Erkelenz: Wenn Schüler mehr können als ihre Lehrer

Erkelenz: Wenn Schüler mehr können als ihre Lehrer

Nein, nicht wie immer, aber dieses eine Mal hat Rektor Willi Schmitz wohl Recht: „Wenn wir uns in zehn Jahren mal irgendwo treffen, dann werdet ihr euch nicht mehr an irgendwelche mathematischen Formeln erinnern, aber an diesen Preis ganz bestimmt“.

Wie sollten Alicija Habrainski und Esther Lutete da widersprechen? Erstens ist Schmitz ihr „oberster Chef“ — und zweitens stimmt‘s.Wer unter 1517 Mitkonkurrenten als Sieger hervorgeht, der kann schon stolz sein. Und das sind die beiden Zehntklässlerinnen auch: „Ja, unsere Freude war schon sehr groß“, sagen sie. „Ist doch schön zu sehen, wie die sich freuen“, sagt da Rektor Schmitz.

„Begegnung mit Osteuropa“ ist der Schülerwettbewerb überschrieben, für den die beiden vor allen Dingen an den Wochenenden und Zuhause, also nicht im Unterricht und in der Schule, gearbeitet haben. „Mich hat es natürlich auch deshalb interessiert, mich mal näher mit Polen zu beschäftigen, weil ich mit meinen Eltern mit fünf Jahren von dort hierher gekommen bin“, sagt Alicija. Kann man verstehen.

Und Esther? Warum ist sie mit auf den Zug aufgesprungen? „Ich bin zwar in Erkelenz aufgewachsen, meine Eltern stammen aber aus Kinshasa, der Hauptstadt von Kenia“, sagt sie. Ja und, warum hat sie das Thema interessiert? „Ich war einfach neugierig auf das Land. Polen habe ich abgehakt, jetzt kommt das nächste Land dran, mit dem ich mich intensiv beschäftige. Italien vielleicht.“ Als sie das sagt, huscht ein Lächeln über die Mundwinkel ihres Geschichtslehrers: „Das ist das Geniale an Wettbewerben wie diesen: Die Kinder werden neugierig gemacht, sie bekommen Hunger, Neues zu entdecken“, sagt Dr. Stefan Plettscher, der die beiden frisch gekürten Preisträgerinnen nicht unwesentlich zum Mitmachen an dem Wettbewerb motiviert hat. „Aber“, betont er, „ich habe kein Jota am Text der beiden verändert“.

Rektor Willi Schmitz stößt ins gleiche Horn, wenn er neidlos über den Tellerrand seines Berufsstandes hinaus blickt: „Das muss einen Lehrer doch stolz machen, wenn die Schüler mehr können als man selbst, wenn sie dich überholt haben.“ Er, Willi Schmitz, jedenfalls findet das „toll“.

Wie sind sie eigentlich an die Aufgabe rangegangen, wie haben die beiden Freundinnen das Thema angepackt? „Wir haben uns die Städte, die wir besuchen würden, ausgesucht und dann eine Art Tagebuch geführt“, sagt Esther.

Drei Monate hatten sie Zeit für die Arbeit. Entstanden ist eine Art Fotoalbum, oder besser ein bebilderter Reiseführer durch unsere östlichen Nachbarn. „Die Fotos haben wir aus dem Internet rausgefischt“, sagt Alicija.

Der Jury haben sie ein anschaulich-ansprechendes, großformatiges Buch in die Hand gegeben, das auch beim Anlegen der künstlerischen Messlatte nichts an Größe verliert. „Wir haben viel erfahren über das Land. Die Arbeit hat uns Spaß gemacht“, sagen die beiden Preisträgerinnen. Jetzt freuen sie sich auf die Ferien. Und dann auf das Gymnasium. Beide gehen auf‘s Cusanus.