Abschluss der Schlosskonzerte mit István Várdaj und Zoltán Fejéravi

Abschluss der Schlosskonzerte : Leichtigkeit und Souveränität begeistern Zuhörer

Ein grandioser Duo-Abend beschloss am Sonntag die 40. Saison der Schlosskonzerte. Der international vielfach preisgekrönte Cellist István Várdaj bot mit seinem Klavierpartner Zoltán Fejéravi Kammermusik auf Weltniveau.

Bei den sieben Variationen über das Thema aus Mozarts „Zauberflöte“ und „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ von Ludwig van Beethoven bestach die Interpretation des Cellisten – kongenial von Fejéravi begleitet – durch subtile, schnörkellose Musizierfreude. Makellose Passagen auch in den höchsten Lagen wurden von perlenden Läufen des Klaviers brillant umspielt.

Leidenschaftlich präsentiert

Die Sonate für Cello und Klavier Nr.2 D-Dur op.58 von Felix Mendelssohn ist eines der virtuosesten Werke für Cello-Literatur. Sie wurde leidenschaftlich, engagiert und technisch überragend präsentiert. Technische Schwierigkeiten scheint es für Vardaj und Fejéravi ohnehin nicht zu geben.

Ihre Interpretationen suggerieren bei aller Ausdruckskraft Leichtigkeit und Souveränität. Das Stradivari-Cello, das ursprünglich der legendären Jacqueline du Pré gehört hatte, füllte den Raum vom leisesten Pianissimo bis hin zu klanggewaltigen Ausbrüchen. Der Flügel, obwohl inzwischen etwas überholungsbedürftig, erklang unter Fejéravis Händen dennoch differenziert und zart.

In seinem 1911 komponierten „Pohádka“ für Cello und Klavier erzählt der mährische Komponist Leoš Janáček ein russisches Märchen nach Vassili Schukowsky musikalisch nach: die Geschichte vom Zarensohn Iwan und der Prinzessin Marja. Die Protagonisten begegnen uns in den Instrumenten: Prinz Iwan im Cello, Prinzessin Marja im Klavierpart. Die Komposition besteht aus drei Bildern. Im ersten Bild antwortet das Cello auf die klangvolle Melodie des Klaviers mit zögerlichen Pizzicato-Einwürfen. In den folgenden Sätzen werden Duette und Zwiegespräche hörbar, die schließlich in einem tschechischen Volkstanz enden.

Klangsprache vertraut

Béla Bartók hat zwei Rhapsodien für Violine und Orchester geschrieben. Die erste ist auch in der Fassung für Violoncello und Klavier überliefert. Den ungarischen Musikern Várdaj und Feréravi war Bartóks Klangsprache so vertraut, dass sie das Werk in seiner Modernität gleichwohl auch in seiner Verwurzelung in der Volksmusik souverän vermitteln konnten.

Zoltán Kodálys ungarisches Rondo in der Fassung für Cello und Klavier, das 1918 ursprünglich für Kammerorchester komponiert worden war, bildete einen weiteren Höhepunkt des Abends. Ein Werk das nicht nur das spezifische Klangkolorit des Cellos ideal ausnutzt, sondern in seiner kompositorischen und stilistischen Vielfalt und Meisterschaft wie ein Konvolut verschiedener Einflüsse der Zeit von Dvorák bis Prokofieff anmutet.

Kodaly war zu der Zeit noch dabei, seinen eigenen individuellen Stil zu finden. Dank des dem Cello eigenen dunklen und warmen Timbres und des Energie und Sensibilität gleichermaßen vermittelnden Klavierparts gab das Rondo den beiden Interpreten noch einmal die Gelegenheit, die ganze klangliche Bandbreite ihrer Instrumente auszukosten.

Der begeisterte Applaus und die Bravorufe des Publikums animierten die Künstler zu einer zarten, gesanglichen Zugabe, mit der sie zugleich an ihr Schlosskonzert vor drei Jahren anknüpften: dem „Abendlied“ von Robert Schumann op.85 Nr.12 – ursprünglich ein Klavierwerk, in seiner Transkription für Streicher wie Bläser bereits früh ein willkommenes Zugabenstück.

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