Die etwas andere Majestät: Anna Müller ist die neue Rheinische Kartoffelkönigin

Die etwas andere Majestät : Anna Müller ist die neue Rheinische Kartoffelkönigin

Mit „Anna“ stellt sich Anna Müller vor. Dabei hätte sie doch eigentlich eine andere Anrede verdient: „Majestät“ etwa, oder „Eure Hoheit“. Denn seit dem 26. Mai ist sie die Rheinische Kartoffelkönigin. Doch eine solche Anrede habe sich bisher noch nicht etabliert, klärt die 21-Jährige lachend auf.

Kartoffeln gehören für Anna schon immer zum Leben dazu. Aufgewachsen ist sie auf einem idyllischen Hof, dem Meerhof in Titz. Es ist die Art Ort, an dem man die Tür immer offen stehen lassen kann, ohne dass man Angst haben müsste, jemand steigt ein. Der Betriebsschwerpunkt des Familienbetriebs ist seit 35 Jahren die Industriekartoffel. Von klein auf bekam Anna stets den gesamten Werdegang der Kartoffel mit. Bis heute hilft sie auf dem Hof, etwa bei der Bodenbearbeitung oder beim Ernten der Kartoffeln. „Papa hat uns immer viel mitgenommen und uns gezeigt, wie schön dieser Beruf ist und uns das ans Herz gelegt“, erzählt sie.

Neben der Arbeit auf dem Hof macht sie eine Ausbildung als Groß- und Außenhandelskauffrau, geht dafür in Münster zur Berufsschule und arbeitet in Köln. Und nebenher regiert sie als Kartoffelkönigin das Rheinland. Die Kartoffelkönigin ist hier einzigartig. Während es in anderen Bundesländern zusätzlich auch eine Spargel- und/oder Weinkönigin gibt, ist die Kartoffelkönigin in NRW die einzige Königin. Anna Müller ist auch noch eine besondere Kartoffelkönigin, denn es ist ein Jubiläumsjahr: „Ich bin die 20. Rheinische Kartoffelkönigin“, erzählt sie. Doch die Einzigartigkeit war natürlich nicht ihr Beweggrund, sich für das Amt zu bewerben: „Ich möchte bei den Verbrauchern mehr Interesse wecken für die Kartoffeln und unter welchen Bedingungen heutzutage Lebensmittel produziert werden“, so Anna.

Aber was macht eine Kartoffelkönigin? „Man vertritt das Gesicht der Rheinischen Landwirtschaft“, erklärt sie, was konkret bedeutet: viele Veranstaltungen – in Schulen und Kindergärten, auf Hoffesten, Bauernmärkten und landwirtschaftlichen Messen. Auf so einen Trubel muss man vorbereitet sein. „Vorher hatte ich ein Rhetoriktraining“, erzählt Anna, „Das fand ich sehr hilfreich, weil man lernt, auch auf Fragen zu antworten, auf die man vielleicht jetzt keine Antwort hat, oder wie man am besten reagiert und ruhig bleibt.“ Auch vor vielen Menschen Reden zu halten, gehört zu den festen Aufgaben der Kartoffelkönigin. „Klar, bei den ersten Reden, die man hält, ist man vorher noch nervös“, gibt Anna zu, „aber wenn man einmal im Sprechen ist, und merkt: Es klappt und die Leute hören einem zu, das ist schon ein schönes Gefühl.“

Trotz dieses vollen Terminkalenders schafft es Anna, ihren Hobbys nachzugehen: Sie spielt Tennis, trainiert auch Kinder, ist viel draußen und in ihrem Kräutergarten. Auch Treffen mit Freunden bekommt sie unter: „Ich hab zwar jetzt weniger Zeit und kann nicht immer zu ihnen kommen, aber dafür kommen sie viel mit mir und begleiten mich auch echt gerne zu den Terminen“, sagt Anna.

Bis kommenden Mai ist Anna noch Kartoffelkönigin. Aber auch danach wird die Kartoffel ein wichtiger Teil ihres Lebens bleiben. Im November beendet sie ihre Ausbildung. Danach will sie weiter in der Agrarbranche tätig sein. Eines Tages möchte sie vielleicht mit ihrer Zwillingsschwester den Hof übernehmen. Aber das liegt noch in ferner Zukunft. „Papa ist dieses Jahr 50 geworden und wir sind erst 21, deshalb sagen wir immer: der kann noch mindestens 15 Jahre arbeiten.“ Vom Acker machen wird sich Anna bis dahin bestimmt nicht.