Bürgermeisterwahl in Wassenberg: Wer kandidiert für die CDU um den Chefsessel im Rathaus?

Bürgermeisterwahl in Wassenberg : Wer kandidiert für die CDU um den Chefsessel im Rathaus?

Es ist Freitagabend in einem Saal des Restaurants Alt Wassenberger. Rund 15 Männer und Frauen sitzen um einen langen Tisch herum. Der CDU-Ortsverband Wassenberg tagt.

Also spricht dessen Vorsitzender Udo Jansen über die Arbeit seines Ortsverbandes und Landtagsabgeordneter Thomas Schnelle über die Situation in Düsseldorf.

Ein ganz normaler Abend an der Basis der Partei. Für zwei Männer geht es aber um mehr. Die Ortsverbandssitzung ist Teil einer Reise, die im Chefsessel des Wassenberger Rathauses enden soll.

Die Frage könnte sich zuspitzen

Frank Winkens und Marcel Maurer wollen beide Bürgermeister von Wassenberg werden. Und sie sind beide in der CDU. Im Sommer haben sie ihre Kandidaturen offiziell erklärt. Seither ist klar, dass die Partei irgendwann zwischen ihnen entscheiden muss. Diese Frage könnte sich in den kommenden Wochen zuspitzen. Denn Ende Januar oder Anfang Februar sollen die Parteimitglieder bei einer CDU-Stadtverbandsversammlung einen Kandidaten auswählen.

Die Kommunalwahl im Herbst 2020 rückt damit in Wassenberg schon jetzt in den Fokus. Es ist davon auszugehen, dass der CDU-Kandidat der Favorit auf die Nachfolge von Bürgermeister Manfred Winkens (CDU), der nicht mehr antritt, sein wird. Die Kampfkandidatur zwischen Marcel Maurer und Frank Winkens zu einer Vorentscheidung im Kampf um den Einzug ins Rathaus zu erklären, wäre sicher verfrüht. Allerdings hat die Auswahl, die die 160 CDU-Mitglieder auch für die gut 18.000 Wassenberger treffen müssen, eine große Tragweite.

Klar ist schon jetzt, dass der Wahlabend in knapp zwei Jahren eine ganze Reihe von Neuerungen bringen wird. Denn vier der zehn Bürgermeister im Kreis Heinsberg haben bereits erklärt, nicht mehr antreten zu wollen. Neben Manfred Winkens (Wassenberg) überlassen auch Wolfgang Dieder (Heinsberg), Peter Jansen (Erkelenz) und Herbert Corsten (Selfkant) Jüngeren das Feld. Alle sind Mitglied der CDU, alle haben ein Alter erreicht, in dem der Ruhestand lockt. Öffentliche Erklärungen, wer in Heinsberg, Erkelenz und Selfkant für die CDU in das Bürgermeisterrennen einsteigen will, gibt es noch nicht. Hinter den Parteikulissen ist die Wahl aber naturgemäß längst Thema.

Foto: ZVA

Die Wahl wird also auch für die CDU ein Einschnitt, der die Statik der Partei verändern könnte. Auch dann, wenn die CDU in allen vier Orten wieder die Bürgermeister stellen kann. „Ein neuer Bürgermeister kann nicht den Erfahrungsschatz haben, den ein langjähriger Bürgermeister mitbringt“, sagt CDU-Kreisvorsitzender Bernd Krückel. Er geht aber davon aus, dass solche personellen Änderungen belebend wirken: „Man sollte Respekt vor solchen Veränderungen haben und nicht leichtfertig damit umgehen. Aber ich habe keinen Zweifel, dass wir die Herausforderungen meistern werden“, sagt Krückel.

Marcel Maurer und Frank Winkens stellen sich in diesen Wochen in allen Ortsverbänden der Wassenberger CDU vor. Sie bleiben dabei inhaltlich bei sich selbst. Sie reden darüber, warum sie die Richtigen für den Posten sind. Sie sprechen über ihre Stärken – nicht über die Schwächen des anderen.

An diesem Abend beim Ortsverband Wassenberg spricht Maurer, 43 Jahre, darüber, dass er als Volljurist mit Schwerpunkten im öffentlichen Recht für den Bürgermeisterposten bestens qualifiziert sei. Der selbstständige Rechtsanwalt mit Kanzlei in Heinsberg könne mit seinem Fachwissen wertvoll für die Stadt sein, weil die Verwaltung gar keinen Volljuristen beschäftige. Maurer ist CDU-Vorsitzender in Effeld und Fraktionsvorsitzender im Stadtrat. Er sagt, dass er als Bürgermeister nicht alles anders machen wolle als sein Vorgänger. Die Hauptschwerpunkte, an denen die Stadt in nächsten Jahren arbeiten müsse, stünden ohnehin schon fest. Beispiele seien: die zentrale Sportstätte in Orsbeck, die Bauarbeiten an der Betty-Reis-Gesamtschule und die bauliche Erschließung des Wingertsbergs. Er sehe aber auch die dringende Notwendigkeit, etwas für die Außenorte zu tun.

Respektvoller Umgang

Natürlich unterscheidet sich das, was Frank Winkens, 54 Jahre, tun möchte, nicht von Grund auf von Maurers Ideen oder Manfred Winkens‘ Arbeit der vergangenen Jahre. Schließlich gehören sie beide derselben Fraktion an, die dem Bürgermeister in den vergangenen Jahren stets folgte. Frank Winkens redet bei seiner Vorstellung immer wieder über seine Führungs- und Verwaltungserfahrung, die er als Polizeihauptkommissar – auch in leitender Funktion – gesammelt habe. Das sei auf die Stadtverwaltung in Wassenberg übertragbar. Er ist zudem stellvertretender Bürgermeister und Vorsitzender des Schul-, Sozial- und Jugendausschusses. Er möchte auf die Bürger zugehen, sie ins Boot holen. Es gehe ihm um Transparenz. Und auch darum, Bürger aus allen Ortschaften einzubeziehen.

Ob es am Ende eine Rolle spielt, dass Winkens aus dem großen Ortsverband Wassenberg und Maurer aus dem kleinen Ortsverband Effeld kommt? Ob es gut ankommt, dass Maurer nach der CDU-Parteispendenaffäre Ende der 90er Jahre der Partei kurzfristig den Rücken kehrte? Ob man es Winkens als Schwäche auslegt, dass er sagt, sich in jedweder Position Zeit für die Familie nehmen zu wollen? All das ist ungewiss.

Beide sprechen jedenfalls davon, respektvoll miteinander umgehen zu wollen. Und so kann die Kampfkandidatur, mit der die CDU aktuell ja auch auf Bundesebene ihre Erfahrungen macht, positiv für die Partei in Wassenberg sein.

„Wir haben zwei gute Leute. Ich befürworte, dass beide nach vorn kommen“, sagt Franz-Josef Beckers, CDU-Stadtverbandsvorsitzender. In dieser Situation sei es richtig, die Mitglieder entscheiden zu lassen. Und zwar zeitig: Sobald die Parteimitglieder entschieden haben, gehe es darum, den Kandidaten nach außen zu präsentieren, sagt Beckers.

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