Hier ist der Steinkauz heimisch: 70 Jahre alte Linde illegal beseitigt

Hier ist der Steinkauz heimisch : 70 Jahre alte Linde illegal beseitigt

Eine mächtige, 70 Jahre alte Linde ist offenbar am Montag illegal auf einer Wiese an der Maarstraße in Dürboslar gefällt worden. Pikant an dem Fall: Das entsprechende Areal soll bebaut werden, eine Genehmigung hierfür liegt aber noch nicht vor.

Aldenhovens Bürgermeister Ralf Claßen war am Dienstagmorgen über den Fall informiert worden. „Für uns kam das ziemlich überraschend. Wir sind vorab nicht informiert worden“, erklärte er am Mittwoch auf Anfrage.

Geplant ist auf dem Areal an der Maarstraße ein neues Wohngebiet. Auf rund 13.000 Quadratmetern sollen 18 Wohngrundstücke entstehen. Im Mai 2018 hatte der Gemeinderat einen entsprechenden städtebaulichen Vertrag mit einem norddeutschen Investor abgeschlossen. Baurecht liegt allerdings noch nicht vor. Claßen: „Wir befinden uns noch nicht in der Offenlage. Da scheint jemand übers Ziel hinausgeschossen zu sein.“

Das könnte allerdings Gründe haben. Die Fläche ist als geschützter Landschaftsbestandteil im Landschaftsplan eingetragen, unter anderem weil es sich um ein Brutgebiet für den Steinkauz handelt. Für das Areal gelten dementsprechend besondere Auflagen – erst Recht, wenn es darum geht, dort Baurecht zu schaffen. So dürfen beispielsweise keine Bäume gefällt und Hecken entfernt werden. Im anstehenden Bauleitverfahren müsste der Schutz des Steinkauzes zudem berücksichtigt werden. „Das wird ad absurdum geführt, wenn man vorher die Lebensgrundlage für diese Tiere beseitigt“, ärgert sich ein Leser, der den Vorfall dokumentiert hat.

Ein Nistkasten eines Steinkauzes. Foto: Redaktion

Genau das ist allerdings geschehen, wie sich auch ein Vertreter des Umweltamtes des Kreises am Dienstag vor Ort selbst überzeugte. „Hecke und Linde wurden ungenehmigt beseitigt. Wer das gemacht hat, muss noch ermittelt werden. Wir werden dann ein entsprechendes Bußgeldverfahren einleiten“, erklärte am Mittwoch ein Sprecher des Kreises Düren.

Dass die Schutzbedürftigkeit bestanden hat, ist auch für Aldenhovens Bürgermeister Ralf Claßen unstrittig. Er verweist darauf, dass sowohl das Planungsbüro als auch der Vorhabenträger Pro-Dien GmbH „bisher mit uns immer ganz korrekt“ zusammengearbeitet habe.

Vor der Fällaktion: Die Linde an der Maarstraße. Foto: Redaktion

Karl-Heinz Jost von der Pro-Dien zeigte sich am Mittwoch ebenfalls überrascht von dem Vorgang: „Ich stehe baff da. Wir sind dabei, den Vorgang zu eruieren und stehen mit dem Umweltamt des Kreises Düren in Kontakt.“ Dem Kreis hat er die nötige Hilfe bei der Aufklärung versprochen. „Auch wenn wir für den Vorgang nicht verantwortlich sind, werden wir uns nicht aus der Verantwortung stehlen“, erklärte Just weiter.

Natürlich könne man eine voreilig gefällte 70 Jahre alte Linde nicht ohne weiteres erstezen, aber: „Wir haben im Rahmen unserer Planungen bereits ein Steinkauzersatzgebiet ausgemacht“, verspricht er die Aufstellung entsprechender Brutkästen.

Mehr von Aachener Nachrichten