Heinsberg-Kempen: Zwölfter Comedyabend: Innere Schweinehunde und blaue Augen

Heinsberg-Kempen : Zwölfter Comedyabend: Innere Schweinehunde und blaue Augen

„Comedy in Hülle und Fülle“ versprach in diesem Jahr die Ankündigung für den zwölften Comedyabend von Schützen und Karnevalisten in Kempen. Und „Daphne de Luxe“, ein echt schwergewichtiger Star der deutschen Szene, hielt diese Vorgabe in jeglicher Hinsicht ein.

Klar, zunächst als „Barbie im XL-Format“ ob ihrer Körperfülle, vor allem aber mit Blick auf das, was sie ihrem Publikum in Kempen bot: neben ihrem eigentlichen Comedyprogramm mit viel Witz, Sprachgewandtheit und gut dargebrachtem Livegesang vor allen Dingen jede Menge Situationskomik, nicht zu vergessen echte Kritik an Medienformaten im Fernsehen, die Menschen in angeblichen Dokus nur bloßstellen würden und bei denen ihr die Rücksicht auf die Menschenwürde fehle, wie sie ihrem Publikum so mittendrin einfach mal erklärte.

Gewandet in blauen Samt startete sie in die erste Hälfte ihrer jeweils 75 Minuten Show. Sie habe schon bei ihrer Ankunft eine Führung durch die Vereine des Dorfes erhalten, wies sie auf die großformatigen Schilder aller Kempener Vereine an den Wänden der Bürgerhalle. So ganz entschieden habe sie sich noch nicht, schmunzelte sie. „Vielleicht sollte ich doch ins Frauenturnen gehen“, sinnierte sie — und schon war der Bann gebrochen.

Das Publikum amüsierte sich prächtig. Und das sollte auch so bleiben, einen ganzen Abend lang, bei dem an diesem Ort viel, laut und vor allem von Herzen gelacht wurde.

Oft waren es nur kleine Witze, aus denen Daphne eine große Theatralik entwickeln und zugleich die Fantasie ihres Publikums gekonnt anregen konnte, nicht nur, als sie von sich das Bild einer Joggerin entwickelte, die sich aufgrund ihrer ausladenden „Molkerei“ selbst blaue Augen zufügt oder „unschuldige Dackel erschlägt“. Aber dann doch diese Gewissensbisse: „Du solltest hingehen ins Fitness-Studio, Du hast da für bezahlt!“, ging sie in kritische Selbstreflexion. „Aber das Sofa habe ich doch auch bezahlt!“, konterte sogleich ihr kleiner innerer Schweinehund. „Wenn Sie erst gelernt haben, über sich selbst zu lachen, ist die Welt schön!“, lautete ihr Credo, von dem die Zuschauer schnell sicher waren, dass Daphne es ihnen nicht nur auf der Bühne vorlebte.

Autogramme und Fotos

Sie nahm Dicke aufs Korn, das Leben auf dem Land und witzelte gekonnt in ganz unterschiedlichen Dialekten, in Sächsisch, Bayrisch, Schwäbisch und sogar bei einem Abstecher in die Schweiz.

Nach der Pause kam sie wieder, in Schwarz und Silber gewandet mit der Bemerkung: „Wenn mir das Publikum im ersten Teil sympathisch war, zieh‘ ich mich um.“ Es sei doch schön, mal für ein paar Stunden alle Probleme vergessen zu können, wenn nicht eins davon gerade neben einem sitze, scherzte sie weiter.

„Mir hat es einen Heidenspaß gemacht hier!“, lobte sie den Abend schließlich selbst. Einen Vorgeschmack auf die gute Stimmung habe sie bei der Karnevalssitzung im vergangenen Jahr bekommen. Da sei ihr die Zusage für den Comedyabend natürlich nicht schwergefallen. „Das sind die Abende, von denen ich zehre, wenn im Winter wieder die Firmen-Weihnachtsfeiern kommen“, gestand sie. „Dann denke ich: Weißt Du noch, damals in Kempen!“

Und so genoss auch Daphne den Abend nach der Show noch gemeinsam mit den Kempenern und ihren Gästen von nah und fern, schrieb gerne Autogramme und stand natürlich auch für das ein oder andere Erinnerungsfoto bereit.

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