiert“, sagt von Büren. Schließlich führt die Bundesstraße in Huchem-Stammeln und Krauthausen durch Ortschaften. Eine deutliche Verbreiterung der Fahrbahn ist quasi nicht möglich. Dass die Pläne zur Vierspurigkeit trotzdem vorhanden sind, habe mit der Funktion zu tun, die die Rurtal-Autobahn auch haben sollte: nämlich die eines Bypasses zwischen der A 4 und der A 44.

Ein kleiner Gag

Letztlich sei es laut von Büren positiv zu bewerten, dass die Rurtal-Autobahn nicht gekommen sei. „Wenn ich mir das Saarland anschaue, wo die Autobahn lange neben der Saar verläuft – über einen Ruruferradweg und die Rur als Naherholungsgebiet hätten wir nicht nachdenken müssen“, sagt er. Heute fungiert das verhinderte Autobahnkreuz als normale Autobahnauffahrt und als Ortsumgehung für Koslar, die nach Merzenhausen führt. „Das ist ein kleiner Gag der Geschichte, wenn man bedenkt, in welcher Größenordnung da was geplant war und was letztlich daraus geworden ist“, merkt von Büren an. Ein Gag, über den er lachen kann.