Kreis Heinsberg: Wilfried Oellers diskutiert mit Schülern über das „Projekt Europa“

Kreis Heinsberg: Wilfried Oellers diskutiert mit Schülern über das „Projekt Europa“

Zur großen Shopping-Tour fahren sie über die Grenze nach Roermond, die Fritten essen sie am liebsten in Belgien, sie rocken das Musikfestival Sziget in Budapest und bezahlen ihre Ferien auf Mallorca selbstverständlich in Euro. Sie sind ganz unbewusst echte Europäer.

Grenzen kennen die meisten Jugendlichen nur noch aus ihren Geschichtsbüchern. Und dennoch ist für viele junge Menschen Europa vor allem eins: Irgendwie überhaupt nicht greifbar und weit, weit weg. Mindestens genauso weit weg, wie für den Bundestagsabgeordneten der CDU im Kreis Heinsberg, Wilfried Oellers, die Schulzeit.

Da passte es doch ziemlich gut, dass der 38-Jährige statt im Bundestag oder im Ausschuss vor seinen Parteikollegen jetzt vor 23 Schülern der Politikklasse von Georg Geilenkirchen an der Realschule Heinsberg Im Klevchen sprach. Zwei Schulstunden lang diskutierten die Jugendlichen mit dem Politiker über Europa und den Einfluss, den die Europäische Union auch auf ihr eigenes Leben in der Bundesrepublik und sogar dem Kreis Heinsberg hat.

Interesse an Europa wecken

Die Realschüler waren nicht die einzigen, die Wilfried Oellers besuchte. Im Rahmen des EU-Projekttages, den Bundeskanzlerin Angela Merkel während ihrer EU-Ratspräsidentschaft im Jahr 2007 eingeführt hat, besuchte der Bundestagsabgeordnete insgesamt fünf Schulen im Kreisgebiet — neben der Realschule Im Klevchen auch die Edith-Stein-Realschule Wegberg, die Betty-Reis-Gesamtschule Wassenberg, die Realschule Oberbruch und das St.-Ursula-Gymnasium in Geilenkirchen. „Das Ziel dieser Tour ist ganz klar: bei den Schülern das Interesse am europäischen Projekt wecken und Verständnis für die Funktionsweise der Europäischen Union fördern“, erklärte Oellers auf Nachfrage.

Eine wirklich gute Idee, wie auch die Pädagogen der Schule fanden. „Wenn ein Mitglied des Bundestages so ein Angebot für den Unterricht macht, dann nimmt man das natürlich gerne für seinen Unterricht in Anspruch“, betonte Politiklehrer Georg Geilenkirchen. Um vor dem Abgeordneten zu glänzen, hatten seine Schüler sich bereits in den Unterrichtsstunden zuvor ausführlich mit Europa befasst.

So warteten beim Betreten des Klassenraums von Georg Geilenkirchens Politikklasse nicht nur 23 gespannte Schüler auf ihn, sondern auch ein langer Fragenkatalog, den die Neuntklässler bereits am Tag zuvor auf die Tafel gekreidet hatten. „Die Fragen haben es wirklich in sich“, stellte Oellers überrascht von so viel Politikinteresse und -kenntnis fest. Rund um die Themenkomplexe Europawahl und Euro hatten die Schüler Fragen zusammengetragen. Zudem wollten sie vom Abgeordneten wissen, wie Oellers die derzeitige Situation auf der Krim einschätzt, welche Zukunft er der EU voraussagt, wie er die Hilfsprojekte für die südlichen Mitglieder einschätzt und was für ihn die größte Errungenschaft der EU ist.

Einblick in den Arbeitsalltag

Bevor der Politiker sich jedoch der Beantwortung der Fragen widmete, gab er den Schülern einen kleinen Einblick in seinen Arbeitsalltag und erzählte auch die ein oder andere Anekdote rund um Europa. „Europa ist direkt hier, um uns herum. Wir leben ja schließlich im Grenzbereich“, erklärte Oellers und erzählte den Schülern, wie er als kleiner Junge, wenn er mit seinen Eltern über die nicht weit entfernte Grenze fuhr, selbstverständlich einen Ausweis mitnehmen musste, weil es eine Grenze und auch Grenzkontrollen gab. Er erinnerte sich, dass er zwar in D-Mark bezahlen konnte, sein Wechselgeld aber in Gulden erhielt. „Dass wir einfach über Grenzen fahren können, dass wir, wenn wir wollen, in allen Ländern der EU arbeiten und leben können, dass es europäische Bildungsprogramme gibt, die Auslandssemester für junge Menschen erleichtern, dass wir in Europa eine Währung haben, das ist eine große Errungenschaft“, betonte Oellers.

Wie eng die Nationalstaaten durch die EU miteinander verflochten sind, das zeige sich nicht nur an den Annehmlichkeiten, sondern auch an der Gesetzgebung in der EU, die zum Teil großen Einfluss auf die nationale Gesetzgebung habe. „Daher richte ich den Appell an euch: Nehmt die Europawahl ernst. Europapolitiker nehmen selbstverständlich auch Einfluss auf Deutschland“, betonte Oellers.

Und dann waren die Schüler dran, den Abgeordneten mit Fragen zu Löchern. Zu rund zwei Dutzend schwierigen Fragen, die ihnen unter den Nägeln brannten, wünschten sie sich von dem Politikprofi Antworten. Vor allem eines bewegte die 14- und 15-Jährigen. Die Frage, ob der Frieden in Europa — trotz Finanzkrise, Jugendarbeitslosigkeit und der mehr als angespannten Situation in der Ukraine und auf der Krim — dauerhaft gesichert ist. „Gerade in Bezug auf die Ukraine und die Krim herrscht eine besondere Situation, die behutsam behandelt werden muss, aber eine Kriegsgefahr sehe ich nicht“, nahm Oellers den Jugendlichen die Sorge.

Und er betonte: „Europa ist das größte Friedensprojekt der Welt. Keiner möchte einen Krieg.“ Sicherlich werden die Jugendlichen die Europawahl mit ebenso großem Interesse verfolgen, wie die Ausführungen von Wilfried Oellers. Schließlich sind die Jugendlichen im Kreis Heinsberg, die zum Shoppen nach Holland und zum Essen nach Belgien fahren, ganz klar echte Europäer.