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Höllen: Abenteuertag bei den Höllener Archäologen

Höllen : Abenteuertag bei den Höllener Archäologen

Rund 1800 Menschen, darunter viele Stammgäste und damit etwa 500 mehr als im Vorjahr, besuchten zum 25. „Tag der Archäologie“ die LVR-Außenstelle Höllen des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege. Nicht nur Außenstellenleiter Dr. Udo Geilenbrügge zeigte sich damit „sehr zufrieden“.

Die Gäste begutachteten in der Ausstellungshalle die neuesten archäologischen Funde aus dem Rheinischen Braunkohlenrevier, darunter die reich ausgestatteten spätantiken Grabbeigaben in Gestalt zahlreicher Keramik- und Glasgefäße aus der abgeschlossenen Ausgrabung bei Inden-Vilvenich (wir berichteten), die auf üppige Tafelfreuden hinweisen.

Facettenreiche Archäozoologie: Nathalie Mayer zeigt faunistisches Material aus Latrine und Burggraben der frühneuzeitlichen Wasserburg „Haus Pesch“. Foto: Jagodzinska

Noch mehr Interesse schienen die Bauteile des im Januar unter großem Medieninteresse abgerissenen „Immerather Doms“ zu erwecken. „In drei Tagen war nichts mehr davon da“, sagte ein Besucher kopfschüttelnd vor den Fußbodenplatten von Villeroy & Boch aus den Jahren 1891/92. Aufsehen erregte auch das Modell einer aus einem Brunnen geborgenen römischen „Getreideschwinge“ — ein Korbgeflecht, mit der Landwirte noch bis ins 20. Jahrhundert „die Spreu von Weizen trennten“.

Im Rahmen der Forschungsprojekte der Archäologiestiftung präsentierte sich etwa das Forschungslabor Dendroarchäologie der Uni Köln. Anhand der Dendrochronologie (Baumzeitlehre) können die Wissenschaftler Fällungszeiträume recht genau einschätzen. So verfügt ein Stück Eichenholz als Teil eines Brunnenkastens aus Essen über 217 Jahrringe, ihr Fällungsjahr ist um 1203 datiert.

Sehr facettenreich ist auch die Archäozoologie aus Köln, die faunistisches Material aus Burggraben und Latrine von Haus Pesch zeigte, darunter ein Fuchsschädel sowie Unterkiefer und Kieferschlitten eines Pferdes.

Dichtes Gedränge herrschte in den Außenanlagen. Für die ambitionierten Juniorarchäologen war ein Gräberfeld mit Funden vom Neolithikum bis in die Neuzeit präpariert.

Wie bei den Höhlenmalern

Die Kinder durften töpfern, mit der Replik einer keltischen Handdrehmühle Getreide zu Mehl vermahlen oder mit den Naturfarben „Erde, Ocker, Kohle und Röte“ die Höhlenmalerei nachempfinden. Zu den handwerklichen Demonstrationen in der Eisenzeitlichen Hofanlage durch passend gekleidete Darsteller zählten das Korbflechten, Glasperlenbrennen, keltische Waffendemonstrationen und natürlich das Kochen an der Feuerstelle.

Zubereitet wurde das „Kärntner Ritschert“ mit getrockneten weißen Bohnen und Rollgerste, Selchstelze vom Schwein und speziellen Kräutern. Ohne die geringsten Berührungsängste probierten die zwölfjährige Sarah und die siebenjährige Isabella den Eintopf, wie „Opa“ es ihnen beigebracht hat.

Währenddessen wurden in der römischen „Taberna“ im vorderen Hof insgesamt 400 Portionen „Bubula cum porris et piris et caepis et feniculis“ (Rindfleisch mit Porree, Birnen, Zwiebeln und Fenchel) gereicht, dazu die Höllener Variante des „Conditum Paradoxum“ — ein Weißwein mit Honig und Gewürzen. Auf großes Interesse stieß auch Geologe und Paläontologe Dr. Christian Peitz in authentisch keltischer Kleidung mit Lanze, Schild und Helm.

Da „die Kelten sich selbst nicht dargestellt haben“, dienten „gut in Salz gepökelte (verschüttete) Bergleute aus der Keltenzeit“ als Vorlage für ihr äußeres Erscheinungsbild. Reichlich Zulauf hatte auch der Informationsstand des LVR-Kulturhauses Landsynagoge, der die Fertigung hebräischer Namensbuttons oder den Gummibärchentest auf Gelatinen verschiedenen tierischen Ursprungs anbot.

Fahrten mit dem Pendelbus

Rund 800 Besucher profitierten ferner von den Gratis-Pendelbusfahrten in den Tagebau Garzweiler, wo ein Team aus 18 Studenten der Uni Köln Reste einer Siedlung aus der Zeit der ersten Bauern im Rheinland vor rund 7000 Jahren präsentierten, zuzüglich der geophysikalischen Projektionsmethoden, mit denen sie entdeckt wurden.

Auf die Frage, warum genau der „Tag der Archäologie“ ab sofort nur alle zwei Jahre stattfindet, antwortete Dr. Udo Geilenbrügge: „Wir wollen das Niveau halten“.

Während es in der Außenstelle selbst „immer etwas Neues“ zu betrachten gibt, bleibe bei den Shuttlebusfahrten nunmehr „alles am Tagebau Garzweiler hängen“. RWE habe darum gebeten, den Tagebau Hambach „nicht mehr anzusteuern“. Im Tagebau Inden seien die Archäologen inzwischen „auf der Hochfläche angelangt, wo es von der Prognose her nichts (für die Exkursionen) Planbares mehr zu bestimmen gibt“.

(ptj)