Heinsberg: Wie Kunst im Begas-Haus ihren Glanz zurückbekommt

Heinsberg: Wie Kunst im Begas-Haus ihren Glanz zurückbekommt

Von außen ist eigentlich alles geblieben. Doch hinter den historischen, strahlend weißen Fassaden des Torbogenhauses und des Hauses Lennartz in der oberen Hochstraße hat sich in den vergangenen drei Jahren viel getan.

Aus dem kleinen Zimmer des ehemaligen Kreismuseums über dem Torbogen, in sogenannter Petersburger Hängung bis unter die Decke voll mit Werken der aus Heinsberg stammenden Künstlerdynastie Begas, ist mittlerweile ein ganzes Begas-Haus geworden.

Alexandra Czarnecki mit der Marmorskulptur „Die Geschwister“, geschaffen von Carl Begas d. J. für die Nationalgalerie in den Jahren 1877/78. Foto: Anna Petra Thomas

In insgesamt zehn Räumen entfaltet sich jetzt die Geschichte der Künstlerfamilie Begas. Als deren „Stammvater“ gilt der in Heinsberg geborene königlich-preußische Hofmaler und Akademieprofessor Carl Joseph Begas (se) d. Ä. (1794 bis 1854). Die neue Dauerausstellung beleuchtet Leben und Werk dieses einflussreichen Künstlers und nimmt erstmalig auch seine vier gleichfalls künstlerisch tätigen Söhne sowie weitere Nachkommen in den Blick.

Spitzenwerke der Skulptur, Malerei und Grafik aus insgesamt vier Generationen der Künstlerfamilie sind in Heinsberg zum ersten Mal unter einem Dach versammelt. Ihr Werk umspannt die Epoche zwischen Aufklärung, Romantik und Biedermeier bis zum Denkmalskult der wilhelminischen Kaiserzeit. Die deutschlandweit einzigartige Begas-Sammlung wird durch hochkarätige Leihgaben aus Privatbesitz und Museen, unter anderem aus der Alten Nationalgalerie Berlin und der Stiftung Stadtmuseum Berlin, ergänzt.

Allein 18 der insgesamt rund 120 Werke sind als Leihgaben aus Berlin nach Heinsberg gekommen, nicht nur mit Hilfe eines spezialisierten Logistikunternehmens, sondern auch persönlich begleitet von Gemälderestauratorin Kerstin Krainer. Ganz besonders lag ihr dabei eine empfindliche, bemalte Holztafel am Herzen, bei der während des Transports neben Feuchtigkeit und Temperatur sogar alle Erschütterungen gemessen wurden. Vor dem Transport hat sie die Gemälde restauriert. Dazu hat sie aufstehende Farbschichten mit Hilfe von Leim, gefertigt aus der Schwimmblase des Störs, „niedergelegt“, wie sie sagt, oder auf matt gewordene Stellen neuen Firnis aufgetragen.

Um die neuen Skulpturen, die jetzt im Begas-Haus zu sehen sind, hat sich derweil Skulpturenrestauratorin Alexandra Czarnecki gekümmert. Sie berichtet, dass sogar eine kleine Rampe gebaut werden musste, um „Die Geschwister“, eine mehr als 500 Kilogramm schwere Marmorfigur, auf die Empore zu bringen, die einst die kleine Bühne im Raum für Wechselausstellungen war. Künftig wird der Besucher des Museums hier ins Forum Romanum entführt, nicht nur als Betrachter der Kunstwerke, sondern auch mit Hilfe anderer multimedialer Kreationen.

Dabei lohnt sich gerade bei den Skulpturen durchaus der Blick hinter das Kunstwerk. „Sehen Sie die Werkzeugspuren?“, fragt die Restauratorin den erstaunten Besucher. Aus ihnen lasse sich sehr gut ablesen, wie der Künstler gearbeitet habe, erklärt sie.

Nicht nur das Gespräch mit den Restauratorinnen im Vorfeld der Eröffnung ist interessant, auch Museumsleiterin Rita Müllejans-Dickmann und Kustos Wolfgang Cortjaens steuern bemerkenswerte Informationen zur Herkunft so manch eines Kunstwerks bei. So sei zum Beispiel die Skulptur „Pan als Lehrer des Flötenspiels“ erst vor wenigen Jahren im Kunsthandel wieder aufgetaucht. Die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung habe sie für das Begas-Haus erworben. Und die Ölstudie zum Gemälde „Heinrich IV. in Canossa“ sei deshalb so wertvoll, weil das Original verschollen sei.

Fast unglaublich mutet auch die Geschichte zweier Gipsreliefs an, die mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und des Trägervereins Museum Heinsberg den Weg ins Begas Haus gefunden haben. „Sie wurden uns bereits vor 24 Jahren angeboten“, erinnert sich die Museumsleiterin. Die Korrespondenz befand sich noch im Keller und die Kunstwerke auch noch beim selben Anbieter. „Heute sind Gipse dieser Größe und Schönheit aufgrund ihrer Fragilität äußerst selten“, so Rita Müllejans-Dickmann.

Neben den Kunstwerken der Begas-Dynastie haben aber auch historisch bedeutende Objekte aus der wechselvollen Regionalgeschichte künftig ihren festen Platz im Haus. Dazu gehören etwa der Kirchenschatz der benachbarten Kirche St. Gangolf oder der Münzschatz des Museums. Die archäologische Sammlung soll im kommenden Jahr im Untergeschoss als Schaudepot eingerichtet und im Rahmen von Führungen interessierten Besuchern zugänglich gemacht werden.

Die erste Sonderausstellung im Obergeschoss des ehemaligen Hauses Lennartz ist schließlich im September dieses Jahres geplant als Erinnerung an den Ersten Weltkrieg vor 100 Jahren. „Somit bleibt die Besonderheit der zweifachen Aufgabe als Kunstmuseum und als historisches Museum auch innerhalb des neuen Konzepts erhalten“, so die Museumsleiterin.

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