100 Jahre VHS: Eine Keimzelle für Bildung wird gefeiert

100 Jahre VHS Jülich : Eine Keimzelle für Bildung wird gefeiert

Vor 100 Jahren werden in Deutschland die Volkshochschulen gegründet. Ab 1947 gab es sie auch in Jülich. Bei der Feierstunde geht es um Geschichte, Geschichten und die Ehrung langjähriger Dozenten.

„Das Volksbildungswesen soll von Reich, Ländern und Gemeinden gefördert werden“. Mit diesem Artikel 148 aus der Weimarer Verfassung von 1919 erhielt die Weiterbildung erstmals Verfassungsrang und wurde zum integralen Bestandteil des öffentlichen Bildungssystems. Im selben Jahr löste er deutschlandweit eine Welle von Volkshochschulgründungen aus. Denn gleichzeitig wird bis heute ein „humanistischer Optimismus“ formuliert, wonach Bildung jeden einzelnen Menschen zur Teilhabe an der Gesellschaft befähigt, unabhängig von sozialer Herkunft oder Religionszugehörigkeit.

Solcherlei Aspekte prägten die 100-Jahr-Feier für geladene Gäste in den Räumen der VHS am Aachener Tor. Mit viel Elan und einer Prise Humor zeichnete Volkshochschulleiterin Claudia Schotte ein Bild von der Entstehung und Entwicklung der Volkshochschulen, „ein Auftrag mit Pathos und egalitärer Grundidee“.

Als konstituierendes Merkmal der Volkshochschulen führte sie das Teilen von Fertigkeiten und Wissen an, das im universellen Sinne gemeint sei. Gleichzeitig ermöglichen Volkshochschulen Begegnung und Dialog. Ferner habe die VHS den Auftrag, sich in einer beständig wandelnden Gesellschaft stetig zu aktualisieren. „Wir fangen immer gerade erst an“, unterstrich Schotte. Und wie alt wird denn nun die VHS in Jülich? Schotte sagte augenzwinkernd: „Wir sind zwar jünger als 100, aber älter als wir aussehen.“

Eine Feierstunde zur Eröffnung der ersten VHS fand am 26. September 1947 im Kolpingsaal, der späteren Stadthalle statt, Kulturreferent war Franz Schnitzler. Erste Seminare wurden ab dem 6. Oktober 1947 gehalten. 1950 musste der Betrieb für rund zwei Jahre eingestellt werden, nach der Währungsreform herrschte Geld- und Zeitknappheit.

Blickt zurück in die Entstehung und Entwicklung der Volkshochschulen: VHS-Leiterin Claudia Schotte.  . Foto: Silvia Jagodzinska

Eine Original-Ankündigung aus 1947 erheiterte und stimmt gleichzeitig nachdenklich. So hieß es etwa in einer „praktischen Einführung in die Haushaltsschneiderei“: „Aus alten Stoffen versuchen wir etwas zu machen. Kleider werden ausgebessert. Wir werden uns schon helfen, vielleicht auch anderen helfen können….“ Eine erste gesetzliche Regelung zur Finanzierung der Weiterbildung wurde 1952/53 getroffen mit der Erkenntnis: „Eine planmäßige und systematische Arbeit kann nur dann gewährleistet werden, wenn jährlich ein fester Staatszuschuss zur Verfügung steht“.

Aus heutiger Sicht nicht zulässige Werbung ist die Zeitungsankündigung einer Lesung des Dichters Karl-Heinrich Waggerl aus 1955. Darin hieß es unter anderem: „Darum reiße man sich einmal los von Film und Radio, den kalten, toten Übermittlern und höre den Dichter, den blutvollen, lebendigen Schöpfer des Kunstwerks selbst….“ Das VHS-Programm aus 1964/65 bewarb schließlich, durch den institutseigenen Fernseher „wichtige Sendungen täglich, außer Sonnabend und Sonntag, ab 19.30 Uhr mitzuerleben“.

Veranstaltungsort war die Promenadenschule, die Gebühr betrug 2 DM halbjährlich! 1974 wurde das erste Weiterbildungsgesetz verabschiedet, 1976 bis 1986 existierte die VHS JuLiA, also Jülich, Linnich und Aldenhoven. 1984 wurde Günter Vogel Leiter der VHS Jülich und blieb es 35 Jahre. Ein neues Weiterbildungsgesetz wurde im Jahre 2000 eingeführt. 2012 erfolgte die Gründung der VHS Jülicher Land, zu der nun auch die Gemeinde Titz zählte. 2014 erfolgte der Umzug der zentralen Geschäftsstelle vom Rathaus in die ehemalige Realschule „Am Aachener Tor“. Derzeit unterrichten knapp 150 Dozenten in verschiedenen Fachbereichen mit ihren vielfältigen Qualifikationen. „Sie bringen hier ein unglaubliches Wissen zusammen“, betonte Schotte.