ALS-Patient Schmidt will sich nicht vevormunden lassen

Versorgung von Beatmungspatienten : Bruno Schmidt will sich nicht bevormunden lassen

Mit seinen Reformvorschlägen für die künftige Versorgung von Beamtmungspatienten hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine Welle des Protestes ausgelöst, aber auch Zustimmung von Verbänden Betroffener erhalten.

In dem Gesetzentwurf des Ministeriums soll die Versorgung der betroffenen Patienten, die auf künstliche Beatmung angewiesen sind, geändert werden. Vereinfacht gesprochen, soll die Betreuung dieser schwerkranken Menschen künftig nur noch in stationären Pflegeeinrichtungen erfolgen, aber nicht mehr bei den Patienten zu Hause.

Muss ein Patient zu Hause beatmet werden, bekommen Pflegedienste dafür etwa 20.000 Euro im Monat, da eine Pflegekraft den Patienten praktisch rund um die Uhr betreuen muss. Gesundheitsminister Spahn möchte dieses Geschäftsmodell unterbinden, zumal im Mai ein großangelegter Abrechnungsbetrug von Pflegediensten aufgedeckt wurde, bei dem ein Schaden in Millionenhöhe entstanden sein soll. Zudem fürchtet Spahn, dass für die ambulante Versorgung von Beatmungspatienten nicht genügend qualifizierte Pflegekräfte zur Verfügung stehen. Laut Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) ist die Zahl ambulanter Beatmungspatienten zuletzt deutlich gestiegen: Waren es 2005 rund 1000 Fälle, werden heute 15.000 bis 20.000 Patienten geschätzt. Laut Gesundheitsministerium soll diese Intensivpflege daheim nur noch die Ausnahme sein, etwa bei Kindern.

Unter dem Twitter-Hashtag #nichtmeingesetz und einer Online-Petition machen namentlich ALS-Patienten Front gegen den Gesetzentwurf. Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine chronisch-degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems. Die Patienten leiden an fortschreitenden Muskellähmungen und müssen im Endstadium häufig beatmet werden. Prominenter Patient war der verstorbene Astrophysiker Steven Hawking. Ein lokaler ALS-Patient ist Bruno Schmidt, Gründer des Vereins ALS – „Alle lieben Schmidt“ – , der den Spahn-Entwurf rundheraus ablehnt, „weil ich dann ins Pflegeheim muss“. Schmidt möchte dagegen in seiner gewohnten Umgebung bleiben, zumal er nach der Diagnose ALS sein Wohnhaus in Gereonsweiler verkauft und ein barrierefreies, behindertengerecht gestaltete Haus bezogen hat. „Es geht nur um Kosten“, sagt Bruno Schmidt, der sich hier nicht von Jens Spahn bevormunden lassen will. Werde der Gesetzentwurf umgesetzt, würde er den Luftröhrenschnitt verweigern, der bei nachlassenden Vitalkapazitäten Voraussetzung für eine künstliche Beatmung sei. „Alles andere macht für mich keinen Sinn.“