St.-Johannes-Kirche in Siersdorf hat besondere Bedeutung

Ins Jubiläum der Kommende eingebunden : Ein Gebäude von besonderer Bedeutung

Die Kommende Siersdorf ist bekannt als die Ruine des Herrenhauses des Deutschen Ordens, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde und seit Jahren aufwändig gesichert wird. Wichtiger Bestandteil der Kommende ist aber auch die St.-Johannes-Pfarrkirche.

1219, vor 800 Jahren, schenkte der Jülicher Graf Wilhelm III die Kirchen von Siersdorf und Nideggen an den Deutschen Orden. In Siersdorf entstand die sogenannte Deutschordens-Kommende, also ein Sitz des Deutschritter-Ordens.

Ein handschriftlicher Eintrag im Pfarrarchiv vermerkt zu Beginn des 16. Jahrhunderts einen vollkommenen Neubau der Siersdorfer Pfarrkirche, der im Jahre 1510 vollendet wurde. Mutmaßlich ersetzte dieser eine Kapelle. Mithin kann 2020 das „Kirchweihfest“ auch als 510-jähriges Gedenkjahr der Erbauung der St.-Johannes-Pfarrkirche begangen werden.

Einwirkungen des Krieges

Die im Wesentlichen noch heute erhaltene Ordenskirche des Deutschritter-Ordens wurde unter den Komturen – also der Leitung der sogenannten Ordensniederlassung (Kommende) – von Konrad von Reuschenberg und seinem Nachfolger Franz von Rusenberg-Reuschenberg erbaut. Bis auf den oberen Teil des Turmhelmes, der im Jahre 1636 unter dem Komtur Johann von Eynatten-Obsing erneuert wurde, konnte die Kirche in neuer Zeit nach mehreren Kriegseinwirkungen wieder nach dem Vorbild ihres alten Aussehens restauriert werden.

Mit dem Anfang des 16. Jahrhunderts fällt der Neubau der Siersdorfer Pfarrkirche in eine Zeit hinein, in der der Deutsche Orden unter besonderer finanzieller Belastung stand. Trotzdem war es den Komturen in der Siersdorfer Kommende gelungen, den Neubau einer Pfarrkirche in Angriff zu nehmen, die dann in den Formen der späten Gotik verwirklicht wurde.

Der Zweite Weltkrieg hat an der Ordenskirche verheerende Spuren hinterlassen. Das Kirchengebäude wurde vor allem in den Jahren 1955/56 wieder instandgesetzt und schließlich mit dem Anbau an der Nordseite um einen größeren und lichteren Raum erweitert. Hierum hatte sich der damalige Siersdorfer Pfarrer Johannes Steffens mit besonderem Einsatz bemüht.

Der Patron der Kirche ist St. Johannes der Täufer. Eine Reliquie des Heiligen befindet sich auch heute noch in der Stirnhöhle einer hölzernen Nachbildung des abgeschlagenen Johanneshauptes. Darüber hinaus weist das Innere der Kirche mehrere Kunstwerke von großer Bedeutung auf, worauf der Gebäudekomplex unter Denkmalschutz gestellt wurde. Bemerkenswert sind dabei unter anderem der Hochaltar als Werk der flandrischen Schnitzerschule Antwerpen (um 1520), der Lettnerbogen aus der Zeit um 1545 sowie mehrere Heiligenfiguren aus der Kalkarer Schule. Hinzu kommen noch das Chorgestühl mit den Wappen der Ordensritter und Komturen. Gut erhalten sind auch zwei Grabplatten mit den Ahnenwappen der Komture.

Ein besonderes Zeugnis

Zu den Kunstwerken aus dem Mittelalter hat der Künstler Professor Anton Wendling mit bunten Fenstern einen etwas moderneren, jedoch stilvollen Ausgleich geschaffen. Nach wie vor haben viele sachkundige Besucher in den vergangenen Jahren ihr Interesse sowohl an der kunstvollen Ausstattung als auch am Kirchengebäude bekundet. Die Kirche hat durch ihre Eigenart und mit der Zugehörigkeit zum Deutschen Orden unter den geschichtlichen Zeugnissen im Jülicher Land einen besonderen Platz gefunden.

(zts)