Zu Gast in der Küche eines erfolgreichen Hetzers

Auf ein Wort mit ... : Zu Gast in der Küche eines erfolgreichen Hetzers

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit ist ein neues und einflussreiches rechtes Netzwerk aus über 130 Stiftungen, Vereinen, Medien und Kampagnen in Deutschland herangewachsen. Das zumindest behaupten Christian Fuchs und Paul Middelhoff.

Am Dienstag, 8. Oktober, führt sie ihr Weg nach Heinsberg. Ab 20 Uhr werden sie sich in den Räumen der Buchhandlung Gollestede, Hochstraße 127, im Rahmen der Gesprächsreihe „Auf ein Wort mit ...“ den Fragen unseres Redaktionsleiters Rainer Herwartz stellen.

Für ihr Buch „Das Netzwerk der neuen Rechten“ sind die Autoren durch Deutschland und Europa gereist unnd haben die wichtigsten Protagonisten der Szene getroffen. Sie waren geheimen Spendern aus der Schweiz auf der Spur und mit einem AfD-Politiker in Serbien unterwegs.

Christian Fuchs arbeitet für das Investigativ-Ressort der Zeit. Zuvor hat er dem Rechercheverbund von NDR und Süddeutscher Zeitung angehört. Seit über einem Jahrzehnt beschäftigt er sich intensiv mit Rechtsextremismus. Er ist Gewinner des Deutschen Reporterpreises, des RIAS-Preises sowie des Leuchtturms für besondere publizistische Leistungen und zählte bereits mehrfach zu den „Journalisten des Jahres“. Bei Rowohlt erschienen von ihm gemeinsam mit John Goertz „Die Zelle“ und der Bestseller „Geheimer Krieg“.

Paul Middelhoff ist Investigativ-Reporter im Politik-Ressort der Zeit. Nach der Ausbildung an der Henri-Nannen-Journalistenschule berichtete er für die Zeit Online aus Washington, D.C. Seit zwei Jahren beschäftigt er sich intensiv mit der AfD und den neuen Rechten. Das Medium Magazin wählte ihn zu den „30 und 30“-Journalisten in Deutschland.

„Rechts zu sein galt in Deutschland lange Zeit als Ausschlusskriterium: zu verstaubt, zu ewiggestrig, zu nah an Neonazis und Hitler-Verehrung. Das hat sich in den vergangenen fünf Jahren geändert“, heißt es in ihrem Buch. Heute säßen Rechte in den Parlamenten, brächten Tausende auf die Straße, beeinflussten den Diskurs und sorgten für einen Rechtsruck in der Gesellschaft. Das sei kein Zufall. Den neuen rechten sei es gelungen, in dieser kurzen Zeit eine eigene Gegengesellschaft zu erschaffen – „mit Verlagen, Trollarmeen, Modemarken, Politikern, Denkfabriken, Künstlern, Jugendbewegung und einer Gewerkschaft. „Das Milieu ist gut vernetzt und hat mächtige Unterstützer. Darum wird die Gefahr, die vom rechten Rand der Gesellschaft ausgeht, so schnell nicht wieder verschwinden“, glauben Fuchs und Middelhoff.

Es dürfte also ein spannender Abend werden, wenn die beiden Autoren von ihrem Besuch beim Festival der Guerilla-Aktivisten berichten oder wie es denn so war in der Küche des Chefs von Deutschlands erfolgreichster Hetzseite. Sie wurden angelogen, bedroht und gerieten in einen wahren Shitstorm. Gesprächsstoff dürfte es mehr als genug geben. Sichern sie sich doch am besten jetzt schon ihre Eintrittskarte bei der Buchhandlung Gollenstede. Es wird sich lohnen.

(red)