Priester Josef Jansen: 50 Jahre Seelsorger und engagierter Kämpfer

Priester Josef Jansen : 50 Jahre Seelsorger und engagierter Kämpfer

Josef Jansen feiert sein 50-jähriges Priesterjubiläum. Er lebt für seinen Beruf und ist auch nach 50 Jahren noch aktiv und engagiert. In seiner langen Laufbahn übte Jansen aber auch immer wieder Kritik an der katholischen Kirche.

Die Marionette an der Decke stellt einen Rabbir dar, auf dem Tisch liegt eine Ausgabe der Zeitschrift „Publik Forum“, an der Wand eine Arbeit aus Ton von Arnold Schlader. Josef Jansen sitzt auf einer Kirchenbank. „Die ist evangelisch“, sagt er und grinst. Es ist ein Geschenk von Freunden. Hier in der Jülicher Wohnung des katholischen Priesters im Ruhestand lädt Josef Jansen noch immer regelmäßig zu Bibelkreisen ein. Und von Ruhestand kann bei Jansen, der am Sonntag, 22. September, mit einem Gottesdienst in St. Rochus (11 Uhr) sein 50-jähriges Priesterjubiläum feiert, schon mal gar nicht die Rede sein.

Vorbestimmt war der Weg von Josef Jansen nicht. In der Schule war er eine Art Überflieger, stammte aus einfachen Verhältnissen, sein Vater war Weber. Mit 14 geht er in Aachen ins Konvikt Haus Eich, das Schulgeld von 100 Mark im Monat teilen sich die Eltern und die Heimatpfarre. „Für mich war es nach der Volksschule die Möglichkeit, mein Abitur zu machen“, erinnert er sich. „Als 14-Jähriger hatte ich noch gar keine Idee, was ich später machen sollte.“

Die Entscheidung, Theologie zu studieren, traf er erst kurz vor dem Abitur mit 19. „Ich habe damals auf zwei Zetteln aufgeschrieben, was für und gegen den Beruf des Lehrers und des Pfarrers spricht“, sagt er. Seine Entscheidung ist bekannt, obwohl auf dem einen Zettel drei mal negativ ‚Du darfst nicht heiraten’ stand. Im September 1969 wurde Jansen in Rheydt geweiht und trat anschließend seine erste Stelle als Kaplan in Krefeld an. „Ich war damals zum Teil unbedarft und behütet“, sagt Jansen über sich selbst. Aber eben auch nicht so unbedarft, dass er nicht mitbekommen hätte, was um ihn herum passiert. Schon zu Studienzeiten ist er Mitglied von „pax christi“ gewesen und zu Ostermärschen gegangen. „Auch an der Uni kamen die Theologen nicht an der 68er-Bewegung vorbei.“

Wurde oft angefeindet

Seinen Überzeugungen ist Jansen stets treu geblieben, hat Beratungen für Kriegsdienstverweigerer angeboten, sich klar gegen Aufrüstung positioniert und ist dafür oft angefeindet worden. 1973 wechselt Jansen als Dekanatsjugendseelsorger nach Jülich, baut in der Pfarre Franz von Sales die Jugendarbeit auf, unterstützt die Jugend in St. Rochus, wechselt 1978 als regionaler Jugendseelsorger der Region Heinsberg nach Oberbruch und wird 1981 für acht Jahre Pfarrer in St. Rochus. „Ich hatte das große Glück, mir meine Stellen immer selbst auszusuchen“, sagt Jansen, der immer gerne Priester war. Auch in den schwierigen Zeiten, auch, wenn er mit seiner Kirche gehadert hat. „Die Verbundenheit mit den Menschen war mir wichtig“, sagt er, was besonders wohl für seine Stationen als Pfarrer, beispielsweise in St. Rochus, danach in Immerath gelten dürfte.

Dabei war Jansen immer ein Priester der klaren Worte. Er selbst sagt, dass er „nicht viel Brimborium“ brauche, auch mit vielen Riten innerhalb der katholischen Kirche nur wenig anfangen könne. „Bei mir betet keiner ‚Herr, ich bin nicht würdig...’, weil diese Sprache an den Menschen vorbeigeht.“ Für Christen, die sich an Riten festhalten wollen, mag das schwierig sein, dass er damit den richtigen Ton nicht nur als Jugendseelsorger bei Jugendlichen getroffen hat, sondern zum Ende seiner Dienstzeit auch als Krankenhausseelsorger in Jülich ist unbestritten. „Die Kapelle mit 40 Sitzplätzen war voll. Da waren oft bis zu 80 Menschen.“ Und das sagt er ganz ohne Eitelkeit, sondern eher mit Blick darauf, wie die römisch-katholische Kirche sich ändern könnte.

Behindertenseelsorger

„Gott ist einladend“, sagt der Seelsorger, „nicht ausschließend“. Für Jansen müssten Priester heiraten dürfen, für ihn ist es keine Frage, dass Frauen auch Priester werden sollten. Natürlich weiß er, dass er sich die „Kirche nicht so basteln kann, wie ich mir das wünsche“, aber in seinem Engagement lässt er auch mit 75 nicht nach. „Die Kraft, die ich habe, nutze ich, damit die Kirche ein anderes Gesicht bekommt und nicht ganz an Attraktivität verliert“, sagt er. Das hat er auch bei seinen anderen beruflichen Stationen als Credo ernst genommen. Etwa als er in Immerath das Lebenshaus mitbegründet hat, ein Zufluchtsort und erster Anlaufpunkt für entlassene Strafgefangene und andere Menschen, die durch das soziale Netz gefallen waren. Und später als Behindertenseelsorger, wo er sich in den Einrichtungen der Lebenshilfe engagiert hat.

Kritisch, christlich, unabhängig steht im Untertitel der Zeitschrift „Publik Forum“, die auf dem Tisch von Josef Jansen liegt. Das könnte auch ihn beschreiben, der sich wie die Zeitschrift eher der „Kirche von unten“ verpflichtet fühlt. So ist er seit 50 Jahren Mitglied der Priestergemeinschaft „Jesus caritas“, die sich auf den Mönch Charles de Foucauld beruft. „Wenn man mich aus der römisch-katholischen Kirche nicht rausschmeißt, kann man wohl mit mir leben“, sagt er. Viele können das sehr gut. Und sie werden das 50-jährige Priesterjubiläum zum Anlass nehmen, es mit Josef Jansen gemeinsam zu feiern.

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