Wie August Lentz die Zerstörung erlebte

Feier am 16. November : Mit Zeitzeugen der Zerstörung Heinsbergs gedenken

Am 16. November jährt sich der Tag, an dem Heinsberg im Zweiten Weltkrieg beinahe vollständig zerstört wurde zum 75. Mal. Gemeinsam mit dem Heimatverein der Heinsberger Lande bereiten das Begas Haus, die Stadt und die Kirchen einen Gedenknachmittag vor.

Am Samstag, 16. November, wurde die Stadt Heinsberg im Zweiten Weltkrieg durch einen verheerenden Bombenangriff der Alliierten nahezu völlig zerstört. In enger Kooperation bereiten der Heimatverein der Heinsberger Lande, das Begas Haus und die Stadt Heinsberg sowie die katholische und die evangelische Kirche für diesen Tag einen gemeinsamen Nachmittag des Gedenkens vor.

Er beginnt um 16 Uhr im Begas Haus mit der Eröffnung einer Ausstellung im Beisein von Zeitzeugen des damaligen Geschehens. Der Eintritt ist frei.

Gezeigt werden Originalzeichnungen, in denen August Lentz (1897-1977), Kunstlehrer, Leiter des Kreisheimatmuseums und Mitbegründer des Heimatvereins der Heinsberger Lande, seine Eindrücke der zerstörten Stadt vermittelt. Zu dieser Ausstellung wird ein hochwertiger Bildband erscheinen, der Fotos von den Zeichnungen und Erläuterungen zum Geschehen am 16. November 1944 beinhaltet. „Wie es wirklich war… Die Zerstörung Heinsbergs im Zweiten Weltkrieg in Zeichnungen von August Lentz“, lautet der Titel von Ausstellung und Bildband. 

Der Titel ist einem Zitat von Propst Josef Gaspers (1886-1959) entnommen. „Wie es wirklich war, so furchtbar vermag ich es nicht zu beschreiben; die grausigen Bilder, die in der Seele haften bleiben, die aber allen jetzigen Bewohnern von Heinsberg nicht unbekannt bleiben dürfen“, hatte er einige Jahre nach der Bombardierung geschrieben, und weiter sagte er: „Wer die Zukunft gestalten will, muss die Vergangenheit kennen.“ 

Den Abschluss der Gedenkveranstaltung bildet ein ökumenischer Gottesdienst mit Propst Markus Bruns und Pfarrer Sebastian Walde um 17 Uhr in der Propsteikirche St. Gangolf. Zuvor soll in der Kirche eine Bildtafel mit historischen Fotos der Kirche enthüllt werden, die der Heimatverein der katholischen Kirche als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen wird. Sowohl der Bildband zur Ausstellung als auch die Bildtafel wurden möglich durch einen Heimatscheck des Heimatministeriums. 

Die zweiteilige Bildtafel wird derzeit noch in einen Metallrahmen gefasst. Zudem wird sie demnächst wieder den Kopf der Christkönig-Statue zeigen, der beim Wiederaufbau des Marienaltars in St. Gangolf gefunden worden war. Die insgesamt vier Meter hohe Figur aus bayrischem Muschelkalk zierte vor dem Krieg einen Strebepfeiler an der Nordwestecke der Kirche. Sie war ein Geschenk der Pfarrei an Oberpfarrer Johannes von den Driesch zu dessen goldenem Priesterjubiläum im Jahr 1928, das dieser jedoch nicht mehr erlebte. Er starb dreieinhalb Monate zuvor, und so wurde die Figur über seiner Grabstätte errichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zerstört. „Bei den Aufräumungsarbeiten nach dem Krieg wurde der Torso irgendwo in einem Bombenkrater verscharrt“, schrieb der Heinsberger Historiker Wilhelm Frenken 2012 in der Chronik der Kirche. 

Die Zeichnungen von August Lentz werden ab 16. November im Heinsberger Begas Haus zu sehen sein. Foto: Klaus Lisse

Frenken ist es auch zu verdanken, dass über die Zerstörung Heinsbergs vor 75 Jahren noch viele Details bekannt sind. Bereits 50 Jahre nach der Zerstörung, im Jahr 1994, hat der Heimatverein der Heinsberger Lande ein von ihm verfasstes, knapp 270 Seiten starkes Werk herausgegeben. „Als der Tod vom Himmel fiel. Unsere Heimat im Luftkrieg“, lautet sein Titel. Entnommen ist er einem Gedicht des damaligen Propstes Wilhelm Willms, das dieser im gleichen Jahr verfasste. 

Bei der sogenannten Novemberoffensive der britischen Royal Air Force sollte vor 75 Jahren auch Heinsberg bombardiert werden, um so die deutschen Nachschubwege zu blockieren. Und so ging am 16. November 1944 gegen 15.45 Uhr nach einem fünfzehnminütigen Luftangriff die letzte von 2223 Bomben nieder, die 180 britische Bomber auf Heinsberg abgeworfen hatten. Kein einziges Gebäude blieb unversehrt. 50 Prozent der Gebäude wurden völlig zerstört, mehr als 25 Prozent schwer beschädigt und unbewohnbar. Die Stadt Heinsberg war zuvor weitgehend evakuiert worden. Dennoch starben hier an diesem Tag 52 Menschen. Auch ihre Namen sind Teil der Ausstellung im Begas Haus, die am 16. November eröffnet wird.

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