Aachener Phosphor-Theater zu Gast in der Goltsteinschule Inden

Auseinandersetzung mit Tod und Trauer : Indener Schüler sehen sich Aufführung des Aachener Phosphor-Theaters an

Es gibt Aspekte im Leben, die von vielen Menschen gerne ausgeblendet werden und über die sie nicht sprechen möchten. Hierzu zählt selbstverständlich auch das Thema Tod und Trauer, das jeden irgendwann betrifft, das die meisten aber am liebsten ganz aus dem eigenen Denken verbannen möchten.

Viele Eltern wollen natürlich auch ganz besonders ihre Kinder schützen und sind bemüht, sie nach Möglichkeit nicht hiermit in Berührung kommen zu lassen. Das Aachener Phosphor-Theater versucht, dies zu ändern und Kinder und Jugendliche behutsam an diese schwierige Thematik heranzuführen. Zusammen mit Trauerbegleitern vom Kindertrauerprojekt „Diesseits“ der Pfarre Franziska von Aachen hat die Schauspieltruppe das Stück „Schwestern“ auf die Bühne gebracht.

Hier wird kindgerecht erzählt, wie die elfjährige Mathilde um ihre tragisch verunglückte kleine Schwester Zus trauert und ihr immer wieder nachts begegnet. Die Vorlage bildet die vom niederländischen Autor Theo Fransz verfasste gleichnamige Geschichte. Die beiden Hauptfiguren Mathilde und Zus werden von Sabine Flosdorff und Katja Kuhlmann gespielt. Um viele Kinder zu erreichen, kommt die Schauspieltruppe zu verschiedenen Schulen im Aachener Raum, um ihnen das Stück zu präsentieren. Diesmal stand die Goltstein Gemeinschaftshauptschule Inden auf dem Programm und neben den beiden Schauspielerinnen auf der Bühne sorgte Regisseur Raphael Fachner im Hintergrund für die richtige musikalische Untermalung.

Die Schüler hatten als Vorbereitung der Theateraufführung in den Wochen zuvor im Religionsunterricht mit einer Arbeitsmappe die Thematik erarbeitet. Im Mittelpunkt steht Mathilde, die seit einem tragischen Unfall jede Nacht ihrer achtjährigen Schwester in ihrem gemeinsamen Zimmer begegnet und es nicht verwinden kann, dass sie sich schuldig fühlt. Ihre Schwester war vor ihren Augen vor einen einfahrenden Zug gelaufen und hatte ihre Warnrufe nicht gehört. Seitdem versucht sie, das Erlebte zu verarbeiten, doch ihre Eltern sind ihr in dieser schweren Zeit keine Hilfe, da sie selbst mit ihrer Trauerarbeit beschäftigt sind. Sie reagieren geschockt, als sie ihnen von ihren Begegnungen berichtet und wollen sie von einem Psychologen betreuen lassen. Sie selbst verzweifelt fast an dem Verlust der Schwester und will unter anderem alle ihre Sachen aufheben.

Die beiden spielen nachts bei ihren Begegnungen miteinander und Zus macht Mathilde deutlich, dass sie erst wieder richtig fröhlich sein kann, wenn ihre Schwester es auch ist. Bei ihren Spielen verliert die kleine Schwester immer und Mathilde will sie nur gewinnen zu lassen, wenn sie ihr verspricht, nie fort zu gehen. Erst nach vierzig Nächten der Trauer ist sie bereit, den Verlust zu akzeptieren. Sie erkennt nun, dass sie an dem Unfall keine Schuld trägt und lässt schließlich zu, dass Zus bei ihrem Spiel mit dem nächsten Zug zum Ort ihrer Bestimmung fährt und man sich trotz der nun scheinbar endlosen Entfernung nie vergessen wird.

Bei der Fragestunde nach der Aufführung konnten die Schüler ihre Meinung zu dem Stück äußern und Fragen stellen. Hierbei betonten die Darsteller, dass man auch in einer Trauerphase lachen darf und dass gerade Kinder sich auch eine Pause vom Trauern nehmen sollten. „Die Thematik ist nicht einfach und es war für uns als Eltern nicht leicht, diesen Stoff umzusetzen, da man sehr intensiv in die Welt der Hauptfiguren eintaucht“ berichtete Kuhlmann.

„Wir sind mit dem Stück „Schwestern“ an vielen Schulen gewesen und es war auffallend, dass kleinere Kinder viel unbefangener mit dem Thema umgehen als Jugendliche, mit denen wir schon viele sehr emotionale Momente erlebt haben“ wusste Flosdorff zu berichten. Alle drei betonten, dass jeder zur Bewältigung seiner Trauer einen Gesprächspartner brauche und man sich auch nicht scheuen solle, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

(bw)
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