Günter Bers stellt Veröffentlichung der Joseph-Kuhl-Gesellschaft vor

Neues Buch : „Aldenhoven zwischen Dorf und Stadt“

Im Ludwig-Gall-Haus wurde jetzt eine Veröffentlichung der Joseph-Kuhl-Gesellschaft vorgestellt. Dabei geht es um das Thema „Aldenhoven zwischen Dorf und Stadt“.

„Aldenhoven zwischen Dorf und Stadt“, ist ein Thema, welches hin und wieder die Gemüter bewegt. Schon unter Franz Vit und seinem Verwaltungschef Hermann Goertz war das aktuell. Damals scheiterte deren Versuch, die Stadtrechte zu erlangen. Am vergangenen Donnerstag war es wiederum Thema im Ludwig-Gall-Haus, wo Professor Günter Bers die letzte Veröffentlichung der Joseph-Kuhl-Gesellschaft vorstellte, die dies zum Inhalt hatte.

Vorauszuschicken ist, dass die Buchvorstellung überraschend viele Besucher angezogen hatte, sodass die Bestuhlung des jetzigen Trauzimmers – der einstmaligen Peter-Paul-Kapelle – ergänzt werden musste. Frau Dr. Sabine Graumann hatte den ersten Teil der Charakterisierung Aldenhovens zwischen Dorf und Stadt in der Zeit der französischen Besetzung in den ersten Jahrzehnten des 19. Jh. beschrieben. Damals war Aldenhoven ganz kurze Zeit von den Franzosen zur Kantons-Hauptstadt innerhalb des Roer-Departements erkoren worden. Jülich wollte man nicht, weil es hier zu viele feudalistische Strukturen gab. Also wählte man Aldenhoven, nicht zuletzt, weil hier die beiden Jakobiner-Brüder Wilhelm und Franz-Theodor Biergans lebten, die von den Ideen der französischen Revolution angetan waren und eine Art Plebiszit für eine Reunion mit Frankreich unterzeichnet hatten.

Die Bestellung des Kantons Aldenhoven erfolgte am 18. Mai 1798 mit 27 Orten zwischen Baesweiler und Lohn. Das war zur damaligen Zeit gleichbedeutend mit der „Stadtwerdung“. Der Kanton Aldenhoven hatte aber nur eine kurze Lebensdauer von einem knappen Monat. Man hatte Aldenhoven als „religiös-motivierten Ort“ ausgemacht, was auch nicht den Gedanken der Revolution entsprach. Also wurde der Hauptort des Kantons nach Linnich verlegt. Da Linnich zu dieser Zeit durch die Kriegsereignisse sehr zerstört war, musste die Kantonsverwaltung zunächst weiter in Aldenhoven wahrgenommen werden. In der Preußenzeit nach 1815 konnte Aldenhoven den Wunsch nach dem Sitz eines Friedensgerichtes realisieren. Seine städtischen Strukturen verbesserten sich.

Noch deutlicher wird das in den weiteren Untersuchungen von Bers, das „Jahrmarktgeschehen und die Sozialstruktur“ betreffend. Schon im Mittelalter unterschied sich Aldenhoven von den übrigen Bauerndörfern durch ein reges Wirtschaftsleben, angeregt durch fünfmal jährliche Markttermine. Eine Besonderheit, die nur größeren Städten gestattet war. Aldenhoven war begünstigt durch seine Lage an seit der Römerzeit bestehenden Fernstraßen und auch durch seine Entwicklung als Marienwallfahrtsort ab dem Jahre 1654. Es waren Märkte zwischen einem und acht Tagen, die von weit her kommenden Anbietern beschickt wurden. Die von diesen zu zahlenden Markt- oder Standgelder waren eine beträchtliche Einnahmequelle für die kommunalen Finanzen. Hieraus entwickelte sich auch eine Sozialstruktur mit vielen nur in Städten üblichen Handwerksbetrieben und Handelsgeschäften. Diese Entwicklung dauerte bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, dem Anschluss Aldenhovens an die Eisenbahnlinie und der Gründung von Kaufhäusern, welche die Märkte allgemein in den Hintergrund rückten.

Aus den gleichen Gründen scheiterte auch der Versuch, einen Wochenmarkt zu installieren, obwohl es zum Leidwesen der Region die unmittelbare Eisenbahnverbindung zwischen Jülich und Aachen über Aldenhoven seit dem 30. Mai 1980 nicht mehr gibt. Gelungen ist dagegen das Wiederaufleben des Weihnachtsmarktes.

(gre)
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