Wie interessiert man junge Menschen fürs Museum?

Expertengespräch: Braucht das Virtuelle Museum Werbung?

Beim zweiten Museumsgespräch des Heimatvereins der Erkelenzer Lande in der Erkelenzer Geschäftsstelle der Sparkasse stand natürlich das neue virtuelle Museum im Fokus. Genauer die Frage, wie man ein junges Publikum dazu bekommt, sich mit den Themen auseinanderzusetzen.

Stichwort „Museumspädagogik“: Dazu hatte der Heimatverein der Erkelenzer Lande den Mannheimer Professor Hiram Kümper als Moderator gewinnen können, der auch schon bei der Übersetzung der Baux-Chronik und dem Aufbau des Virtuellen Museums (VM) eng mit dem Heimatverein zusammengearbeitet hat. Die Expertenrunde bestand aus Christina Clever-Kümer vom RuhrKunstMuseum in Bochum, der Museumspädagogin Nina Kliemke von Deutschen Fußballmuseum in Dortmund, dem Historiker Markus Kroll (Fernuni Hagen), dem Mediendidaktiker Erik Senst (Uni Bielefeld) und dem Leiter der Europaschule, Willi Schmitz. Die Europaschule baut derzeit ihren Geschichtsunterricht so um, dass Themen und Ereignisse auch bis auf die lokale Ebene heruntergebrochen betrachtet werden.

Der Leiter des Arbeitskreises Virtuelles Museum, Wolfgang Lothmann, beschrieb die explorative Ordnung des Museums. Das Interesse werde dabei auch durch den Einsatz von Kugelpanorama-Aufnahmen gesteigert, die es dem Betrachter erlauben, virtuell in den Ort einzutauchen und auf Erkundungstour zu gehen. Für die Aufnahmen konnte das aus Golkrath stammende Unternehmen Scenario360 gewonnen werden. Andere animierte Darstellungen hatte auch der derzeitige Erkelenz Prinz Frank Maraite beigesteuert.

Die Frage, wie man das virtuelle Angebot an den jungen Menschen bekommt, wurde von den Podiumsteilnehmern und Zuhörern diskutiert. Schnell war klar: Ohne Werbung für das Virtuelle Museum geht es auch oder gerade im Internet nicht. Markus Kroll plädierte für die Einbindung von Apps und sogenannten Open Education Resources, damit das Virtuelle Museum ein „Mitmach-Medium“ bleibe.

Eine Seite im Stile der Plattform Wikipedia sollte neben der virtuellen Plattform aufgebaut werden. Dafür, so betonte Schulleiter Schmitz, müsse man technisch stets auf dem neuesten Stand der Möglichkeiten sein, da sonst die Jugendlichen schnell das Interesse verlieren würden. „Das VM muss technisch über dem Handy-Standard der Jugendlichen liegen“, betonte er. „Veraltete Technik stößt sie eher ab.“ Auch eine dauerhafte Werbung und PR sei für das virtuelle Museumsangebot ebenso unabdingbar wie für die realen Museen.

Auch Hans-Georg Minkenberg, dessen Unternehmen das Virtuelle Museum ins Netz gebracht hatte, plädierte für eine Orientierung an den Bedürfnissen der „Generation Smartphone“. Das Virtuelle Museum werde eine „unendliche Geschichte bleiben“, hatte der Heimatvereinsvorsitzende Günther Merkens zu Beginn der Veranstaltung gesagt. Man darf gespannt bleiben.

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