Jülich: 25 Jahre Museum Jülich: Einblicke in die Restaurationsarbeiten am Herzögebild

Jülich : 25 Jahre Museum Jülich: Einblicke in die Restaurationsarbeiten am Herzögebild

„Das Spannendste, was es in der Museumsarbeit gibt“, nämlich die Restaurierung eines Gemäldes — so sagte der Düsseldorfer Diplom-Restaurator Börries Brakebusch —, durften die vielen Gäste zur Eröffnung der Blickpunktausstellungen im Silberjubiläumsjahr des Museums Zitadelle aus größerer Nähe verfolgen als gewöhnlich.

Bereits von Brakebusch teilrestauriert war das sogenannte „Herzögebild“ ins Museum zurückgekehrt. Bei der Jülicher Version handelt es sich um die einzige Leinwandversion unter zwölf Kopien, die bereits zweimal wegen struktureller Probleme doubliert worden war.

StolzGeprägt“: Großes Interesse herrscht an der Blickpunktausstellung mit mittelalterlichem Münzschatz. Foto: Jagodzinska

Der Restaurator erläuterte im einführenden Teil in der Schlosskapelle und vor Ort im Museumskeller Herausforderungen und Schritte der Restaurierung. „Wenn ein Museum ein Original hat, möchte es das auch im Originalzustand (17. Jahrhundert) zeigen“, betonte er. Die Problemlage sei durch mehrere Restaurierungs- und Reparaturphasen entstanden, in denen die vorhandenen originalen Stellen fälschlich übermalt worden seien, ein Detailverlust sei die Folge.

„Es geht jetzt darum, die Bereiche des Originals frei zu legen und zu Tage zu fördern, um die ursprüngliche Qualität wieder erfahrbar zu machen“. Dazu würden die Retuschen sehr vorsichtig Schritt für Schritt mit Lösungsmittel entfernt. Zuvor waren Fotografien mit UV-Licht, in denen Retuschen dunkler erscheinen, und Röntgenaufnahmen angefertigt worden. Die größten „Fehlstellen, die noch integriert werden“, seien in den Gesichtern von Wilhelm V. und Johann Wilhelm I. zu finden. „Um das wieder lesbar zu machen, müssen wir auf andere Vorlagen zurückgreifen“, etwa die originale Klever Version, wie Brakebusch erläutert.

Das Gemälde entstand nach dem Zerfall der Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg im 17. Jahrhundert und zeigt die sechs Klever Herzöge von Adolf I. bis Johann Wilhelm I. vor der Ansicht der Residenzstadt Kleve. Die detailreiche „Enttarnung der Geschichtskonstruktion“ aus (kunst)historischer Sicht übernahm der Stadtgeschichtskenner Guido von Büren. Im Resümee deutete er das Herzögebild „als Zeugnis dafür, dass sich die Zeitgenossen in eine vermeintlich bessere Welt geträumt haben“.

Ausstellung „Ahnenreihe“

Museumsleiter Marcell Perse unterstrich: „25 Jahre Museum bedeutet eben auch, Sie an der Detailarbeit im Hintergrund teilhaben zu lassen.“ Die aufwendige Restaurierung ermöglicht das bundesweit einzigartige Restaurierungsprogramm „Bildende Kunst 2018“ des NRW-Ministeriums für Kultur und Wissenschaft. Nähere Einblicke in die „finanzielle und fachkundige“ Unterstützungsarbeit bot Diplomrestauratorin Simone Heuken. Eine wichtige Spende zur Deckung der Eigenmittel tätigte im Übrigen die Jülicher Zahnarztpraxis Dr. Klement Reinartz. „Das Herzögebild steht im Blickpunkt der Ausstellung „Ahnenreihe“.

Das besondere Objekt im Fokus der zeitgleich eröffneten Blickpunktausstellung „StolzGeprägt: Vom Aufstieg eines Herrschers“ ist eine seltene Silbermünze, nämlich ein „halber Turnosgroschen“, die der erste Jülicher Herzog Wilhelm I. 1367 prägen ließ. Ein Jahr, nachdem ihn Kaiser Karl IV. auf dem Reichstag zu Metz zum Herzog erhoben hatte. Sie zeigt ihn als älteren Mann mit üppigem Bart und ist das persönlichste Zeugnis des machtbewussten Herzogs. Susanne Richter präsentierte den spätmittelalterlichen Münzschatzfund aus insgesamt 139 Münzen, der 1952 bei Ausschachtungsarbeit in der Grünstraße geborgen wurde. Wie Bürgermeister Axel Fuchs zuvor bereits ausgeführt hatte, befand sich dort zwischen 1350 und 1461 die Synagoge.

Weil die Münzen sehr überregional zusammengesetzt waren, wäre es denkbar, dass es sich um das Versteck eines jüdischen Fernhändlers gehandelt hat, der möglicherweise den Pestpogromen von 1348 bis 1350 im Rheinland zum Opfer fiel und seinen Schatz nicht mehr bergen konnte. Fuchs hatte hierbei die „Konstanten der Geschichte“ herausgearbeitet. Zurück zum Fund. Der „Adlergroschen“, den Wilhelm als Markgraf (1336 bis 1356) in der Münzstätte Düren hatte prägen lassen, ist die jüngste Münze aus dem Schatzfund.

Aus Wilhelms Zeit als Markgraf stammt ebenfalls der „Dreikönigsgroschen“. Zur „kleinen Reise ins Mittelalter“ zählten ebenfalls der „Pfennig“ oder „Köpfchen“ aus der Prägung von Graf Gerhard V. von Jülich (1297-1328), der „Turnosgroschen“ vom Herzog Wilhelm II. von Jülich (1361-1393) und der „Weißpfennig“ von Herzog Reinald I. von Jülich (1402-1423), letztere beiden wurden in der Münzstätte Jülich geprägt. So sind Münzen nicht nur Zahlungsmittel, sie erzählen Geschichten: „Über den Stolz eines Herrschers, den zunehmenden Handel und über Unruhen, die es nötig werden ließen, das Barvermögen zu verstecken“.

(ptj)
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