Jülich: „Alice in Underland“ geht unter die Haut

Jülich: „Alice in Underland“ geht unter die Haut

Aus dem bekannten Kinderbuch von Lewis Caroll „Alice im Wunderland“ wurde durch Stefan Altherr „Alice im Anderland“. Doch die Schüler und Schülerinnen des Literaturkurs Q1 am Gymnasium Zitadelle in Jülich gingen noch einen Schritt weiter. Sie bearbeiteten das Stück noch einmal und so wurde schließlich, in Anlehnung an beide Fassungen, „Alice in Underland“ daraus und aus dem Traum des kleinen Mädchens ein Trauma.

Die Figuren sind gleich geblieben, und auch diese Alice, gespielt von Nina Krüger, ist auf der Suche nach ihrem eigenen Ich. Doch statt eines bunten Märchens präsentieren die jungen Schauspieler ein Drama, dass unter die Haut geht und nur noch wenig mit der ursprünglichen Fassung zu tun hat.

Mehr Tiefgang

Als die Schüler und Schülerinnen vor einem Jahr beschlossen, sich Alice im Wunderland zu widmen, war ihnen schon klar, dass es etwas mit mehr Tiefgang werden sollte, und so geschah es auch. So manchem Zuschauer in der Jülicher Stadthalle blieb bei dieser Satire das Lachen im Halse stecken, ging es doch um überaus tiefgreifende Probleme wie Verfolgungswahn, Persönlichkeitsstörungen, Wahnvorstellungen, Abhängigkeit und Sucht und Kindstötung.

Behandelt werden diese psychotischen Störungen mit den „berühmten, kleinen blauen Pillen“, denn Alice, die selbst an einem schweren Trauma leidet, ihr Elternhaus in Brand gesteckt hat und ihre Eltern tötete, befindet sich in einer Nervenklinik. Sie wandert zwischen Traum und Wirklichkeit durch die Welten, immer begleitet von der Grinsekatze (Tarah Nickele). Und so taucht dann in dem Stück die Herzogin (Kathrin Spieß) als Kindsmörderin auf, die Köchin (Vanessa Ohm) als Magersüchtige, die Raupe (Jonas Wick) mit seinen Persönlichkeitsstörungen, das rosa Kaninchen (Nico Waning) leidet unter Verfolgungswahn und der Hutmacher (Sebastian Lindenlauf) unter schweren Kriegstrauma.

Doch auch die beiden Ärzte (Chris Bednareck) und Karla Knapstein sowie die Lakaien (Annika Rumpf und Pia Ziemons) haben ihre Probleme. Und wie bei Alice im Wunderland, gibt es auch hier die Herzkönigin (Stella Kraus) und den Herzbuben (Julian Diaconu), die die übrigen Patienten bis aufs Blut terrorisieren und sich in en Träumen des Kindes als deren Eltern darstellen.

Es kommt zum bekannten Schachspiel, bei dem Alice das Leben des rosa Kaninchens riskiert. Hier hat sich der Kurs, der unter der Leitung von Pedro Obiera stattfand, auch etwas Besonders einfallen lassen. Als Schachfiguren fungierten Schüler und Schülerinnen der Klasse 6e.

Dramatisch geht es dem Ende entgegen. Alice versucht die anderen Mitbewohner der Klinik gegen die Herzkönigin aufzulehnen und als alles scheitert, geht auch die Klinik in Flammen auf.

Viele Engagement und Herzblut hatten die Schüler rund Schülerinnen des Gymnasiums Zitadelle wieder in ihre Theateraufführung investiert und eine sehenswerte Aufführung inszeniert.

(Kr.)
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