Kreis Heinsberg: Zahl der Einbrüche sinkt laut Kriminalitätsstatistik drastisch

Kreis Heinsberg : Zahl der Einbrüche sinkt laut Kriminalitätsstatistik drastisch

Dieter Prosch projiziert in einem Konferenzraum der Heinsberger Polizei am Mittwochnachmittag viele Diagramme an die Wand. Es geht um Raub, Einbrüche, Autodiebstähle und Gewalttaten. Ernste Themen. Aber Prosch, Leiter der Direktion Kriminalität der Kreispolizeibehörde, kann gut gelaunt über die Zahlen der polizeilichen Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2017 sprechen. In fast allen Rubriken sinken die Fallzahlen.

Und das bewertet die Polizei naturgemäß positiv.

So positiv die Entwicklung im vergangenen Jahr war, so besorgniserregend ist ein aktuelles Phänomen: Betrüger geben sich am Telefon als Polizisten aus und überreden Senioren, ihnen Geld, Schmuck und andere Wertgegenstände zu übergeben. Die falschen Beamten geben an, die Wertsachen sicher verwahren zu wollen. Aber wer einem dieser Betrüger etwas von Wert aushändigt, der ist es ein für alle Mal los.

Allein von Jahresbeginn bis vorgestern haben sich 298 Senioren aus dem Kreis Heinsberg bei der Polizei gemeldet, die von falschen Polizisten angerufen worden waren. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 131 ältere Menschen, die sich meldeten. „Da stecken organisierte Strukturen dahinter. Die grasen ganze Regionen ab“, sagt Andreas Bollenbach, Leiter der Abteilung Polizei. Darüber hinaus gebe es wahrscheinlich eine gigantische Dunkelziffer. Im vergangenen Jahr erbeuteten die Täter bei neun geglückten Betrügereien gut 337.000 Euro.

In einem Fall überredeten die Täter eine Seniorin dazu, ihnen Bargeld und Schmuck im Gesamtwert von 12.500 Euro aus dem Fenster zu werfen. In einem anderen Fall übergab ein Senior den Betrügern sogar 146.500 Euro. „Da werden Menschen um die Ersparnisse ihres Lebens gebracht. Wenn ich so etwas höre, schwillt mir der Kamm“, sagt Prosch. Die Polizei fordere niemanden auf, Geld herauszugeben, schon gar nicht am Telefon. Prosch und seine Kollegen können kaum mehr tun, als Senioren zu sensibilisieren, nicht auf solche Anrufe einzugehen. Ob das ausreicht, ist fraglich.

Bei den Wohnungseinbrüchen kann die Polizei hingegen auf positive Effekte ihrer Arbeit verweisen. Die Einbruchszahlen im Kreis sanken im vergangenen Jahr um 26 Prozent auf 514 Fälle. Das ist der niedrigste Stand der vergangenen zehn Jahre. Die Aufklärungsquote von 18,7 Prozent liegt zudem über dem Landesschnitt. Natürlich kann die Polizei nur zum Teil beeinflussen, ob Einbrecher im Kreis zuschlagen.

Die sinkenden Zahlen führt Prosch aber auch auf polizeiliche Präventionsarbeit und Kontrollen zurück. „Wir haben uns personell zur Decke gestreckt“, sagt er. Die Polizei berate Hauseigentümer und Bauherren zum Thema Einbruchsschutz, jeder Tatort werde von spezialisierten Kräften auf Spuren untersucht und es habe gezielte Kontrollaktionen gegeben — auch mit Unterstützung von Einsatzhundertschaften aus Aachen und Mönchengladbach.