Wassenberg: Wollknäuel für Wollknäuel die Stadt gestaltet

Wassenberg: Wollknäuel für Wollknäuel die Stadt gestaltet

Grün, Blau und knalliges Pink — statt in gedeckten Erdtönen leuchtet der Stamm der großen Buche am Heckentheater am Burgberg seit Dienstag in bunten Farben. Der Baum wurde nicht etwa von den seit Monaten in Wassenberg aktiven Sprayern eingeschmiert. Dabei wurde auch ihm ein Graffiti verpasst. Allerdings ein Strick-Graffiti.

Die Mitglieder des Strickkreises des Johanniterstifts Wassenberg haben den Baum zu einem Strick-Kunstwerk gemacht.

Nicht nur Socken und Schals

Normalerweise stricken die zehn Damen der Strickgruppe Socken für die Kinder und Schals für die Enkel. „Und jetzt haben wir tatsächlich einen Pullover für einen Baum gestrickt“, sagt Elvira Nießen, die den Strickkreis im Johanniter-Stift vor einem Jahr ins Leben gerufen hat.

Diese „Masche“ der Seniorinnen ist nicht neu — in den Großstädten der Republik haben die Vorbilder der Strickkreis-Damen bereits Straßenschilder, Bänke, Telefonzellen und Bäume eingestrickt. Die sogenannte Strick-Guerilla will damit das Einheitsgrau von Straßenpollern und Laternenmasten aufwerten. Doch obwohl in Deutschland schon vieles eingestrickt worden ist, wären die Damen ohne den Anstoß von Sabrina Martin nie auf diese, wie sie sie selbst nennen, „völlig jecke Idee“ gekommen. Die Tourismus-Beauftragte hatte den Gedanken, einem Baum einen farbenfrohen Pullover anzustricken, selbst von der Floriade in Venlo mitgebracht.

Im Johanniter-Stift suchte sie nach Strickfans, die ihr halfen, die Idee im Rahmen des Bundeswettbewerbs Entente Florale umzusetzen. Und die zehnköpfige Strickgruppe war schnell Feuer und Flamme.

Es sei nicht nur der Spaß am Stricken gewesen, der die Damen von nun an in jeder freien Minute stricken ließ, sondern auch der Anspruch, die Stadt zu verschönern, sagt ein Strickkreis-Mitglied. Vier Wochen lang haben die Frauen Wollknäuel um Wollknäuel dafür gesorgt, dass die Stadt ein kleines bisschen bunter wird. Manchmal auch mit schmerzenden Fingern, scherzen sie. Insgesamt 80 Päckchen Wolle sind in den Baumpullover eingestrickt worden. Gesponsert hat das Material die Stadt.

Am Dienstag wurde der riesige, meterlange und kiloschwere Wollpullover an einer mächtigen Buche am Heckentheater angebracht. Das Einstricken übernahmen allerdings nicht die Seniorinnen selbst, sondern Sabrina Martin und Stadtgärtner Volker Rütten. „Das hat sich doch gelohnt. So etwas sieht man nicht alle Tage“, freute sich Bürgermeister Manfred Winkens, als er gemeinsam mit dem Strickkreis zum ersten Mal das fertige Kunstwerk am Heckentheater in Augenschein nahm.

Von Zerstörungswut verschonen

Die fleißigen Strickerinnen hoffen nun, dass ihr Strickprojekt, nicht wie so viele andere Stellen der Stadt unter der Zerstörungswut einiger Vandalen leiden muss.