Kiesgrube Tholen: Siedlung und Gräberfeld in jüngerer Bronzezeit belegt

Archäologische Befunde in der Kiesgrube Tholen : Hinweise auf Siedlung und Gräberfeld vor rund 3000 Jahren gefunden

Asche von Toten, Keramik und Steinartefakte – all das wurde in den vergangenen Jahren immer wieder in Aldenhoven gefunden. Diese Gegenstände geben Hinweise auf eine Siedlung und ein Gräberfeld der jüngeren Bronzezeit, also etwa 1000 bis 800 vor Christus. Lokalisiert werden diese Existenzen bei der Kiesgrube Tholen und Davids an der L228.

Die Außenstelle in Nideggen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege ist zuständig für archäologische Ausgrabungen und Untersuchungen im südwestlichen Rheinland. Pro Jahr nimmt die Außenstelle zusätzlich rund 300 bis 400 Fundmeldungen von interessierten Heimatforschern auf.

Die jüngsten Untersuchungen betreffen die Kiesgrube Tholen in Aldenhoven. „Seit 2011 haben wir hier immer wieder ausgegraben und geforscht“, sagt Leiterin Petra Tutlies. Mit zahlreichen Mitarbeitern registriert und bereitet sie archäologische Befunde und Funde wissenschaftlich auf. „Im vergangenen Herbst hatten wir hier die letzte Untersuchung“, erläutert die Archäologin. Heißt: Es stehen keine weiteren mehr an und der Grabungsabschluss muss angefertigt werden. Insgesamt sind über 5,5 Hektar Fläche analysiert worden. „Neben zahlreichen Siedlungsbefunden haben wir auch eine Menge Grabbefunde ausmachen können“, sagt Tutlies. „Hier hat eine Siedlung und ein zweiteiliges Gräberfeld existiert.“

Leichenbrand analysiert

Vor allem fanden die Archäologen Scherben aus Keramik, aber auch Urnen und Asche – den sogenannten Leichenbrand. „Wenn die Toten damals verbrannt wurden, findet man davon noch heute die verbrannten Knochenfragmente in den Urnen“, erklärt Tutlies. Für einen Laien unglaublich: Anhand von winzigen Knochenfragmenten und Stücken von Zähnen können Spezialisten oft noch Alter, Geschlecht und Lebensumstände bestimmen – und das noch nach rund 3000 Jahren.

Auch der Leichenbrand aus der Kiesgrube Tholen wurde von der Außenstelle in Nideggen an eine Anthropologin geschickt. „Je nach dem, wie kleinteilig die Knochenreste sind, gibt es manchmal auch keine Ergebnisse“, erklärt Tutlies. „Bei manchen Gräben konnten wir aber einiges herausfinden.“

So ergaben die Untersuchungen, dass die Menschen, die an Stelle der heutigen Kiesgrube begraben worden sind, häufig an einer Hyperostose gelitten haben könnten – also an einer Vermehrung des Knochengewebes. „Das tritt vor allem dann auf, wenn man Hunger leidet und nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt und unterernährt ist“, sagt die Archäologin. Als Beispiel nennt sie das Grab einer erwachsenen Frau, die etwa 28 Jahre alt gewesen sein muss. Aber egal ob menschliche Überreste, Scherben von Schalen und Töpfen oder Tierknochen – „all diese Funde geben einen guten Einblick in die archäologische Kulturlandschaft und das frühere Leben.“

Dieser Fund in der Kiesgrube Tholen in Aldenhoven zeigt in der Mitte eine große Urne und rechts davon ein kleineres Gefäß, das dem Toten wahrscheinlich als Grabbeilage mitgegeben wurde. Foto: J. Altmiks, LVR-ABR

Für die wissenschaftliche Auswertung muss alles rund um das Bodendenkmal und damit den Ausgrabungsort genau dokumentiert werden. Im Falle der Kiesgrube Tholen wurde zunächst die oberste Schicht vom Kiesgrubenbetreiber selbst abgetragen. Dann rückte ein Bagger des LVR-Amtes an und trug eine weitere Schicht ab, so dass nur noch eine aalglatte Fläche zurückbleibt.

„Durch das gerade Abziehen des Oberbodens werden Verfärbungen im Boden und einzelne Scherben sichtbar. Dadurch sehen wir, an welchen Stellen Erdeingriffe des Menschen, wie der Bau eines Pfostenständerhauses oder einer Grube stattgefunden haben“, erklärt Tutlies.

Sobald etwas gefunden wird, etwa eine Urne, wird sie mittels Gipsbinden oder Frischhaltefolie entnommen und als Block in die Außenstelle nach Nideggen gebracht. „Hier beginnt dann das eigentliche Ausgraben. Dabei werden die Fundstücke nicht nur von Erde und Schmutz befreit, sondern auch eventuelle Überreste aus Urnen geborgen“, erklärt die Archäologin der Bodendenkmalpflege. Im Großen und Ganzen werden dann alle Funde nummeriert, kategorisiert und analysiert, „so dass eine wissenschaftliche Untersuchung möglich ist.“ Das bedeutet, das LVR-Amt findet und sammelt Quellen, die später der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden.

„Natürlich fließen in den Grabungsabschluss auch unsere Interpretationen der aufgedeckten Befunde mit ein. Wir setzen die Befunde der Grube Tholen ja auch in Bezug zu denen der Grube Davids“, sagt Tutlies – Vorschläge also, wie die Kulturlandschaft ausgesehen haben könnte vor etwa 3000 Jahren in Aldenhoven. Bis der Grabungsabschluss allerdings fertig ist, wird es noch eine Weile dauern. „Die Funde aus Keramik habe ich jetzt alle aufgearbeitet. Als nächstes stehen vor allem Steinartefakte an.“

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