DLRG-Ortsgruppe Aldenhoven: Yusuf Ergin ist Vorsitzender

Neuer Vorsitzender der Ortsgruppe : Die DLRG war für Yusuf Ergin schon immer ein Stück Familie

Als Yusuf Ergin zehn Jahre alt war, ist er beim Schwimmen gelandet. „Meine Eltern haben mich in der Schule beim Anfängerschwimmen angemeldet“, erinnert er sich. Mit seinem jüngeren Bruder hat er so ziemlich jeden Sport ausprobiert.

Schwimmen, Fußball, Ringen. Der Bruder ist beim Fußball gelandet, er selbst beim Schwimmen geblieben. Mit 27 ist Ergin im März zum Vorsitzenden der DLRG-Ortsgruppe Aldenhoven gewählt worden.

Knapp 14.000 Einwohner hat die kleine Gemeinde Aldenhoven. 600 von ihnen sind Mitglied der DLRG. Sie ist damit die zweitgrößte im Keis Düren und übernimmt beispielsweise seit vielen Jahren die Aufsicht am Badesee in Echtz. Die Mitgliederzahl ist bemerkenswert und lässt sich vielleicht auch dadurch erklären, dass die Aldenhovener Ortsgruppe sehr viel mehr ist, als eben nur der Verein, der Kindern das Schwimmen beibringt.

Für den zehnjährigen Yusuf Ergin war sie auch ein kleines Stück Familie. Als er damals das Seepferdchen-Schwimmabzeichen absolviert hatte, wollte er mehr. Bronze-, Silber- und Goldabzeichen folgten. „Ich habe mich davon fesseln lassen und Ehrgeiz entwickelt“, sagt er und berichtet, wie sich im Verein Freundschaften mit Gleichaltrigen entwickelt hätten und man irgendwann angefangen habe, sich auch außerhalb des Vereins zu treffen.

Wachdienst am Badesee in Echtz

Mit 15 stand er als Ausbildungshelfer am Beckenrand, mit 16 gründete er mit seinen Freunden einen Jugendvorstand und organisierte Veranstaltungen für die Kinder. „Natürlich versuchen wir die Werte der DLRG zu vermitteln, aber im Bereich der Arbeit mit Kindern ist natürlich auch der Spaßfaktor wichtig“, betont er.

Yusuf Ergin reizte das Wettkampfschwimmen. „Das fördern wir besonders. Immerhin kann man Wettkämpfe bis hin zur Bundesebene austragen.“ So wie der Wettkampf für viele Jugendliche einen Anreiz darstellt, im Verein aktiv zu werden, stellt für andere der Wachdienst am Badesee in Echtz eine besondere Motivation dar. Darüber hinaus bietet sich für die Ortsgruppe die Möglichkeit, dort regelmäßig Kinder- und Jugendwochen zu veranstalten.

Auch wenn Ergin mit Blick auf die Nachwuchsarbeit feststellt, dass es „eine Welt außerhalb des Schwimmbades“ gibt und er weiß, dass man entsprechende Angebote offerieren muss, bedeutet das im Umkehrschluss nicht, dass die DLRG ihre eigentliche Aufgabe vernachlässigt.

„Ich konnte in der 5. und 6. Klasse mit der Schule noch schwimmen gehen. Heute gibt es diese Angebote aufgrund der fehlenden Infrastruktur vielerorts nicht mehr“, stellt er nüchtern fest und beschreibt damit letztlich auch den Zuwachs an Aufgaben für die Ortsgruppe. „Heute muss das Interesse von den Eltern selbst kommen, dass ihre Kinder schwimmen lernen, weil in der Schule meist niemand mehr aktiv auf sie zugeht“, sagt Ergin. In Aldenhoven funktioniert das noch. Die Eltern kommen so zahlreich mit ihren Kindern, dass es teilweise lange Wartezeiten gibt. Die DLRG kann für ihre Kurse die Siersdorfer Kleinschwimmhalle nutzen, ebenso das Lehrschwimmbecken in der Aldenhovener Gemeinschaftsgrundschule.

„Die Teilnehmer an den Kursen sind bei uns bunt gemischt“, sagt Ergin. Auffällig ist aber, dass viele Eltern in der Vorstellung leben, dass das Seepferdchen-Abzeichen bereits vollkommen ausreiche und ihre Kinder dann wieder abmelden. Aus der Sicht von Ergin ein Trugschluss: „Damit kann man sich noch nicht frei in einem Gewässer bewegen. Erst das Bronze-Abzeichen fördert längere Strecken.“ Das ist mit ein Grund, warum sich Ergin vorgenommen hat, verstärkt auf Schulen und Kitas zuzugehen, um Aufklärungsarbeit zu leisten.

Dass der Aldenhovener Sohn türkischer Eltern, der mit zehn Jahren in die Ortsgruppe eingetreten ist, sich bis heute im Jugendvorstand engagiert und jetzt Vorsitzender der Ortsgruppe ist, hat sich für ihn zum passenden Zeitpunkt ergeben. „Bei der Vorstandswahl vor vier Jahren hatten mehrere Mitglieder angekündigt, dass sie die Ämter zum letzten Mal übernehmen wollten. Das war auch ein Wink an die Jugend, Aufgaben zu übernehmen“, sagt Ergin, der sich das Amt zugetraut hat.

Jung und alt

„Vor vier Jahren wäre ich zu jung gewesen. Jetzt fühle ich mich dem gewachsen, habe die nötige Erfahrung und fühle mich akzeptiert“, ergänzt er. Und er vergisst dabei nicht zu erwähnen, dass ihm gerade die Mischung von Jung und Alt im neuen Vorstand gefällt. „Uns sind erfahrene Mitglieder im Vorstand erhalten geblieben, auf die man sich verlassen kann. Das ist eine große Erleichterung.“ So, wie Yusuf Ergin schon bei seinen Schwimmabzeichen und beim Wettkampfschwimmen Ehrgeiz entwickelt hat, dürfte er auch als Vorsitzender versuchen, die selbst gesteckten Zielmarken erreichen zu wollen. Die sind bei vielen Vereinen ähnlich: Mitglieder gewinnen, den Nachwuchs fördern, Mitglieder zur Mitarbeit bewegen. In diesem Punkt muss sich der Wettkampfschwimmer noch freischwimmen.

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