Jülich: 2,5 Kilometer langer Biberpfad rund um Overbach eröffnet

Jülich: 2,5 Kilometer langer Biberpfad rund um Overbach eröffnet

Das ging dann doch zu weit. Plötzlich tauchten die bissfreudigen Baumeister rund um das Wasserschloss in Overbach auf. Und sie taten, was ihre Bestimmung ist: Sie nagten. Bevor Bäume auf ein Gebäude stürzen konnten, handelten die Verantwortlichen sofort und „nach Lehrbuch“: Sie infomierten die Biologische Station Düren, die den ultimativen Tipp parat hatte: Die zu schützenden Bäume mit einer Matte umwickeln, dann peilt das größte Nagetier Europas ein anderes, ein leichteres Ziel an.

Die Geschichte beweist auch: Das Comeback des Bibers ist geglückt. Seit Donnerstag kann man auf einem 2,5 Kilometer langen Biberpfad rund um Overbach wandeln und dabei die „Arbeit“ des fleißigen Architekten bewundern.

Der Biber von allen Seiten: So in etwa kann man den Ansatz der Biologischen Station Düren beschreiben, die nach der erfolgreichen Wiederansiedlung ein Projekt mit vielen Partnern startete. Wesentliches Ziel ist, das Image des Nagers zu fördern, dem es auch auf Privatgrundstücken schon mal schmeckt und der so auch mal Menschen zur Weißglut bringen kann, und das Erfolgsprojekt schonend touristisch zu nutzen. Frei übersetzt: Den Tieren etwas näher auf die Pelle rücken, aber eben nicht auf den Pelz.

Das Science College in Overbach kooperiert mit der Biologischen Station, um am Beispiel des Bibers das Thema Ökologie im Projekt wissenschaftlich aufzugreifen und für junge Menschen aufzuarbeiten.

Eine Veranstaltungsreihe mit Forscher-Camp, „Science for Kids“, Ferienakademie und Lehrerfortbildung ist geplant. Zudem wird die Ausstellung „Biber sucht Kunst“ im College Station machen. Das breite Spektrum verdeutlicht: Der Biber wird von allen Seiten beleuchtet. Dazu zählen auch regelmäßige Führungen sonntags auf dem 2,5 Kilometer langen Biberpfad, der vor den Toren des Science Colleges beginnt, am Barmener See teilweise vorbei eine Schleife zurück in Richtung Overbach macht.

Der Pfad ist übrigens barrierefrei und weitgehend befestigt, so dass er auch mit Kinderwagen, Rollstühlen oder Rollatoren befahren werden kann, wie Hildegard Coenen von der Biologischen Station am Donnerstag informierte. Auf dem Pfad zeigen bewusst dezente Schilder mit schwarzer Biber-Silhouette, dass der Nager hier (nacht-)aktiv war und es etwas zu sehen gibt.

Die Spuren sind schon seit einiger Zeit unübersehbar. „Man fragt sich regelmäßig, wer hier abgeholzt hat — der Bauhof oder der Biber“, scherzte Beigeordneter Martin Schulz am Donnerstag bei der Einweihung des Pfades in Vertretung des Bürgermeisters und versprach: „Die Stadt wird das Projekt weiter unterstützen, denn das ist etwas Besonderes.“

Der „Biberbeauftragte“ der Biologischen Station ist Dr. Lutz Dalbeck, der „fünf Kolonien im Großraum Barmen“ ausgemacht hat. Jede Kolonie wird von zwei bis sieben Tieren bewohnt. Die Bibereltern, die übrigens monogam leben, ziehen ihren Nachwuchs bis zum zweiten Lebensjahr auf und wohnen mit ihnen unter einem „Dach“. Dalbeck hat unterdessen herausgefunden, dass nicht alle Biber beim Bau von Dämmen und Burgen gleich talentiert sind. Da seien mitunter auch „einstürzende Neubauten“ festzustellen. Bei den Menschen wäre das quasi „Pfusch am Bau“.

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